Gesellschaft | 13.05.2013

Geschäftsmodelle für die Gratiskultur

Text von Martin Germann | Bilder von zvg
Immer häufiger wählen Vertriebe den sogenannten Free2Play-Vertrieb bei Videospielen. Und in der Serienbranche glänzen US-amerikanische Pay-TV-Sender mit immer aufwendigeren Produktionen. Probleme bereitet den Spiele-Entwicklern und Serienproduzenten jedoch das Konsumverhalten. Denn gleichzeitig sind immer weniger Leute bereit, für die Entwicklungsleistung auch etwas zu bezahlen.
"Planetside 2" ist eines der Spiele, die im Netz gratis abrufbar sind.
Bild: zvg

Die US-Fernsehserie “Game of Thrones” wurde im Auftrag des US-amerikanischen Pay-TV-Senders HBO (Home Box Office) produziert. HBO gilt als Vorreiter in Sachen Qualität eigener Produktionen und ist verantwortlich für namhafte Serien wie “Band of Brothers”, “Rom”, “Sex and the City” oder “The Pacific”. Laut eigenen Angaben hat HBO weltweit rund 85 Millionen Abonnenten und kann es sich damit leisten, solch aufwendige Serien zu produzieren. Das Pay-TV funktioniert.

 

Ein anderes Beispiel für funktionierendes Pay-TV ist der ebenfalls US-amerikanische Sender AMC, der dabei ist zu entdecken, welches Potential in aufwendig produzierten Serien liegt. So schlug die auf den Comics basierende Zombie-Apokalypsen-Serie “The Walking Dead” ein wie eine Bombe. Auch das dazugehörige Spiel, erschienen auf Computer und Konsole, führte den Erfolg der Serie weiter und wurde mit guten Kritiken überhäuft.

 

Free2Play als neues Geschäftsmodell

In der Gaming-Branche fand zuletzt ein grosser Umbruch statt, der bisher vor allem die PC-Spieler betrifft. Schrumpfende Verkaufszahlen von PC-Spielen haben dazu geführt, dass immer mehr Spielvertrieb auf ein Free2Play-Modell setzen. Free2Play-Spiele sind grundsätzlich kostenlos spielbar. Für erweiterte Spielinhalte, wie beispielsweise mehr Waffen oder Accessoires um seinen Charakter auszurüsten, muss man jedoch echtes Geld in die Hand nehmen.

 

Für viele Spieler ist dieses System grundsätzlich in Ordnung, denn dadurch können sie ein Spiel ausgiebig testen, bevor sie sich entscheiden, ob das Spielerlebnis nun wirklich echtes Geld wert ist. Ob sich dieses Geschäftsmodell durchsetzen wird, ist jedoch fraglich. Denn laut einer Umfrage der deutschen Spiele-Zeitschrift “Gamestar” sind gerade einmal 27 Prozent von 18’202 befragten Teilnehmern überhaupt dazu bereit, für ein Free2Play-Spiel Geld auszugeben.

 

Dennoch setzen viele Publisher ihre Hoffnungen auf ein Free2Play-Modell. Gerade im Bereich der MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) schiessen die Free2Play-Titel nur so aus dem Boden. Beispiele sind “Tera Online” oder “Herr der Ringe Online”. Auch im Bereich der Shooter gibt es bereits durchaus sehenswerte Titel, die gratis spielbar sind. So etwa “Planetside 2” wo sich teilweise über tausend Spieler auf riesigen Karten eine niemals endende Schlacht in ferner Zukunft liefern.

 

Ein Grund für die Umstellung auf Free2Play sind sinkende Verkaufszahlen im klassischen Vertrieb. So machten bei “GTA 4” (“GTA” steht für “Grand Theft Auto”, eine der erfolgreichsten Spiele-Serien aller Zeiten), die Verkäufe auf dem PC gerade einmal sieben Prozent der Gesamtverkäufe aus, weit abgeschlagen hinter den beiden anderen Plattformen Playstation und Xbox. Kein Wunder also, überlegt man sich bei Rockstar, Entwickler und Vertreiber der “GTA”-Reihe, ob das in Kürze auf den Markt kommende “GTA 5” überhaupt noch für PC erscheinen soll.

 

Der Einfluss des Konsumenten

Wieviele Spieler bei “GTA 4” auf Raubkopien zurückgegriffen haben, lässt sich schwer sagen. Klar ist aber, dass die PC-Version mehr als nur mickrige sieben Prozent der Verkäufe ausmachen würde, hätten alle Spieler auf die legale Verkaufsversion des Spiels zurückgegriffen. Das zeigt das Problem der Spielebranche sehr gut auf. Es braucht keine grossen Kenntnisse um sich Games, Filme oder Serien ganz einfach aus dem Netz herunterzuladen. Da helfen auch die immer kreativeren Kopierschutzversuche der Spielentwickler wenig.

 

Und so fragen sich die Konsumenten bei der Installation des nächsten Spiels, warum sie wieder ein neues Benutzer-Konto machen müssen – und wissen die Antwort doch genau: Weil viele von Ihnen nicht mehr bereit sind, für die Spiele zu bezahlen.