Ultimate?

Unter dem Begriff Ultimate können sich die Meisten nicht viel vorstellen. Unter Frisbee schon eher. Vielen ist die Plastikscheibe in ihrem Leben schon mal begegnet. Sei es als Kinderspielzeug, Apportiergegenstand für Hunde, in der Schule oder an warmen Tagen im Park. Doch Ultimate ist mehr als bloss statisches Scheiben-hin-und-her-werfen. Es ist ein temporeicher und laufintensiver Sport, bei welchem nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch eine saubere Wurf-, Fang- und Lauftechnik, Spielverständnis, Gleichgewicht, Beweglichkeit, Koordination sowie die Antizipation der Flugbahn der Scheibe grundlegende Elemente sind.

 

Vom Kuchenblech zum Sportgerät

Ultimate ist eine Sportart, welche ihren Ursprung in den Staaten hat. Ende des 19. Jahrhunderts hatten Kinder leer gegessene Kuchenformen der Firma Frisbie-Pie verkehrt herum weggeworfen. Studenten waren an den aussergewöhnlichen Flugeigenschaften interessiert und probierten es selber aus. Daraus entwickelte sich Ende der 60er die Spielidee des Ultimate Frisbee. Die US-Firma Wham-O hat den Begriff Frisbee (wie auch Hula Hoop oder Hacky Sack) geschützt, daher darf er nicht mehr offiziell verwendet werden. Seither heisst die Sportart Ultimate.

 

In Europa ist Ultimate eine Trendsportart, welche sich noch immer in der Wachstumsphase befindet. Weltweit gibt es mittlerweile über 5 Millionen Spieler, davon sind lediglich 100’000 nicht in den USA und Kanada aktiv. Dieser ursprünglich nordamerikanische Sport beinhaltet denn auch Elemente der bereits existierenden, in Nordamerika weit verbreiteten Sportarten American Football und Basketball. Ultimate findet vor allem bei jungen Personen Beachtung, wobei das Geschlecht nur eine kleine Rolle spielt. Ausser bei der Frauen-Kategorie ist der Gender-Mix immer erlaubt, zum Teil sogar vorgeschrieben. Typisch für Trendsportarten wird Ultimate von der traditionellen Sportwelt noch etwas belächelt und von den Medien weitgehend ignoriert.

 

Wie wird gespielt?

Andreas Kaufmann ist Spielertrainer beim Ultimateclub Freespeed Basel. Er erklärt die Grundlagen des Ultimate: “Es treten 2 Mannschaften, bestehend aus 7 Spielern, gegeneinander an. Das Ziel ist es die Scheibe, wie im American Football, in die gegnerische Endzone zu befördern.” Bei Scheibenbesitz darf man nicht laufen, die Scheibe darf nur fortbewegt werden, indem sie zu einem Mitspieler gepasst wird. Als Verteidiger sei es das Ziel in Scheibenbesitz zu kommen. Dies erzwinge man, indem “man es dem Angreifer verunmöglicht, die Scheibe zu fangen, sie blockt oder selber fängt”, erläutert Kaufmann. Sobald die Scheibe nicht gefangen werden könne und den Boden berühre, werde die verteidigende Mannschaft  zur Angreifenden. Speziell an Ultimate ist: Körperkontakt ist grundsätzlich verboten. Das Verletzungsrisiko ist daher gering. Es kann zwar im Kampf um die Scheibe zu unbeabsichtigten Berührungen kommen. “Sobald dadurch aber für eine Mannschaft ein Vorteil entsteht, ist es ein Foul”, so Kaufmann.

 

Dies führt zu einer weiteren Eigenheit des Ultimate: Es gibt keine Schiedsrichter. Sobald ein Regelverstoss stattfindet, muss der benachteiligte Spieler das Vergehen benennen und das Spiel stoppt in diesem Moment. Der Spieler, welcher den vermeintlichen Regelverstoss begangen hat, gibt das Vergehen entweder zu oder er widerspricht. In diesem Fall diskutieren die zwei beteiligten Spieler bis sie sich geeinigt haben. “Falls keine Einigung zustande kommt, wird der letzte unbestrittene Spielzug wiederholt. Das klappt besser als man denkt, denn keiner hat Interesse an ausufernden Diskussionen.”

