Kultur | 03.05.2013

„Danke vielmal!“

Text von Angela Bacchini | Bilder von zvg
Die Briten haben es drauf. Das beweisen sie nicht nur mit den Beatles oder dem Newcomer Tom Odell. Am 17. April hat auch die Englische Band Daughter im Zürcher Club Mascotte mit melancholischem Indie-Folk überzeugt.
Ursprünglich wurde die dreiköpfige Band als musikalischer Support von Elena Tonras Solo-Karriere gegründet.
Bild: zvg

Erwartungsvoll steht die Masse vor der Bühne und wartet auf die angekündigte Elena Tonra und deren Bandkollegen Igor Haefeli und Remi Aguilella. Erst beim zweiten Blick wird klar, dass sich die bereits auf der Bühne befinden und tatkräftig beim Ab- und Aufbau mithelfen. Spätestens jetzt hinterlässt die Band einen sympathischen und bodenständigen Eindruck.

Die Zuhörerschaft ist bereits ausser Rand und Band, denn die Vorbands Juan Blanco und Bear’s haben mit lauten Drums und rauen Männerstimmen mächtig aufgeheizt.

 

„Thank you – Danke vielmal!“

Sobald das Publikum die Ankunft der schüchtern wirkenden Britin registriert, erklingen im Mascotte Pfiffe und Rufe nach Elena. Alle wollen einen Blick auf das hübsche Gesicht des Stimmenwunders erhaschen. Doch die Sängerin versteckt ihr verschmitztes Lächeln gekonnt hinter ihrem Pony, der das halbes Gesicht bedeckt und erinnert dabei an ein scheues Reh, das man am liebsten mit nach Hause nehmen würde. Der Beifallssturm nach jedem einzelnen Meisterstück scheint Tonra beinahe unangenehm zu sein, doch jedes Mal rauft sie sich trotz Verlegenheit zusammen, stellt sich auf die Zehenspitzen und stösst ein ungläubiges „Thank you“ hervor.

 

Im Gegensatz zu seinen Bandkollegen offenbart Igor Haefeli beim Konzert sein zartes Alter von 23 Jahren, und bekennt sich zu seiner ursprünglichen Herkunft – der Schweiz! In jungen Jahren hat er in Neuchâtel gewohnt. Sein akzentfreies „Danke vielmal“, nach dem tobenden Applaus, entzückt ausnahmslos.

 

„Wholly hypnotic“

Die Band wurde 2010 gegründet und war ursprünglich für die alleinige Karriere von Elena gedacht. Jedoch haben sich die Bandkollegen als unschlagbares Trio zusammengefunden und gehen seither ihrem Handwerk gemeinsam nach. Ihr Debütalbum „If you leave“ haben sie im März 2013 lanciert. Daughter konnte bisher vorwiegend positive Rezessionen zu ihrem Werk verbuchen. So kommentiert BBC music etwa mit „instantly enchanting of design“, und „wholly hypnotic“ (auf Anhieb bezaubernd und ganzheitlich hypnotisierend). Auch die 24. Platzierung auf der „UK top 100 album chart“ ist für die noch unbekannte Band ein beachtlicher Erfolg.

 

Seelenschmerz und Melancholie garantiert

Daughter verspricht Texte, die unter die Haut direkt ins Herz gehen und den Schmerz von verflossenen Liebschaften, Untreue und Verleumdung auslösen, den die Sängerin scheinbar selbst einst erlebt hat. So wirkt sie nach dem Song „Landfill“, als ob sie den Tränen nahe wäre.

 

Über vielsagenden Blicke zwischen der Sängerin und dem Gitarristen Igor wird gemunkelt und Vermutungen werden angestellt. Ob die Newcomer-Band Grössen wie Tom Odell gewachsen ist, bleibt eine Frage der Zeit. Momentan scheint sich Daughter in Kreisen der kleinen Anhängerschaft wohl zu fühlen. Fakt ist, die Band hat dem Publikum einen schönen Frühsommer-Abend beschert, wofür das Publikum zu einem herzlichen „Danke vielmal“ ausholt.