Kultur | 04.04.2013

Wer ist dieser Mensch?

Text von Anita Béguelin | Bilder von zvg
Die Bibel ist das meist übersetzte Buch der Welt. Fraglich ist, ob es denn auch das meist gelesene ist. Denn auch die bekanntesten Bibelpassagen wie die vier Evangelien sind komplex und nicht einfach zu verstehen. Luke Gasser macht diese in seinem neuen Film "The Making of Jesus Christ" verständlich und hinterfragt gleichzeitig kritisch.
Die Kreuzigung von Jesus wird im Film unter die Lupe genommen.
Bild: zvg

In seinem neuen Film „The Making of Jesus Christ“ geht Regisseur Luke Gasser den Spuren von Jesus nach. Er will wissen, wer hinter diesem Namen steckt und hinterfragt die historische Richtigkeit der Evangelien. Dazu spricht er nicht nur mit Experten, sondern bereist auch die Orte der Geschehnisse. Dabei wird klar, dass es schwierig ist, die Spuren einer Geschichte aufzusuchen, die vor 2000 Jahren gezeichnet worden sind.

 

Jesus von Nazareth

Im neuen Testament berichten vier Evangelien über das Leben Jesus von Nazareth. Luke Gasser macht sich daran, die Schauplätze dieser Geschichten aufzusuchen. Dazu reist er nach Jerusalem, filmt den See Genezareth oder auch den Berg Tabor. An all diesen Orten sind Dinge geschehen, die im christlichen Glauben von grosser Bedeutung sind. Und an all diesen Orten habe sich laut der Bibel einst Jesus von Nazareth aufgehalten und Wunder vollbracht.

 

Spurensuche

„The Making of Jesus Christ“ beginnt mit der Ausgangslage, dass Jesus von Nazareth tatsächlich gelebt hat. Ob er denn auch der Sohn Gottes war, soll nun ergründet werden. Dazu spricht Gasser unter anderem mit dem holländischen Regisseur Paul Verhoeven, der diese Definition als Unsinn erachtet. Klar für ihn ist jedoch, dass Jesus ein überaus charismatischer und intelligenter Mann gewesen sein muss. Laut der Bibel stammen Gleichnisse von ihm, die bis heute aktuell sind. Es sind Gleichnisse, die von den vier Evangelisten Lukas, Johannes, Matthäus und Markus niedergeschrieben wurden. Doch kann man diesen Quellen wirklich trauen?

 

Historische Richtigkeit

Im Film werden Religionswissenschaftler und Theologen befragt und der Wahrheitsgehalt der Evangelien diskutiert. Es ist unklar, wann genau die Geschichten über das Leben von Jesus verfasst wurden, die Wissenschaftler widersprechen sich hierbei. Dennoch kann die Entstehung der Evangelien wie auch das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth zeitlich eingeschränkt werden. Besonders spannend ist dabei, wie die Kreuzigung von Jesus zustande kam. Jesus wurde innert kürzester Zeit zum Tode verurteilt, ohne etwas getan zu haben, das diese Strafe rechtlich hätte begründen können. Seine letzten Tage und der Zeitpunkt der Kreuzigung werden im Film mit nachgestellten Szenen und genauen Zeitangaben dokumentiert. Jesus von Nazareth wird dabei nicht als Heiliger beschrieben, sondern als Mensch mit Ecken und Kanten. Dass er aber als Unschuldiger auf brutalste Weise sterben musste, stehe ausser Frage.

 

Ein Film für Neugierige

„The Making of Jesus Christ“ verspricht mehr, als er hält. So reist Gasser zwar an die Orte der Geschehnisse. Entstanden sind dabei aber lediglich Landschaftsbilder, die die Erzählungen untermalen. Dennoch ist der Film sehenswert für alle, die mehr über das Leben und Wirken von einer der berühmtesten und zugleich umstrittensten Figuren der Weltgeschichte erfahren möchten. Kritisch hinterfragend und gleichzeitig voller persönlicher Eindrücke, ist der Film eine Theologiestunde der besonderen Art.

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