 

Wettkampf und Freundschaft

Dies ist möglich, weil laut dem Leitprinzip des Sports, dem „Spirit of the game“, der Respekt vor dem Spiel und dem Gegner im Vordergrund stehen. Der Respekt steht selbst vor dem sportlichen Wettkampf. „Aus diesem Grund gibt es auch keine Spielerstrafen. Denn der Grundgedanke ist, dass kein Spieler je eine Regel mit Absicht brechen würde. Das macht die Atmosphäre trotz Wettkampf sehr angenehm“, erklärt Kaufmann. An einem Turnier gibt es dann sowohl für  die punktemässigen Gewinner des Turniers eine Auszeichnung wie auch für die Mannschaft mit  dem grössten Respekt vor Spiel und Gegner. Nach dem letzten Punkt eines Spiels bilden die Spieler der beiden Mannschaften einen Kreis, wobei jeder Spieler zwei Gegner neben sich stehen hat und man bespricht das Spiel. Kaufmann schätzt die gelassene Stimmung an Turnieren. „Die Spieler haben meist ein freundschaftliches Verhältnis untereinander.“ Nicht nur der Sport verbinde, man isst, trinkt, zeltet und feiert am Abend eines Turniertages mit Mit- und Gegenspielern. Er fasst treffend zusammen: „Man geniesst die gemeinsame Zeit und die Freude an einer einzigartigen Sportart.“

 


Wer sich selber ein Bild über die junge Sportart verschaffen möchte hat schon bald die Möglichkeit dazu. Die Schweizermeisterschaften finden an zwei Wochenenden statt. Das Erste am 1. und 2. Juni 2013 im Pfaffenholz in Basel, das Zweite am 22. und 23. Juni 2013 in Cham.

 

Stinktiere, die verzücken

Eines ist von Anfang an klar: Die vier Mitglieder der Band “Jazskunx” sind Musiker mit Leib und Seele. Mit viel Leidenschaft spielten sie eigene Stücke, aber auch Lieder von Jamie Cullum und anderen Interpreten. Die Band, die 2011 gegründet wurde, besteht aus Lena Portmann am Saxophon, Thibaud Thomas am Schlagzeug, Andreas Schittny am Keyboard und Dominik Schittny am Mikrophon.

 

Samstagnacht

“Saturday Night” hiess das erste eigene Stück des Abends. Passend natürlich, da Samstagabend war. Das Programm der Band war ausgeglichen. Etwas mehr als die Hälfte ihrer Stücke sind Eigenkreationen und tragen ausgefallene Namen wie “Fish In The Water” oder “Hungry Skunk”. Auch vor Improvisationen scheuten sich die jungen Künstler nicht. Dabei merkte man, welch ein eingespieltes Team sie sind. Auch die Atmosphäre zwischen Band und Publikum war sehr vertraut und je mehr sich das Konzert dem Ende neigte, desto tanzwütiger wurden die Zuschauer. Am Ende ist jedem klar, “Jazskunx” spielen Musik, die direkt von den Ohren in die Beine geht.

Tink.ch-Reporterin Lara Capelli traf Dominik Schittny nach dem Konzert.

 

Tink.ch: Wie seid ihr auf den Namen “Jazskunx” gekommen?

Dominik Schittny: Also Jaz, weil wir Jazz spielen und dann wollten wir noch etwas mit einem Tier. Zuerst dachten wir an Waschbären, aber nach einigem googeln, haben wir uns für das Stinktier entschieden.

 

Wie hat sich die Band “Jazskunx” gebildet?

Andreas, mein Bruder, war schon einige Zeit auf der Suche nach einer Band. Ich habe Thomas im Diabetikerlager kennengelernt. Dort trommelte er auf Pfannen und anderen Küchengeräten. Ich fragte ihn ob er Schlagzeug spielt und Interesse daran hätte in einer Band zu spielen. Lena ist eine Studienkollegin von Andreas und so hinzugekommen.

 

Was verbindet euch neben der Musik?

Wie man schon am Nachnamen erkennt sind Andreas und ich verwandt. Um genau zu sein, sind wir Brüder. Thomas und ich sind beide Diabetiker. Lena und Andreas verbindet das Pharmaziestudium.

 

Wie schreibt ihr eure eigenen Songs?

Meist beginnt es so, dass Andreas einige Akkorde auf dem Klavier ausprobiert und Thomas den Beat dazu macht. Danach schauen Lena und ich was dazu passen könnte und am Schluss schreibe ich den Text.

 

Wer inspiriert euch?

Vor allem inspiriert uns Jamie Cullum. Ich war einmal an einem Livekonzert von ihm und war sehr beeindruckt. In letzter Zeit war es Hiromi, die uns inspiriert hat, sie ist eine japanische Pianistin.

 

Wie sind eure Pläne für die Zukunft?

Auf jeden Fall mehr Konzerte zu geben. Kürzlich bekamen wir eine Einladung zum Dorffest in Ostermundigen.

