Politik | 07.05.2013

“Politik geht alle etwas an”

Text von Serafin Reiber | Bilder von Joel Ambass
Die dritte Ausgabe der alle drei Jahre stattfindenden Bündner Jugendsession ist am Sonntag mit der Übergabe der Petitionen an die Regierung zu Ende gegangen. Die Teilnehmenden debattierten mit grossem Engagement. Eine Augenscheinnahme.
Für die ausgearbeiteten Petitionen nehmen die Teilnehmenden der dritten Jugendsession auch längere Diskussionen in Kauf.
Bild: Joel Ambass

Auf den Sitzen des Bündner Grossrates in Chur sassen für einmal keine Grossräte und Grossrätinnen sondern 75 Jugendliche. 75 Jugendliche, die sich entschlossen haben, sich ein Wochenende im Politisieren zu üben. In Arbeitsgruppen erarbeiteten sie zwölf Petitionen zu den Themen Nachtleben, Asyl, Bildung, Service Public, Umwelt und Wirschaft. Am Sonntag wurde im Plenum abgestimmt und ausführlich über allfällige Änderungen diskutiert, ehe die bereinigten Petitionen schliesslich Regierungsrat Martin Jäger (SP) übergeben werden konnten.

 

Als Moderator für das Plenum konnte SRF-Moderator Röbi Koller gewonnen werden. “Ich finde es toll, wie die Jugendlichen diskutieren. Denn sei es nur im Rahmen dieser ‘Übungsanlage’ hier, Politik geht uns alle etwas an.” Eigentlich müsse jeder ein Interesse haben mitzumachen, meint er.

 

Grosses Engagement der Teilnehmenden

Mit einer angesichts der sehr langen Diskussion erstaunlichen Aufmerksamkeit folgten die Jugendlichen der Debatte. Immer wieder blickten sie gebannt auf den Bildschirm des elektronischen Abstimmungssystems, um die Resultate ihrer Debatten zu erfahren. Zu jeder Petitionsänderung gab es zahlreiche Wortmeldungen.

 

Alles in allem waren die Ideen der Jugendlichen links-liberal gefärbt. So wurde zum Beispiel eine bessere Integration der Asylsuchenden und die Abschaffung des Nachttarifs in den öffentlichen Verkehrsmitteln gefordert. Ferner wollen sie, dass der Lehrplan aktualisiert und das Kulturangebot mit interregionalen Jugend- und Kulturzentren im ganzen Kanton ergänzt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Petitionen eins zu eins Eingang in die Politik finden, sei laut dem jungsozialistischen Co-Präsidenten des Organisationskomitees, Enea Baselgia, gering. Wichtig sei vielmehr, dass die Jugendlichen der Politik eine Stossrichtung geben und ihre Ideen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnten.

 

In den Pausen herrschte gute Stimmung und es wurde sandwichkauend weiter debattiert. Die Teilnehmenden fanden offensichtlich grossen Gefallen an der Jugendsession. So auch Pascal Graf aus der Petitionsgruppe “Bildung”: “Ich finde es toll, dass man die Möglichkeit hat, mit Gleichaltrigen über Politik zu diskutieren. Durch das Abgeben der Petitionen an die Region können wir uns als Jugendliche Gehör verschaffen.” Dass die Jugendlichen dadurch viel bewirken können, glaubt er nicht. “Aber sie sind sicher ein gutes Signal an die Politikerinnen und Politiker Graubündens.”

 

Zufriedene Organisatoren

Auch die Co-Präsidenten des Organisationskomitees, die Jungfreisinnige Manuela Fetz und der Jungsozialist Enea Baselgia, die beide viel Freizeit in die Planung der Jugendsession investiert haben, äussersten sich zufrieden zu der dritten Ausgabe der Bündner Jugendsession: “Es gab spannende Forderungen und die Teilnehmenden gestalten den Kanton aktiv mit. Wir sind der Meinung, dass wir diese Jugendsession unbedingt weiterführen sollten.”

 

Alles in allem also eine gelungene Bündner Jugendsession. Wer weiss, vielleicht wird der eine oder andere Teilnehmer einst auf einem Wahlplakat lächeln oder sich die eine oder andere Teilnehmerin weiter politisch engagieren? Vielleicht erfüllen die Teilnehmer der Jugendsession auch einfach ihre Bürgerpflicht gewissenhafter? Ernst zu nehmen sind die Anliegen der Bündner Jugendlichen allemal.