Sport | 28.04.2013

Wetterfrosch Challandes

Text von Simon Scheidegger | Bilder von Manuel Lopez
Die Young Boys schlagen Lausanne verdient 3:1. Gegen defensive Lausanner kombinierten die Berner zeitweise gefällig und feierten gleich eine doppelte Torpremiere.
  • Die Young Boys schlagen Lausanne verdient 3:1 ...

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  • Dusan Veskovac agierte meist sehr sicher in der Berner Innenverteidigung

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  • Jocelyn Roux markiert den Ehrentreffer für Lausanne in der Nachspielzeit.

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  • Abdelouahed Chakhsi gewinnt das Kopfballduell gegen Marco Bürki.

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  • Moreno Costanzo verteidigt gegen den Lausanner Spielmacher Salim Khelifi

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  • Die Lausanner Angreifer standen sich zuweilen selber im Weg.

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  • YB-Stürmer Alexander Gerndt windet sich am Boden, nachdem ihn ein harter Lausanner Freistoss mitten im Gesicht getroffen hat.

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  • Lausanne-Verteidiger Tall im Zweikampf mit Alexander Farnerud.

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  • Lausanne-Goalie Favre muss den Penalty von Costanzo passieren lassen.

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  • Anthony Favre klärt vor Alexander Farnerud.

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  • Dusan Veskovac klärt zu einem Eckball.

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  • Samuel Afum im Laufduell mit Salim Khelifi.

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  • Der Sonntagsschuss von Elsad Zverotic landet genau im Winkel.

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Die Young Boys starteten engagiert in die Partie und erarbeiteten sich durch Nuzzolo und Afum bereits in den ersten Minuten Torchancen. Doch auch bei den schwachen Darbietungen der vergangenen Wochen gegen Sion, Servette und Thun hatten die Berner jeweils stark begonnen, aber im Verlauf des Spiels ebenso stark abgebaut. Dem war heute nicht so. YB blieb aufsässig und versuchte sich stets durch die gut gestaffelten Lausanner zu kombinieren. Nach einer Flanke von Mario Raimondi wurde der kopfballstarke Verteidiger Nef vom Lausanner Tall im Strafraum umgerissen und Schiedsrichter Nicolas Hänni entschied korrekterweise auf Penalty. Moreno Costanzo übernahm die Verantwortung und schoss präzise in die linke Torecke zur Berner Führung in der 33 Minute.

“Wir waren zu ängstlich”

Das Führungstor war wichtig für die verunsicherten Young Boys, die in den letzten sechs Spielen gerade einmal ein einziges Tor erzielen konnten. Es schien ihnen Selbstvertrauen zu verleihen, denn just nach dem 1:0 griff der flinke Nuzzolo über links an und flankte auf Farnerud. Der Schwede verpasste aber knapp. Die Lausanner konnten mit dem knappen Pausenrückstand zufrieden sein, denn sie ergriffen keinerlei Initiative, überliessen das Spieldiktat komplett dem Heimteam und kamen sehr selten in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Trainer Laurent Roussey kritisierte denn auch die passive Spielweise seines Teams: “Wir waren zu ängstlich.”

In der zweiten Halbzeit benötigten beide Teams eine gewisse Anlaufzeit, um wieder in die Partie zu finden. Und es waren die Lausanner, die eine erste Chance verzeichneten. Junior Sanogo wurde nach einer Stunde steil angespielt, YB-Goalie Wölfli wehrte aber aufmerksam ab, um auch beim anschliessenden Eckball wieder zur Stelle zu sein. Es lag mehr an Berner Unkonzentriertheiten als an der spielerischen Klasse der Waadtländer, dass sich zeitweise ein ausgeglichenes Spiel entwickelte.

Traumtor von Zverotic

YB-Trainer Bernard Challandes stellte dies auch fest und kommentierte metaphorisch: “Heute war es zum Essen und zum Trinken. Es hatte Sonne und auch Regen.” Damit meint der Neuenburger nicht, dass es während des Spiels phasenweise regnete, denn davon blieben die 13’413 Zuschauer im kühlen Stade de Suisse glücklicherweise verschont. Vielmehr konstatierte Challandes, dass sich gefälliges Passspiel und gute Kombinationen mit umständlichen, ungenauen Spielzügen in regelmässigen Abständen abwechselten. In einer Phase, in der sich die beiden Teams gerade gut neutralisierten, kam der Ball mehr zufällig als gewollt zu Elsad Zverotic. Der Rechtsverteidiger fasste sich auf der rechten Seite des Strafraums ein Herz, schoss und traf genau in die entfernte obere Torecke. Zverotic feierte mit diesem Tor seine Meisterschaftstorpremiere für YB. Es war ein Schuss, der das viel zitierte Prädikat “Sonntagsschuss” wieder einmal verdiente.

Afums Torpremiere

Und so schön das Tor war, so wichtig war es für die Berner, die während dieser Phase Gefahr liefen, ins alte Fahrwasser des nervösen, statischen und unpräzisen Fussballs zurückzufallen. Das zweite Tor war die Entscheidung, denn das starke Innenverteidiger-Duo um Nef und Veskovac, – der Serbe setzte sich auch immer wieder offensiv in Szene -, agierte mehrheitlich souverän. Nach einer schönen Kombination über den starken Costanzo kam es noch zu einer weiteren Torpremiere im Stade de Suisse: Der Ghanaische Stürmer Samuel Afum schloss gekonnt mit dem Aussenrist ab zum vielumjubelten 3:0.

Es ist aber falsch, anzunehmen, die Berner seien durch und durch souverän zu einem ungefährdeten Sieg gekommen. Bernard Challandes kritisch: “Es gibt einiges zu verbessern, aber wenn das nicht so wäre, bräuchten wir ja gar keine Trainer.” Einen Klecks im Reinheft, den der Trainer anspricht, ist sicherlich der Lausanner Ehrentreffer durch Jocelyn Roux in der Nachspielzeit, als YB nachlässig und unkonzentriert auftrat. Für Torschütze Zverotic ist dies denn auch das einzige, was ihn an der ansonsten ansprechenden Leistung störte. “Der Gegentreffer ist unnötig. Schade, dass wir nicht zu null spielen konnten. Aber das müssen wir beim nächsten Mal besser machen.” Gelegenheit dazu haben die Berner nächste Woche in St.Gallen. Es bleibt abzuwarten, ob Challandes Wetterprognose Sonne oder Regen voraussagen wird.