 

Partyspass und Tränengas

Acht Uhr

Ich steige aus dem Tram Nr. 8 in der Schwanengasse. Der Bahnhofsplatz ist etwa hundert Meter weit entfernt, doch die Zeichen sind unverkennbar: Bass und Stimmengewirr wehen durch die Gassen. Party liegt in der Luft. Touristen, die aus demselben Tram aussteigen, scheinen von der Geräuschkulisse überfordert, Einheimische grinsen sich gegenseitig wissend an. Das “Tanz dich frei” geht heute in die dritte Runde. Als ich beim Bahnhofsplatz ankomme, treffe ich ein anderes Ambiente an, als noch vor einem Jahr: Alles wirkt durchorganisiert. Die Wagen, die letztes Jahr noch eher behelfsmässig zum Einsatz kamen, sind dekoriert und teilweise in themenbezogene Partymobile umfunktioniert worden. Die noch überschaubare Menge an Teilnehmenden lässt keine Ausschreitungen vermuten. Die könnte man glatt an der Baustelle, die sich mitten durch Bern zieht, vorbeimanövrieren, schiesst es mir durch den Kopf. Ich bin gespannt, was der Abend in Petto hat.

 

Einundzwanzig Uhr dreissig

Zwar ist am Bahnhofsplatz nicht viel mehr los als vor knapp zwei Stunden, aber das Fest hat sich mittlerweile in die umliegenden Strassen ausgebreitet: Jeder Wagen spielt unterschiedliche Musik, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Im Abstand von jeweils fünfzig bis hundert Metern dröhnen einem Elektro, Techno, Dubstep, aber auch Hip Hop und Reggae entgegen. Die Leute haben Spass und bilden Trauben. Nach einem Rundgang muss ich mein Statement von vor eineinhalb Stunden zumindest teilweise revidieren: Das Publikum geht auch dieses Jahr wieder in die höheren tausend und geniesst das Fest. Die Stimmung passt zur schrillen Aufmachung der meist von Traktoren gezogenen Wagen.

Es ist Fasnacht – im Mai. Nicht, dass der Monat viel aussagt: Es ist kalt und der Regen erholt sich nur vorübergehend von seinem Einsatz. Davon lässt sich jedoch niemand stören. Man ist gut gelaunt und tanzt – eine schöne Party, mitten in den Strassen der Hauptstadt.

 

Dreiundzwanzig Uhr dreissig

Ich bin durstig und gehe deshalb zu einem der vielen Wagen, der lakonische – aber aussagekräftige – Schriftzug “BIER” prangt auf einem weissen Leinentuch. Ich drücke einem Mitglied der Besatzung die erforderlichen drei Franken in die Hände. Und irgendwie kommt es mir seltsam vor, als ich im Gegenzug die kühle Aludose in Empfang nehme. Gab es diese Einkaufsmöglichkeit letztes Jahr schon? Wahrscheinlich. Vielleicht ist sie mir damals nicht aufgefallen. Jedenfalls kostet ein Bier der Sorte, die an diesem Wagen zu erwerben ist, im richtigen Laden geschmeidige fünfzig Rappen. Gehen die restlichen zwei Franken fünfzig an den Kampf gegen den Kapitalismus? Dass sie in einen Fond für die Wiedergutmachung von Sachschäden fliessen, bezweifle ich jedenfalls. Nicht, dass es an Schäden zu wenig gäbe: Die Glasfassaden renommierter Versicherungen und diverser Geschäfte werben seit heute Abend – nicht ganz freiwillig – in knallroter Schrift für globalen Kommunismus und den Umsturz des Systems.

 

Mitternacht

Ich habe mich weiter umgeschaut und bin dabei in die Nähe des Bundesplatzes geraten. Es verwundert mich nicht, dass weiter vorne Feuerwerk gezündet wird. Überrascht bin ich erst, als meine Augen zu brennen anfangen und meine Nase läuft: Offenbar hat die Polizei keine Freude an der Pyrotechnik. Menschenmassen strömen ziellos hin und her, “Tränengas” ist das Wort der Stunde und die Feiernden sind plötzlich gereizt. Und das nicht nur die Schleimhäute betreffend. Irgendwie macht mir diese Party gleich weniger Spass. Ich trete den geordneten Rückzug zum Bahnhofsplatz an. Das Durcheinander hat sich bereits bis dorthin ausgebreitet: Leute binden sich Halstücher ums Gesicht, suchen sich ihre Begleiter zusammen und mir kommt es so vor, als ziehen auch schon aus einer anderen Strasse verheissungsvolle Dunstschwaden auf, in die ich meine Nase lieber nicht stecken will. Ich befinde, dass ich mich für dieses Jahr genug freigetanzt habe.

