Gesellschaft | 01.05.2013

Noch immer viel Selbstsicherheit

Text von Lara Karcher | Bilder von Oliver Hochstrasser
Wichtige Fragen um die Zukunft und die Finanzierbarkeit des Basler Journalismus standen bei der Podiumsdiskussion am Seminar für Medienwissenschaften auf dem Programm. Antworten gab es wenige. Die Medienvertreter sind sich jedoch alle sicher, dass es "ihre" Medien in fünf Jahren noch geben wird.
Gut besetzt - am Basler Medienpodium waren am Montag alle wichtigen Vertreter der örtlichen Medienszene verterten. Rolf Bollmann, CEO der Basler Zeitung, ist nicht der Meinung, dass seine Zeitung politisch stärker gefärbt ist, als andere. Die Gäste kamen in Scharen. Die Universität Basel, Gastgeberin des Anlasses, musste in einem zweiten Raum eine Videoübertragung installieren. "Herausgefordert" (W. Rüegg, Hg.) und "Enteignete Zeitung" (Christian Mensch) lauten die Titel zweier Publikationen, die kürzlich zur Basler Zeitung erschienen sind - über beide wurde nur am Rand gesprochen.
Bild: Oliver Hochstrasser

Beachtlich war der Andrang und das Interesse an der Podiumsdiskussion “Die Basler Medienlandschaft – Quo vadis?”. Die Uni Basel musste gar eine Videoübertragung einrichten. Verleger und Chefredaktoren der Basler Medien debattierten am Montag über die aktuelle Situation in der regionalen Medienlandschaft. Leitthemen des Abends waren der Qualitätsjournalismus, die Zukunft der Basler Medienlandschaft, und nicht zuletzt die grosse Frage der Finanzierung. Aus Anlass zweier Buchpublikationen zur Geschichte der Basler Zeitung, veranstaltete die Universität Basel am vergangenen Montag eine Paneldiskussion, bei der sich der Eine oder die Andere immer wieder des Bildes eines Tannenzapfens bediente.

 

Zu viele Zapfen am Medien-Baum?

Christian Mensch, Autor des Buches “Enteignete Zeitung? Die Geschichte der ‘Basler Zeitung'”, verglich die Basler Medienlandschaft mit einem “ungesunden Tannenbaum”, an  dem zu viele Zapfen hängen. Diese Vielfalt sei Ausdruck einer Krise, in der sich die Medien momentan befänden. Im gleichen Zug gab er seine Beobachtung hinsichtlich der “Basler Zeitung” kund, wonach diese Publizistik dazu nutze, Politik zu machen: “Die Zeitung steht nicht mehr primär im Dienst der Öffentlichkeit, sondern im Dienst der ideologischen Mission des Kapitalgebers”.

 

Überhaupt schien es, als seinen Podiumsteilnehmer und fragende Zuschauer weit weniger an einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert gewesen, als das veranstaltende Seminar für Medienwissenschaften.

 

Keine Leitmedien mehr

Walter Rüegg, Autor und Publizist des Buches “Herausgefordert: Die Geschichte der Basler Zeitung”, bezeichnete die Vielfalt als Ausdruck einer Fragmentierung. Nach Co-Chefredakteur der “Tageswoche” Urs Buess gibt es genug Spielraum für mehrere Zapfen, die Formen der Finanzierung müssten schlicht und einfach überdacht werden. Denn aktuell befände man sich noch in einer “Experimentierphase”. Mirjam Jauslin, stellvertretende Chefredaktorin von “Telebasel”, empfindet die Medienvielfalt als bereichernd und spannend.

