Kultur | 13.04.2013

Wenn ein Mädchen ein Mädchen küsst

Text von Vivienne Kuster | Bilder von Oliver Hochstrasser
Fabienne verliebt sich in Julia und umgekehrt. Das ist die kurzgefasste Story vom Film "La Carenza de Stat", der an den Jugendfilmtagen in Zürich gezeigt wurde. Er gehört auch zu den nominierten Filmen der Kategorie A (unter 16-jährige). Die 14-Jährige Hauptdarstellerin und Mitproduzentin Irma erklärt im Tink.ch-Interview, wie es war ein Mädchen zu küssen.
"Es war gar nicht wirklich anders", sagt Irma Kurth über das Küssen eines Mädchens. "Durch meine Rolle in diesem Film wurde zu Hause natürlich viel über das Thema gesprochen"
Bild: Oliver Hochstrasser

Handelt ein Film von einer Sommerliebe, drehen sich vermutlich nicht viele danach um. Doch beim Kurzfilm “La Careza de Stat” lohnt es sich hinter das oberflächlich-langweilige Thema zu blicken. Das Hollywood-typische “Junge verliebt sich in Mädchen und wird enttäuscht”-Szenario findet sich in diesem Streifen nicht wieder. Fabienne verliebt sich nämlich in Julia. Sie verlieben und küssen sich – und stossen bei den Eltern nur auf Unverständnis. Tink.ch hat die Hauptdarstellerin Irma Kurth getroffen und sie hat uns verraten, weshalb die Liebe zwischen den zwei Mädchen kein Happy End findet.

 

Tink.ch: Irma, Homosexualität bei Jugendlichen ist ein aktuelles Thema. Wie seid ihr auf das Thema gestossen?

Irma Kurth: Im Filmkids-Lager wurde unsere Gruppe von einem Jungschauspieler betreut und als es um die Themenfindung für unseren Film ging, schlug er das Thema vor. Es ist ein aktuelles Thema und es ist in Filmen noch nicht so populär. Vor allem aber interessierte es uns auch sehr!

 

Inwiefern hat sich dein Wissen über Homosexualität durch die Arbeit am Film verändert?

Ich wusste bis anhin noch fast nichts darüber, habe mich auch nicht stark damit befasst. Während den Arbeiten für den Film hat sich mein Wissen über gleichgeschlechtliche Liebe nicht wirklich erweitert. Ich möchte aber sehr gerne mehr über die Thematik erfahren und werde mich auch etwas darüber informieren.

 

Wie wichtig findest du, dass das Thema in der Öffentlichkeit mehr zur Sprache kommt?

Ich finde es sehr wichtig! Oft wird es in der Öffentlichkeit nicht als normal angesehen, wenn jemand homosexuell ist und das finde ich schade! Viele Leute empfinden es als “grusig”, wenn sich zum Beispiel zwei Frauen küssen. Doch das ist es nicht.

 

Wolltest du für euren Film denn ein lesbisches Mädchen spielen?

Ja. Als es um die Rollenverteilung ging, war ich damit einverstanden, Julia zu spielen. Die Rolle schien interessant und war es dann auch.

 

Wie war es für dich ein Mädchen zu küssen?

Es war gar nicht wirklich anders. Für mich als Julia im Film war es mit Fabienne sogar einfacher als der Kuss mit einem Jungen ausserhalb des Sets. Es war viel entspannter und lockerer, was aber daran lag, dass es Dreharbeiten waren. Am Set herrschte immer eine lockere Stimmung und wir konnten auch immer miteinander lachen und Spass haben.

 

Im Film reagieren die Eltern von Julia geschockt und ohne Verständnis. Sie bezeichnen die Liaison zwischen Julia und Fabienne sogar als Schande für die Familie. Wie wird das Thema in deiner Familie behandelt?

Durch meine Rolle in diesem Film wurde zu Hause natürlich viel über das Thema gesprochen und das Resultat der Diskussion war eine grosse Akzeptanz gegenüber der Homosexualität. Meine Eltern hätten überhaupt kein Problem damit, wenn eines ihrer Kinder homosexuell wäre, was aber nicht der Fall ist. Sie heissen es gut, wenn homosexuelle Menschen den Mut haben, dazu zu stehen.

 

Wie haben deine Freunde und Klassenkameraden auf den Film reagiert?

Die meisten konnten differenzieren, dass es nur eine Rolle war und dass Julia und Irma zwei verschiedene Persönlichkeiten sind. Doch wurde in der Schule manchmal darüber gelacht, doch mehr im Zusammenhang damit, dass sich meine Mitschüler immer gesagt haben: “Ich kann mir nicht vorstellen, dass du lesbisch wärst!” Ich habe mich aber nie ausgelacht gefühlt. Trotzdem erwähne ich gelegentlich wieder, dass es auch nur eine Rolle war.

 

Ist Schauspielerin dein Traumberuf?

Ja, es ist mein Traumberuf! Ich weiss, dass es schwierig ist und dass ich noch nicht so viel Erfahrung habe. Trotzdem ist es ein Traum von mir und ich versuche auch auf Castings zu gehen, damit ich meinem Traum etwas näher komme.