 

Zwei Uhr

Es ist nicht verwunderlich, dass die Veranstaltung “Tanz dich frei” umstritten ist. Sie polarisiert. Die einen sehen sie als Kritik am Kapitalismus, andere als organisierte Verschandelung des Stadtbilds. Am Ende jedoch ist das “Tanz dich frei” nichts anderes als eine Party. Und eine Gute noch dazu. Ob man den Kapitalismus abschafft, indem man am Rande einer guten Party Pyros zündet oder Abschrankungen demoliert, ist fraglich. Ob es nötig ist, wegen der Provokationen einiger weniger die Stimmung mit Tränengas zu ersticken, ebenfalls. Nachtleben ist in Bern seit Jahren ein Zankapfel – und wird es in Anbetracht des heutigen Abends wohl weiterhin bleiben.

 

Von Freiraum und Verantwortung

Wir schreiben den 3. Juni 2012, als mindestens 10’000 Teilnehmer der Grossdemo “Tanz dich Frei” durch Bern laufen, tanzen und nicht wenige torkeln. Von Sachschäden abgesehen, verläuft der Grossanlass ohne grössere Zwischenfälle. Die Bilder gehen um die Welt. Ein Jahr ist vergangen, der nächste Anlass steht vor der Tür. Die Drahtzieher bleiben im Dunkeln, das Event ist umstrittener denn je.

 

“Asoziale” Veranstalter

Die Organisation des “Tanz dich Frei 3” scheint derweil auf Hochtouren zu laufen. Die Drahtzieher hinter dem Event nennen sich “Das Kollektiv” und unterhalten die Veranstaltungsseite auf Facebook. Regelmässig wenden sie sich mit kürzeren Mitteilungen an die vielen User, welche mit der Seite des Events verlinkt sind. Kürzlich richteten sie auch einige Worte direkt an den Berner Gemeinderat Reto Nause, welcher im Interview mit der Berner Zeitung warnte, dass eine Teilnahme an “Tanz dich frei” mit grösseren Sicherheitsrisiken einhergehe. Rasch reagierte “Das Kollektiv” über Facebook. “Mittlerweile ist sich unfassbarerweise sogar die Organisation des Tanz dich Frei der baulichen Situation in der Innenstadt bewusst”, so die Medienmitteilung.

 

Für Erich Hess, Präsident der Jungen SVP Schweiz, liegt die Sache auf der Hand: “Das Tanz dich frei ist eine politische Veranstaltung der Reithalle”, meint der 32-jährige Politiker, “und wenn etwas passiert, will niemand verantwortlich sein oder die Haftung übernehmen.” Ein solches Verhalten sei laut Hess “asozial”. Denn die Kosten des Events müsse der Steuerzahler berappen und dies treffe auch Leute mit kleinem Einkommen. Des weiteren spanne die Reithalle Jugendliche, die nur wegen der Party kämen und mit Politik nicht viel am Hut hätten, für ihre Polit-Kampagne ein. Einen Mangel an kulturellen Angeboten gebe es jedoch in Bern gemäss Hess nicht. Die Personen hinter “Tanz dich Frei” versuchten, Leute für ihre alternativen Clubs anzuwerben: “Es scheint wohl, als würde das Gros der Jugendlichen jedoch aber andere Lokale bevorzugen.”

 

Kosten und Verantwortung

Die Stadt Bern plant derzeit parallel zum “Kollektiv”, jedoch an teuren Sicherheitsmassnahmen. Laut Gemeinderat Reto Nause, gebe es für die Kostenfrage noch keine Lösungsansätze: “Dies werden wir klären müssen, sobald der Anlass vorbei ist.” Letztes Jahr entstanden am Event Sachschäden von rund 100’000 Franken. Die Vorbereitungen der Stadt Bern gehen dieses Jahr auch bereits in den sechsstelligen Bereich. Nause versteht das Bedürfnis der Jugendlichen nach nicht-kommerziellen Freiräumen, an denen sie sich ungezwungen treffen können. Dies ist der Stadt bekannt und entsprechende Lösungen werden derzeit gesucht. Jedoch stört ihn am “Tanz dich Frei”, dass die anonyme Organisation hinter dem Event nicht bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. Für Nause ist jedoch klar: “Die Verantwortung tragen diejenigen Personen, die zum Anlass aufrufen.” Auch wenn sie dies anonym tun. Die Stadt verfüge bis heute über keinen verlässlichen Ansprechpartner. Deshalb könne man sich nicht auf die Route verlassen und zentrale Sicherheitsfragen klären. Obwohl die Route aufgrund der baulichen Massnahmen in der Innenstadt verlegt wurde, scheinen die Gefahren nicht gefeit. “Die vorgeschlagene Route tangiert eine der Rettungsachsen, die wir vorgesehen haben”, so Nause.

