Kultur | 13.05.2013

Im dunklen Lichtschein

Text von Katharina Good | Bilder von zvg
Unter dem Titel "Light Shining Darkly" zeigt das Kunsthaus Baselland in Muttenz eine Ausstellung mit aktuellen Werken des schottischen Künstlers Christopher Orr. Auf den kleinstformatigen Ölgemälden bleibt vieles rätselhaft.
Sabine Schaschls letzte Ausstellung als Kuratorin des Kunsthauses Baselland dreht sich um den Schotten Christopher Orr.
Bild: zvg

Wie kann Licht dunkel scheinen? “Light Shining Darkly”, der Titel der Ausstellung im Kunsthaus Baselland, lässt Geheimnisvolles erahnen. Winzig und unscheinbar wirken Christopher Orrs kleine Ölgemälde, die in überaus grosszügigen Abständen an den Wänden des kleinen Kunsthauses hängen. Erst bei naher Betrachtung eröffnen sich den Besuchenden rätselhafte Bildwelten, deren Lichtstimmungen die eigentliche Hauptfigur der Werke zu sein scheinen.

 

“Light Shining Darkly” ist auch der Titel des einzigen etwas grösseren Gemäldes des 46-jährigen Schotten. Neben den meist handgrossen Leinwänden hebt es sich etwas ab, ohne jedoch die anderen Werke zu bedrängen. Ein Mann ist darauf zu sehen, nachdenkend in seine eigene Welt versunken und umgeben von den Weiten des Weltalls. Ebenso mysteriös wie das strahlende Sternenmeer sind die wissenschaftlich anmutenden Zeichen, die den Kosmos vergeblich zu ordnen versuchen.

 

Mystische Tiefen und glänzende Oberflächen

Die Menschen auf Orrs kleinen Bildtafeln wirken überwältigt und dennoch isoliert, umgeben von schwer fassbaren, unendlich tiefen Räumen. Da erscheint in der dunklen Schlucht neben zwei zeitlos gekleideten Wanderern bei “Silent One” das Gesicht eines alten Mannes, dessen Körper lässt sich eher erahnen als sehen. In “Darkness Visible” bewundert ein Junge den regelmässig gezogenen Kreis auf schwarzem Hintergrund – oder vielleicht die teilweise durchscheinende Leinwand darin. Orrs Figuren bleiben geheimnisvoll. Sprachlos blicken sie in die weite Leere der kleinen Bildflächen.

 

Das Kunsthaus am Stadtrand Basels ist schon länger bei einer kleinen Gefolgschaft für Ausstellungen international aufstrebender Künstler bekannt. Die Tramfahrt in das Industriegebiet beim St. Jakobspark lohnt sich – um Orr zu entdecken aber nur bei bewölktem Wetter. Nur dann, wenn die Sonne nicht durch die grossen Fenster auf der Ölfarbe reflektiert wird, kann man in die nebligen Tiefen dieser kleinen Welten eintauchen.

 

Das Gesamtbild

Untermalt werden Orrs Werke – vielleicht nicht ganz ungewollt – von Musik und Rauschen, herübergeweht aus den Videoinstallationen der beiden anderen Künstler, die Kuratorin Sabine Schaschl nach Muttenz holte. Christopher Orr, Laurent Grasso und Manuel Graf teilen die Faszination für Mythen und Rätsel, welche die Wissenschaft nicht zu erklären vermag. Die drei Ausstellungen sind die letzten, die Schaschl als Direktorin des Kunsthauses Baselland kuratierte. Ein stimmiger Abschluss.

 

 

Ausstellung bis Ende Juni


“Christopher Orr, Light Shinig Darkly” ist neben “Laurent Grasso, Disasters & Miracles” und “Manuel Graf, Commercials, Mosques & Ceramics” bis zum 30. Juni im Kunsthaus Baselland zu sehen.