 

Moritz Conzelmann von “Radio Basilisk” machte deutlich, dass es darauf ankomme, wie man den Tannenbaum schmückt: Das Informationsbedürfnis in der heutigen Gesellschaft sei gross, immer mehr Informationen würden allerdings aus dem Internet geholt und nicht aus der Tageszeitung bezogen. Vielfalt an sich wäre nichts Schlechtes, wichtiger sei vielmehr die Frage, auf welchem Weg die Leute erreicht werden können. Dieter Kohler, Leiter der SRF-Regionalredaktion Basel, bezeichnete den zeitgenössischen Medienkonsum als “patchwork-artig”, was bedeutet, dass Informationen nicht mehr speziell von einem Leitmedium eingeholt werden.

 

Ob und wie die digitale Transformation in einer Zeit, in welcher der Werbemarkt im Printbereich weggebrochen ist und Internet wie Gratiszeitungen zur Konkurrenz werden, gelingt, steht für den Verleger der AZ Medien AG Peter Wanner noch nicht genau fest. Man müsse auf jeden Fall flexibel sein und den Medienkonsum beobachten. Ob ein Printprodukt in Zukunft täglich erscheinen wird sei dabei durchaus fragwürdig. Wanner kam in diesem Zusammenhang auch auf das Modell der “Tageswoche” zu sprechen.

 

Warum nicht politisch?

Was nun genau unter dem Begriff des Qualitätsjournalismus zu fassen sei, darüber war man sich nicht ganz einig. Journalist Mensch stellte diesbezüglich zentrale Fragen in den Raum: Welchen Journalismus wollen wir? Soll Journalismus eine Mittler-Position im öffentlichen Diskurs spielen oder selbst Partei sein? Dabei wurde nicht nur die Basler Zeitung thematisiert. Der ehemalige DRS-Direktor Walter Rüegg rief gar die “Rote Anneliese” in Erinnerung. Die Oberwalliser Kleinzeitung erschien in den 70er- und 80er-Jahren unter den Fittichen der Sozialdemokratischen Partei, von der sie sich mittlerweile etwas distanziert hat. “Das war eine Bereicherung”, so Rüegg am Podium.

 

Rolf Bollmann, der nach eigener Aussage nicht den Eindruck hat, dass die “Basler Zeitung” politisch stärker gefärbt sei als andere, liess verlauten, dass der Werbemarkt nicht an Qualität interessiert sei, sondern an Lesern und der Reichweite. Demzufolge wäre eine Diskussion um Qualität aus wirtschaftlicher Perspektive hinfällig. Aufgrund der zusammenbrechenden Anzeigenmärkte müssten die Kosten alleine im laufenden Jahr um 30 Millionen Franken reduziert werden, so Bollmann. Die Abonnementspreise der “Basler Zeitung” würden demnach künftig wie viele andere steigen. An dieser Stelle widerspricht Peter Wanner: “Der Leser hat den Anspruch, glauben zu dürfen, ob etwas stimmt, das in der Zeitung steht. Die Nachricht ist heilig. Die Bürger sollen sich ein objektives Bild machen können und Vertrauen zur Information aufbauen.”

 

Wenig Handfestes, viel Selbstsicherheit

Wie der zukünftige Journalismus aussieht, darauf konnte keine explizite Antwort gegeben werden. Einstimmigkeit bestand bei den Medienvertretern jedoch in der Hinsicht, dass es alle ihre Medien in fünf Jahren noch geben wird.

 

In der Symbolik stehen Tannenzapfen für Fruchtbarkeit, ewige Lebenskraft, Stärke und Wachstum. Die Jugend von heute, die jenseits des Jahres 1980 geboren wurde, weist eine andere Mediennutzung als vorherige Generationen auf. Wie wird es mit dem Internet und den “Digital Natives” weitergehen? Werden weitere Zapfen wachsen oder ist vielmehr bald Zapfenstreich? Die zentrale Frage nach der Richtung, in welche sich die Basler Medienlandschaft entwickeln wird (“Quo vadis?”) blieb am prominent besetzten Podium leider offen.

 

 

Tink.ch zwitschert


Tink.ch hat vom Basler Medienpodium getwittert. Du findest alle Tweets unter den Hashtags #MedienzukunftBS und #medienBS.