 

Das Recht auf Freiraum

Zuversichtlicher sieht die 20-jährige Alice, aktiv bei der Jungen Alternativen (“JA!”) in Bern, die Situation. “Das Tanz dich Frei ist sinnvoll, weil hier Jugendliche auf eigene Faust etwas organisieren und sich den Raum, den sie dazu benötigen, auch nehmen”, so die Geschichtsstudentin. Die Junge Alternative stehe hinter dem Event, da man sich bei der “JA!” für öffentlichen Raum einsetze, welcher ohne Konsumzwang von allen genutzt werden kann. Über die Kosten ist sie sich zwar bewusst, kann allerdings das grosse Polizeiaufgebot nur schwer nachvollziehen. “Ich hätte lieber etwas weniger Repression”, so Alice. Weiter sagt sie, dass die Veranstalter nicht die alleinige Verantwortung übernehmen sollen. Jeder Teilnehmer selbst müsse zu einer gewaltfreien und sicheren Demonstration beitragen.

 

Genau diese Teilnehmer sollen zahlreich erscheinen, sofern man sich auf Angaben von Facebook verlassen kann: Rund 13’000 Teilnehmer haben sich online bereits zum Event angemeldet, über 40’000 weitere Personen wurden eingeladen. Wie viele sich bei den kühlen Temperaturen schlussendlich auf die Strasse wagen, wird sich spätestens diesen Samstag in Bern zeigen.

Wenn Bergdörfer Spitzenfussball zelebrieren

Auch der SV Gamsen hat eine langjährige Geschichte, auf die er zurückblicken kann. Im Jahre 1945 war die erste Generalversammlung des Sportvereins Gamsen. Zuvor hiess der Club noch Veloclub Gamsen. Im Sommer 1985 wurde der heutige Sportplatz ARA in Fronarbeit installiert und 1989 wurde das erste BDM-Heimspiel ausgetragen. Hier findet 2013 dann auch der Cupfinal der BDM statt. Im Cup nehmen alle Mannschaften der drei BDM-Ligen A, B und C, sowie die Senioren teil.  Das Ziel des Vereines blieb aber immer “die Entwicklung des gesunden Sportes zu fördern, sowie Kameradschaft zu pflegen”. Für die Fussballabteilung als Teil des SV Gamsen gilt dies natürlich auch: So wurde der letzte Saisonsieg Gerüchten zufolge bis in den frühen Morgen ausgiebig mit der Mannschaft gefeiert.

 

BDM-Cup

Doch zuerst stand nach der Vorbereitung, über die Tink.ch schon berichtete, der BDM-Cup auf dem Programm. Der FC Herbriggen war Gegner in der ersten Cup-Runde. Die Spieler aus Herbriggen mussten erst einmal die gut 550 Höhenmeter hinunter ins Tal zum SV Gamsen bewältigen. In einer spannenden Partie bei regnerischem Wetter setzte sich schlussendlich Gamsen mit 5:3 durch. Die anwesenden Scouts waren vor allem von den drei Toren des Stürmers Stefan Mathieu-˜s begeistert. Alle Wechselgerüchte wurden aber vom Vorstand des SVGs umgehend dementiert. In der zweiten Cup-Runde wartete nun der FC Saas-Grund. Saas-Grund liegt im gleichen Tal wie die bekannte Ski-Destination Saas-Fee und weiss mit einem speziellen Fussballplatz zu überraschen: Das Eisfeld des EHC Saastals wurde mit einem dünnen Kunstrasen-Teppich belegt, was eine nicht ganz einfach zu bespielende Unterlage ist. Trotz der grossen Knie- und Rückenbelastungen gewann Gamsen das als Ping-Pong-Spiel bezeichnete Auswärtsspiel mit 2:4 und steht somit im Viertelfinale des Cups. Mann des Abends war Mittelfeldspieler Christian Nanzer, der mit seinen drei spektakulären Treffern alles klar machte. Eine Siegprämie gab es natürlich auch, wenn auch in einem etwas bodenständigerem Rahmen als im Profi-Fussball: Eine Kiste Bier.

