Sport | 30.05.2013

Ultimate?

Text von Sebastian Heinzen | Bilder von zvg
In diesem Sport dreht sich alles um ein Stück Plastik. Die noch relativ junge Sportart Ultimate erfreut sich langsam aber stetig immer mehr Beachtung. Tink.ch will herausfinden, was es mit diesem etwas anderen Sport auf sich hat.
Wer bei Ultimate mithalten will, braucht mehr als Muskeln.
Bild: zvg

Unter dem Begriff Ultimate können sich die Meisten nicht viel vorstellen. Unter Frisbee schon eher. Vielen ist die Plastikscheibe in ihrem Leben schon mal begegnet. Sei es als Kinderspielzeug, Apportiergegenstand für Hunde, in der Schule oder an warmen Tagen im Park. Doch Ultimate ist mehr als bloss statisches Scheiben-hin-und-her-werfen. Es ist ein temporeicher und laufintensiver Sport, bei welchem nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch eine saubere Wurf-, Fang- und Lauftechnik, Spielverständnis, Gleichgewicht, Beweglichkeit, Koordination sowie die Antizipation der Flugbahn der Scheibe grundlegende Elemente sind.

 

Vom Kuchenblech zum Sportgerät

Ultimate ist eine Sportart, welche ihren Ursprung in den Staaten hat. Ende des 19. Jahrhunderts hatten Kinder leer gegessene Kuchenformen der Firma Frisbie-Pie verkehrt herum weggeworfen. Studenten waren an den aussergewöhnlichen Flugeigenschaften interessiert und probierten es selber aus. Daraus entwickelte sich Ende der 60er die Spielidee des Ultimate Frisbee. Die US-Firma Wham-O hat den Begriff Frisbee (wie auch Hula Hoop oder Hacky Sack) geschützt, daher darf er nicht mehr offiziell verwendet werden. Seither heisst die Sportart Ultimate.

 

In Europa ist Ultimate eine Trendsportart, welche sich noch immer in der Wachstumsphase befindet. Weltweit gibt es mittlerweile über 5 Millionen Spieler, davon sind lediglich 100’000 nicht in den USA und Kanada aktiv. Dieser ursprünglich nordamerikanische Sport beinhaltet denn auch Elemente der bereits existierenden, in Nordamerika weit verbreiteten Sportarten American Football und Basketball. Ultimate findet vor allem bei jungen Personen Beachtung, wobei das Geschlecht nur eine kleine Rolle spielt. Ausser bei der Frauen-Kategorie ist der Gender-Mix immer erlaubt, zum Teil sogar vorgeschrieben. Typisch für Trendsportarten wird Ultimate von der traditionellen Sportwelt noch etwas belächelt und von den Medien weitgehend ignoriert.

 

Wie wird gespielt?

Andreas Kaufmann ist Spielertrainer beim Ultimateclub Freespeed Basel. Er erklärt die Grundlagen des Ultimate: “Es treten 2 Mannschaften, bestehend aus 7 Spielern, gegeneinander an. Das Ziel ist es die Scheibe, wie im American Football, in die gegnerische Endzone zu befördern.” Bei Scheibenbesitz darf man nicht laufen, die Scheibe darf nur fortbewegt werden, indem sie zu einem Mitspieler gepasst wird. Als Verteidiger sei es das Ziel in Scheibenbesitz zu kommen. Dies erzwinge man, indem “man es dem Angreifer verunmöglicht, die Scheibe zu fangen, sie blockt oder selber fängt”, erläutert Kaufmann. Sobald die Scheibe nicht gefangen werden könne und den Boden berühre, werde die verteidigende Mannschaft  zur Angreifenden. Speziell an Ultimate ist: Körperkontakt ist grundsätzlich verboten. Das Verletzungsrisiko ist daher gering. Es kann zwar im Kampf um die Scheibe zu unbeabsichtigten Berührungen kommen. “Sobald dadurch aber für eine Mannschaft ein Vorteil entsteht, ist es ein Foul”, so Kaufmann.

 

Dies führt zu einer weiteren Eigenheit des Ultimate: Es gibt keine Schiedsrichter. Sobald ein Regelverstoss stattfindet, muss der benachteiligte Spieler das Vergehen benennen und das Spiel stoppt in diesem Moment. Der Spieler, welcher den vermeintlichen Regelverstoss begangen hat, gibt das Vergehen entweder zu oder er widerspricht. In diesem Fall diskutieren die zwei beteiligten Spieler bis sie sich geeinigt haben. “Falls keine Einigung zustande kommt, wird der letzte unbestrittene Spielzug wiederholt. Das klappt besser als man denkt, denn keiner hat Interesse an ausufernden Diskussionen.”

 

Wettkampf und Freundschaft

Dies ist möglich, weil laut dem Leitprinzip des Sports, dem «Spirit of the game«, der Respekt vor dem Spiel und dem Gegner im Vordergrund stehen. Der Respekt steht selbst vor dem sportlichen Wettkampf. «Aus diesem Grund gibt es auch keine Spielerstrafen. Denn der Grundgedanke ist, dass kein Spieler je eine Regel mit Absicht brechen würde. Das macht die Atmosphäre trotz Wettkampf sehr angenehm«, erklärt Kaufmann. An einem Turnier gibt es dann sowohl für  die punktemässigen Gewinner des Turniers eine Auszeichnung wie auch für die Mannschaft mit  dem grössten Respekt vor Spiel und Gegner. Nach dem letzten Punkt eines Spiels bilden die Spieler der beiden Mannschaften einen Kreis, wobei jeder Spieler zwei Gegner neben sich stehen hat und man bespricht das Spiel. Kaufmann schätzt die gelassene Stimmung an Turnieren. «Die Spieler haben meist ein freundschaftliches Verhältnis untereinander.« Nicht nur der Sport verbinde, man isst, trinkt, zeltet und feiert am Abend eines Turniertages mit Mit- und Gegenspielern. Er fasst treffend zusammen: «Man geniesst die gemeinsame Zeit und die Freude an einer einzigartigen Sportart.«

 


Wer sich selber ein Bild über die junge Sportart verschaffen möchte hat schon bald die Möglichkeit dazu. Die Schweizermeisterschaften finden an zwei Wochenenden statt. Das Erste am 1. und 2. Juni 2013 im Pfaffenholz in Basel, das Zweite am 22. und 23. Juni 2013 in Cham.