Gesellschaft | 03.05.2013

Luzern versucht es mit Mitbestimmung

Vor einigen Wochen trafen sich in Nottwil über 90 Personen aus unterschiedlichen Bereichen der Jugendarbeit, um gemeinsam ihren Wünschen und Anliegen für ein neues Konzept der Jugendpolitik Ausdruck zu verleihen. Die Mitbestimmung wird vom Kanton Luzern grossgeschrieben.
Das ist nur einer der Leitsätze.
Bild: Lukas Müller Die Teilnehmenden mussten die Handlungsfelder mit einem grünen oder roten Punkt markieren, je nachdem ob es ihnen wichtig war oder nicht. Laura Bisang Nun war die Kreativität der Teilnehmenden gefragt. Laura Bisang Trotz der selben Vorgaben entstanden die unterschiedlichsten Plakate. Laura Bisang Gemeinsam wurde angeregt über die verschieden Plakate diskutiert. Laura Bisang

Der Kanton Luzern will ein Leitbild für Kinder und Jugendliche entwickeln. Dies möchte er mit Hilfe der Jugendlichen selbst tun, wie auch mit Personen, welche sich bereits für Jugendliche engagieren. Aus diesem Grund organisierte er Ende April einen sogenannten Kick-Off-Workshop, an dem Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Jugendarbeit teilnehmen konnten. Die Mitglieder des Jugendparlaments, Gemeindepräsidenten, Jugendpolitiker und anderen Beteiligten tauschten Ideen, Wünsche und Bedürfnisse aus. Jugendvereine etwa wünschten sich einen besseren Austausch mit dem Kanton, um ihre Bedürfnisse klar zu stellen und besser informiert zu werden.

 

Orientierungshilfen

Leitbilder sind Orientierungshilfen und zeigen die Richtung einer Entwicklung auf. Ein Leitbild macht Aussagen über die Aufgaben der Organisation, etwa des Kantons und der Gemeinden, über ihre zentralen Werte, die handlungsspezifischen Grundsätze, wie auch über erwünschte Haltungen und Verhaltensweisen. Es erfordert nicht nur die Visionen und Ideen, denn es sollte auch in der Umsetzung funktionieren und nicht nur in der Theorie.

 

Verschiedene Projektgruppen

Den ganzen Tag über wurden die Bedürfnisse der jungen Menschen, ihre Erwartungen und Wünsche an das Kinder- und Jugendleitbild in verschiedenen Projektgruppen diskutiert. In einem Teil standen die Kinder und Jugendlichen mit ihren Schwierigkeiten im Vordergrund. Diese wurden in Form eines Plakates dargestellt. Anschliessend wurden die Plakate aufgehängt und diskutiert. Die Jugendlichen betonten, dass es für sie wichtig sei, angehört und nicht alle in denselben Topf geworfen zu werden. Ein Mitglied des Jugendparlaments betont etwa, wie sehr der Ausspruch “die heutige Jugend” stören kann.

 

Bezug zur Praxis hergestellt

Aufgrund der Arbeit der verschiedenen Projektgruppen kristallisierten sich immer mehr die Kernthemen heraus. So wurden zum Beispiel Mitbestimmung, Familie und Ethik zu Handlungsfeldern definiert. Anschliessend erarbeiteten die Beteiligten Leitsätze dazu.

 

Der Prozess der Leitbildentwicklung ist für die Nachhaltigkeit des Leitbildes wichtig. Durch den direkten Einbezug der Jugendlichen und der Jugendarbeiter konnte der Bezug zur Praxis hergestellt und das Wissen der jungen Menschen eingebracht werden. Es ist von grossem Vorteil, dass das Leitbild nicht nur von Fachleuten, sondern auch von Betroffenen erarbeitet wird.  Am Workshop hat sich nämlich gezeigt, dass niemand verallgemeinernd wissen kann, was für Kinder und Jugendliche am besten ist.

 

Schaffung von Rahmenbedingungen

“Erziehung ist indes keineswegs Sache des Staates, sondern immer noch Aufgabe der Eltern,” heisst es von der Dienststelle Soziales und Gesellschaft des Kantons Luzern. “Das erarbeitete Leitbild soll die Rahmenbedingungen erfüllen und den Erziehungsprozess fördern, den Eltern Anregungen vermitteln, um die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.” Dies umfasst die Bereitstellung von Angeboten und die Schaffung von Rahmenbedingungen, die einen gelingenden Erziehungsprozess fördern und den Kindern helfen, ihr Entwicklungspotential auszuschöpfen. Ob das gelingen wird, wird sich zeigen.

 

Grosse Herausforderung

Ein kantonales Kinder- und Jugendleitbild, welches alle Kinder und Jugendlichen von Geburt an bis zum vollendeten 25. Lebensjahr umfasst, bietet Orientierung für die Lebensbereiche Schule, Familie und Freizeit. Auf diesen Grundlagen baut das Leitbild auf und versucht Lücken zu füllen, um eine zielgerichtete und nachhaltige Kinder- und Jugendpolitik noch stärker zu fördern. Die Umsetzung jedoch ist schwierig, denn die Meinungen, wo genau die Lücken liegen, sind sehr unterschiedlich. Der Austausch zwischen Jung und Alt war wichtig und notwendig, damit das Leitbild Jugendliche wirklich unterstützt und deren Bedürfnisse wahrnimmt.

 

Oberstes Ziel des Kantons Luzern sei, dass er für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bis 2014 die idealsten Bedingungen schweizweit erfülle. Doch es steht noch ein langer Weg bevor, bis dieses Ziel erreicht werden kann. Erst im Januar 2014 werden alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen nochmals eingeladen um ihnen das Leitbild vorzustellen. Auch dann erhalten die Jugendlichen nochmals die Möglichkeit, Änderungsanträge einzureichen, falls etwas nicht ihren Vorstellungen entspricht.