 

Erste Saisonspiele

Doch wichtig ist natürlich vor allem der Ligabetrieb, denn hier wird ja der Aufstieg von der B- in die A-Liga angestrebt. Im ersten Spiel der Saison reiste der SV Gamsen ins Mattertal. In diesem spektakulären Tal, zehn Kilometer vor Zermatt, ist der FC Randa zuhause. Zwar soll es laut Randa-Spielern hier bis vor einer Woche noch Schnee gehabt haben, doch das Terrain präsentierte sich in einem relativ guten Zustand und die Grösse des Spielfeldes kam den technisch versierten Gamsnern klar entgegen. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, das bis zur 57. Minute 3:3 stand. Doch dann schoss Joachim Mutter das wichtige 3:4 und Gamsen verwaltete anschliessend das Resultat im Stile einer Topmannschaft.

 

Das zweite Saisonspiel gegen Herbriggen auf dem heimischen Sportplatz beschreibt eben dieser Joachim Mutter, als “Schlacht von Gamsen”. Früh riss man das Spieldiktat an sich und konnte das Spiel dank einer guten Chancenauswertung mit 3:4 gewinnen. Joachim beschreibt das Mittel zum Sieg folgendermassen: “Die Moral der Mannschaft, der Wille und die Spielfreude waren da und mit einer geschlossene Mannschaftsleistung konnte man sich die drei Punkte sichern. Herbriggen war sicher ein grosser Konkurrent um den Aufstieg, daher war hier ein Sieg sehr wichtig.” Und dies ist laut Joachim zugleich der besten Saisonstart Gamsens seit etwa fünf Jahren: In den bisherigen vier Pflichtspielen ist Gamsen noch ungeschlagen. Darum wurden Raclette und Bratwurst von Spielern und Zuschauern nach dem Spiel noch viel mehr als sonst genossen.

 

 

Der SV Gamsen auf Tink.ch


Tink.ch wird euch über die BDM und den SV-Gamsen weiterhin auf dem Laufenden halten: Damit der ehrliche, gesunde Fussball die verdiente Aufmerksamkeit erhält.

 

Tribut an die Beatles

Sobald die Beatles-Coverband die Bühne betrat, war das Publikum in heller Aufregung. Die Spannung der Zuschauenden war von der ersten Minute an zu spüren. Zeitweise war es, als ob die echten Beatles auf der Bühne standen und das lag nicht nur an der optischen Ähnlichkeit. Vor allem Tony Kishman sah Paul Mac-Cartney erstaunlich ähnlich. Einen Unterschied zumindest gab es dennoch: Tony hielt die Gitarre anders herum als Paul zu seiner Zeit.

 

Wo alles begann

Grundsätzlich sind Beatles-Musicals immer eine heikle Angelegenheit. Denn um an die Originale heran zu reichen, braucht es nicht nur musikalisches Können und Bühnenpräsenz, sondern auch die Fähigkeit das Publikum in den Bann zu ziehen. Als die Aufführung begann, fand sich das Publikum in Deutschland wieder, wo die Beatles einige ihrer ersten Auftritte hatten. Damals waren sie noch eine unbekannte Gruppe, die hauptsächlich als Begleitband arbeitete. Unter anderem für Tony Sheridan, einem britischen Musiker. Zu der Zeit waren sie bei Bert Kaempfert unter Vertrag und spielten Songs wie “My Bonnie”. Und zwar je als englische und deutsche Fassung, die sich nicht nur sprachlich unterscheiden. Die deutsche Version hat eine neue Melodie im Schlagerstil.

 

Neue Aufmachung

Die Beatles fassten den Entschluss, sich von Tony Sheridan zu trennen und alleine durch zu starten. Der Geschäftsführer eines Schallplattenladens wurde damals durch einen Kunden auf die Beatles aufmerksam gemacht und wollte sie unbedingt unter Vertrag nehmen. Mit ihrem neuen Manger Brian Epstein tauschten die Beatles ihre Lederkluften gegen Anzüge. Die Beatles schafften es, einen Vorspieltermin bei den Londoner Abbey Road Studios zu erhalten. Dort spielten sie dem Produzenten George Martin vor. Im La Poste während der Szene ihrer ersten Plattenaufnahme spielte die Band Songs wie “Twist And Shout” oder “Seventeen”, woraus später “I Saw Her Standing There” wurde. Das letzte Stück “Twist And Shout” war zusätzlich ein Hinweis auf die Coverband.

 

Nächster Stopp Amerika

Durch das zunehmende Interesse an den Beatles, erklärte sich bald einmal auch Capitol Records, einem amerikanischen Plattenlabel, bereit, Platten der vier Pilzköpfe zu veröffentlichen. Dazu gehörte unter anderem die Single “I Want To Hold Your Hand”, die heute als eine der umsatzstärksten Millionenseller der Schallplattengeschichte gilt. Als die Band im La Poste “Yellow Submarine” zum Besten gab, wurde das Publikum aufgefordert, mit zu singen. Weiter ging es mit “Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band”, wobei die farbenfrohen Uniformen nicht zu übersehen waren.

