Kultur | 02.04.2013

Von Barbie und vom Planetarium

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist.
Heuer spielten am SXSW in Austin über 2'300 Bands und Musiker. Es ist geradezu unmöglich, sich vor Ort ein umfassendes Bild zu machen, von abschliessender Kritik ganz zu schweigen. Dennoch folgt hier - als Ergänzung zum Artikel von letzter Woche - eine Auswahl an besonderen Juwelen, selbstverständlich ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.
Spielen gerne im Dunkeln: Blue Hawaii aus Montréal. Lässt die Barbie hinter sich: Rachael Sage. Spritziger Indiepop aus New York: Joywave. Das Unausweichliche klang selten so schön: Houses. Die Nordische Elfe: Therese Aune.
Bild: Martin Sigrist.

Das Duo Blue Hawaii aus dem kanadischen Montréal, benannt nach einem Musikfilm mit Elvis Presley, macht sphärisch ruhigen Elektropop. Dennoch greifen die Québécois auf der Bühne kräftig in die Kiste der tanzparen Pop-Songs. Ihr zweites Album “Untogether” ist seit Februar in der Schweiz erhältlich, inklusive frostiger Gefühle kalter kanadischer Winter.

Blue Hawaii im Netz

 

Im Gegensatz zu ihrem zehnten Album “Hunted by You”, mit einem Jahr Verspätung kürzlich in Europa erschienen, vermag die New Yorkerin Singer-Songwriterin Rachel Sage live absolut zu überzeugen, ganz im Stile ihrer früheren Veröffentlichungen. Live ist kaum mehr etwas vom braven Schulmädchen mit Barbie-Anleihen zu spüren, das die Bildchen auf ihrer Website erwarten lassen. Dennoch: Etwas von der ebenfalls New Yorker Sängerin Amanda Palmer auf Liebesentzug schwingt eben doch mit.

Rachel Sage im Netz

 

Die Indie-Popper Joywave aus Rochester in New York starteten ihre Live-Auftritte erst vor einem Jahr, ganz ohne falsche Bescheidenheit im örtlichen Planetarium. Dennoch vermögen die Jungs aus der Heimstadt von Kodak bereits jetzt ihr Publikum zackig in die Tanzschuhe zu heben. Ihre EP “Koda Vista” ist letztes Jahr erschienen und kann digital oder direkt aus den USA als 12″-LP gekauft werden, ein aktuelles Mixtape ist auf Soundcloud zu hören.

Joywave im Netz

 

Das Duo Houses aus Chicago hat sich nach einem Intermezzo in Hawaii in Los Angeles niedergelassen. Ihren ruhigen, dennoch intensiven Elektropop verstärken sie auf der Bühne mit weiteren Musikern. Ihr zweites Album “A Quiet Darkness” soll Mitte April erscheinen und erzählt die Geschichte eines Liebespaares auf der Flucht vor einer nuklearen Katastrophe, mit dem Ziel, sich vor dem nahenden Tod ein letztes Mal zu treffen. Diesem endgültigen Abschied folgt das Album, in dem entlang der Route die einzelnen Stücke in verlassenen Häusern aufgezeichnet wurden.

Houses im Netz

 

Die sympathische und junge Norwegerin Therese Aune macht akustischen Pop, der nordischer kaum sein könnte. Ihre Band in Hippieklamotten, mit Tuba und Handorgel, erobert das Publikum geschwind. Thereses Album “Billowing Shadows, Flickering Light” ist bereits im vergangenen Herbst digital erschienen, die sanftmütige Musik eine wunderbare Liebkosung der Ohren.

Therese Aune im Netz