Kultur | 13.04.2013

“Wir nehmen die Jugendlichen sehr ernst!”

Text von Matthias Strasser | Bilder von Giulia Moser
Urs Lindauer, der Direktor der Schweizer Jugendfilmtage gibt Auskunft zum aktuellen Anlass, über anonyme und weniger anonyme Sponsoren und über seine persönlichen Highlights.
Das Budget der Jugendfilmtage beträgt jährlich etwa 300'000 Franken, wie Direktor Urs Lindauer erklärt.
Bild: Giulia Moser

Tink.ch: Urs Lindauer, die 37. Ausgabe läuft gerade. Bist du zufrieden mit dem bisherigen Verlauf?

Urs Lindauer: Ja ich bin zufrieden. Wir hatten viele Gäste, auch bei den Jüngsten. Das war super, eine gute Stimmung.

 

Was ist denn der Geheimtipp des Chefs für die diesjährige Ausgabe?

Der ist leider schon gelaufen. Er fand heute um halb elf statt, es handelte sich dabei um ein Werkstattgespräch mit Vertretern von Disney und Kompost, da geht es um Visual Effects. Die plauderten dort ein wenig aus dem Nähkästchen, was gerade für junge Filmschaffende sehr spannend gewesen sein dürfte.

 

Wie macht das Festival den schwierigen Spagat zwischen der jungen Filmemacher-Szene und der breiten Bevölkerung als Publikum?

Das ist ein Spagat, den wir machen müssen, das gehört zu unserem Geschäft. Es ist eine Schwierigkeit, die wir manchmal besser, manchmal weniger gut meistern. Aber das gehört dazu.

 

Muss man diesen Spagat als Jugendfilmfestival machen?

Ja. Wir nehmen die Jugendlichen sehr ernst. Wir sagen nicht, dass sie ein schlechtes Equipment haben, mit Handys filmen oder so und dass wir deswegen eine schlechtere Projektion machen. Wir wollen den Jugendlichen gerecht werden.

 

Die Schweizer Jugendfilmtage sind mittlerweile sehr gross geworden. Wie gross ist der Staff, der dahinter steht?

Während etwa zehn Monaten im Jahr sind wir zwei Personen, die planen und operativ arbeiten. Dann gibt es ein Team von etwa 15 Personen. Diese treffen sich regelmässig und besprechen sich. Auf das Festival hin über- nehmen sie gewisse Ressorts. Am Festival selber arbeiten etwa 20 Personen.

 

So ein Anlass will auch finanziert sein. Wie gross ist das Budget?

Das Budget muss man über das ganze Jahr betrachten. Wir haben auch Veranstaltungen im Herbst, wo wir Leute einladen, etwa die Workshops. Das gesamte Budget beträgt etwa 300’000 Franken, immer ein bisschen abhängig vom Fundraising.

 

Fundraising ist ein gutes Stichwort: Es gibt eine ganz lange Tafel mit vielen Unterstützern. Wie setzt sich die Finanzierung zusammen?

Das sind drei Seiten: Erstens Stiftungen, zweitens die öffentliche Hand, etwa das Bundesamt für Kultur oder Kantone und die Stadt Zürich und drittens die Privatwirtschaft. Die Zürcher Kantonalbank ist unsere Hauptsponsorin, seit nunmehr 7 Jahren. Weiter sind es viele mittelgrosse Partner, die uns nicht unbedingt mit Geld unterstützen, etwa Medienpartner. Solche Partnerschaften haben aber auch einen Wert, den man berechnen kann. Da läuft das dann über den Austausch. Aber auch diese Partnerschaften sind für uns sehr wichtig.

 

Privatwirtschaftliche Unterstützung klingt sehr schnell nach Abhängigkeit. Inwiefern sind die Schweizer Jugendfilmtage unabhängig?

Wir sind unabhängig, weil wir das zeigen können, was wir zeigen wollen. Wir können unsere Filme selber aussuchen, da redet uns keiner der Partner rein. Eine andere Frage ist jene nach der Einkleidung des Festivals und da ist es so, dass man gewisse Gegenleistungen, meistens in Form von Markenpräsenz, erbringt. Da sehe ich aber auch nichts Schlimmes. Ich stehe für jede Marke, die wir hier präsentieren ein.

 

Eine solche Marke ist Red Bull. Die wollen aber nicht auf der Donatoren-Tafel genannt werden. Wie geht man damit um?

Ganz normal, ganz gemütlich. Wenn die einen das wollen und die anderen nicht, weil sich die Marketing-Strategien unterscheiden, dann ist das ihr gutes Recht.

 

Da gibt es also nicht die Gefahr der Intransparenz, weil dieser Partner für den Zuschauer nicht erkennbar ist.

Das wäre vielleicht so, wenn ich nicht wüsste, was der Einfluss ist. Aber das ist nicht so. Ich weiss bei jedem Partner, was sein Einfluss ist. Nur weil jetzt ein Partner nicht auf der Donatorentafel erscheint, heisst das ja nicht, dass ich den Einfluss nicht kenne.

 

Gibt es denn abgesehen von Red Bull weitere Partner, die nicht genannt werden wollen?

Ja, das sind dann aber vor allem Privatpersonen, sogenannte Gönner.

 

Also keine privatwirtschaftlichen Unternehmen?

(zögert) Nein.

 

Wie werden sich die Jugendfilmtage weiter entwickeln? Was willst du in deiner Ära noch erreichen?

Wir wollen diese Plattform, die wir jungen Filmemacherinnen und Filmemachern seit 37 Jahren bieten auch weiterhin bieten. Die Details sind aber noch unklar: Ob wir beispielsweise internationaler werden oder uns auf mehrere Standorte aufteilen wissen wir noch nicht.

 

Du bist nun seit einigen Jahren dabei. Welches ist das persönliche Lindauer-Highlight?

Es gibt eine Situation, die alles ausmacht: Wenn ein Jugendlicher ohne damit gerechnet zu haben einen Preis gewinnt. Und wenn er dann weiter Filme macht und im nächsten Jahr wieder einreicht und die Filme werden besser und besser und er entwickelt sich und interessiert sich, dann sind das jeweils Momente, wo ich weiss: “Darauf haben wir hingearbeitet, auf diese Freude.”