 

Die vier Bandmitglieder von “Twist And Shout” erlebten denselben Schock auf der Bühne, wie ihn seinerzeit die Beatles erlebten, als ihr Manager, Brian Epstein, im Alter von nur 32 Jahren 1967 verstarb. Am 30. Januar gaben sie ihr letztes Konzert auf dem Dach des Applekonzerns. Passend dazu spielte die Band das Lied “Revolution”, wie als Hinweis auf alle die Dinge, die die Beatles durch ihre Musik prägten. Ganz zu Ende war die Vorstellung aber noch nicht. Es gab Zugaben und die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten den Abend mit Standing Ovations.

Retter bei jedem Wetter

Heulende Sirenen, dröhnende Martinshörner und brummende Helikopter – dank diesen akustischen Signalen schlagen die Besucherinnen und Besucher des zweiten internationalen Feuerwehrfestes automatisch den richtigen Weg zum Festgelände ein. Durch die vielen ausgestellten Feuerwehrfahrzeuge und die in der Luft herumschwirrenden Rettungshelikopter zieht “Code 3800” auch optisch die Blicke schon von weither auf sich. Hat man das Festgelände erst einmal erreicht, folgt die Qual der Wahl, welche Attraktion man zuerst besuchen will. Nach rechts, die Schweizermeisterschaft der Jugendfeuerwehren mitverfolgen? Auf zwei identischen Bahnen versuchen jeweils zwei Teams à sechs Personen, den Parcours in der schnellstmöglichen Zeit zu absolvieren. Den jungen Leuten bleibt keine Herausforderung erspart: Abseilen, Schläuche aufrollen und Slalomlauf sind nur eine kleine Auswahl der Hindernisse.

“Fury” ist abgestürzt

Oder wählt man doch lieber den Weg nach links, zur grossen Arena, in der stündlich Vorführungen diverser Rettungskräfte stattfinden? Zum Beispiel rettet die Berufsfeuerwehr Bern mit der Unterstützung der Feuerwehr Bödeli Interlaken und einem Tierarzt Kunststoff-Pferd “Fury”, wie der Platzspeaker das Tier nennt, aus einem improvisierten Gülleloch. Ein anderes Szenario erfordert sogar die Hilfe der Rega: Ein Ehepaar ist mit dem Auto in eine Schlucht gefallen. In weniger als einer halben Stunde haben die Rettungskräfte die beiden Personen geborgen und erste Hilfe geleistet.

Dritte Ausgabe 2014

Wer von den Aktivdemonstrationen genug hat, der kann gemütlich durch das Ausstellerdorf schlendern und sich mit Feuerwehrfanartikel eindecken. Auch kulinarisch Interssierte kommen nicht zu kurz: Essensstände gibt es mehr als genug. Am Abend finden ausserdem Live-Acts auf der Bühne beim Festzelt statt. Abgerundet wird “Code 3800” mit der Anwesenheit zwölf internationaler Delegationen, unter anderem aus New York City, Moskau, Tschechien oder Peru. “Die internationalen Delegationen sind sehr wertvoll, damit unsere nationalen Feuerwehren Kontakte ins Ausland knüpfen können. Und ein Foto mit einem “Firefighter” aus New York ist sicher auch für Schaulustige ein einmaliges Erlebnis. Nächstes Jahr werden wir wieder mit zahlreichen Gästen aus der ganzen Welt auftrumpfen können”, freut sich Iris Huggler, Geschäftsführerin von Jungfrau Worldevents, welche den Event mitorganisiert, auf die dritte Ausgabe von “Code 3800” im 2014.

Balanceakt

Bist du talentiert im Vergessen von aufgetragenen Haushaltsarbeiten, Terminen und Geburtstagen? Eine Meisterin im Einbauen von Flüchtigkeitsfehlern in Matheprüfungen? Verlierst du häufig Habseligkeiten wie Stifte oder Bücher? Gleicht die Dauer deiner Aufmerksamkeitsspanne in einer Vorlesung derjenigen einer Kurzstreckenfahrt im Bus? Fühlst du dich angesprochen? Es fehlen nur noch zwei Symptome und du erfüllst die notwendigen Kriterien für die Untereinheit “vorwiegend unaufmerksamer Typus” der hyperkinetischen Störung ADHS.

 

Subtypen

ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, gilt als die häufigste psychiatrische Störung im Kindes- und Jugendalter. Im Standartwerk “diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen” (DSM-IV) werden drei Subtypen unterschieden. Aufgeführt werden der vorwiegend unaufmerksame Typus, der vorwiegend impulsiv-überaktive Typus und der kombinierte Typus. Am häufigsten ist der letzte Subtyp, diese Kinder zeigen sowohl Symptome von Unaufmerksamkeit, als auch solche für Hyperaktivität und Impulsivität. ADS wird oft, fälschlicherweise, als Synonym für ADHS verwendet, bezeichnet jedoch die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität.

 

 

Unklare Ursachen

Über die Ursachen, die zu einer ADHS-Erkrankung führen, sind sich die Fachexperten nicht einig. Sicher ist, dass eine falsche Erziehung alleine die Krankheit nicht auslösen kann. Der amerikanische Psychologe Russel Barkley, der seit mehr als 35 Jahren über ADHS forscht, vertritt die Meinung, dass ADHS auf rein biologische Ursachen zurückzuführen ist. Diese These wird durch die Tatsache unterstützt, dass häufig Kinder, die an ADHS leiden, entweder Eltern oder Verwandte haben, die ebenfalls mit dieser Störung leben.

 

Aufgrund dieser Annahme ziehen Russell Barkley und andere Psychologen eine Therapie mit Medikamenten, sogenannten Stimulanzien, einer psychologischen Behandlung vor. Meist wird Methylphendiat, besser bekannt als Ritalin, verschrieben. Allgemein hat Ritalin eine leistungssteigernde Wirkung, jedoch wirkt es bei ADHS-Patienten beruhigend. Die motorische Aktivität sinkt, die äusseren Reize können besser gefiltert werden und ihre Reaktionen fallen aus Gesellschaftsperspektive “angemessener” aus.

 

Hinauswachsen

Früher ist man davon ausgegangen, dass die betroffenen Kinder aus der Krankheit hinauswachsen und ADHS mit dem Erreichen des Jugendalters automatisch verschwindet. Dies wurde jedoch durch zahlreiche Studien widerlegt. 65 bis 80 Prozent, der im Kindesalter Betroffenen, leiden ihr Leben lang an den Symptomen. Allerdings lernen viele mit der Krankheit umzugehen und ein unabhängiges Leben zu führen.

 

Tendenz steigend

1902 wird ADHS erstmals wissenschaftlich als eine Krankheit beschrieben. Heute kommt auf ein Klassenzimmer durchschnittlich ein Kind, das an ADHS leidet – Trend aufwärts. Dabei stellt sich die Frage, wie viele dieser Kinder tatsächlich an einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung leiden.

 

ADHS ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die Betroffenen das Leben schwer macht. Doch lange nicht jedes verhaltensauffällige Kind leidet daran. Bestimmt gibt es viele Schülerinnen und Schüler, die ihre Freizeit vor dem Fernseher verbringen, statt draussen Fussball zu spielen, um so ihre Energie loszuwerden. Da ist es nicht verwunderlich, dass es schwer fällt, sich in der Schule zu konzentrieren und still zu sitzen. Hyperaktiv sind diese Kinder deshalb noch lange nicht. Sowohl Eltern als auch Lehrpersonen neigen dazu, vorschnell abzuklären, ob ADHS vorliegt. Wie schnell die Krankheit diagnostiziert wird, ist von Arzt zu Arzt verschieden.

 

Balanceakt

Im Alter von ungefähr sechs Jahren werden Kinder in der Schweiz eingeschult. Davor konnten sie mehrheitlich viel spielen, sei es im Kindergarten oder zu Hause. Plötzlich ändert sich das jedoch: 45 Minuten am Stück muss ein Kind nun auf dem Stuhl an seinem Tisch sitzen, die Hand heben bevor es spricht und zuhören, was die Lehrperson sagt. Dabei wird oft vergessen, dass Konzentration auch gelernt und gelehrt werden muss. Für ruhigere und verträumte Kinder ist es schwierig, sich gegen aufgeweckte durchzusetzen. Eine vorschnelle Diagnose als Grund für die Unaufmerksamkeit hilft ihnen aber nicht weiter. Umgekehrt gelten Schüler, die laut und unruhig sind, sehr schnell als hyperaktiv.

 

Doch welches Verhalten gilt als “krank” und was befindet sich in einem angemessenen Rahmen? Die Relativität dieser Frage zeigt den schmalen Grat, auf welchem psychologische Diagnosen balancieren. Während eine richtige Diagnose Hilfe bedeutet, können falsche Zuweisungen die Betroffenen ihr Leben lang beschäftigen.