Kultur | 09.04.2013

Schweizer Musiker. Bluesmusiker.

Text von David Schneider | Bilder von zvg
Bis vor kurzem noch in der Jury von "The Voice of Switzerland", nun wieder in eigener Sache auf den Bühnen der Schweiz unterwegs. Der Thuner Bluesmusiker und Teilhaber der Mühle Hunziken feiert sein 25-jähriges Bühnenjubiläum und lässt alte Perlen genauso aufglänzen, wie Songs der letzten Alben.
Eine Zeitreise durch den Schweizer Blues mit Philipp Fankhauser.
Bild: zvg

Er ist mittlerweile ein alter Hase in seinem Fach. Doch das Alter lässt sich Philipp Fankhauser weder in seiner Musik, noch live auf der Bühne anmerken. Im gut gefüllten Bieler Volkshaus kamen Musikliebhabende aus der Drei-Seen-Region und der Romandie auf ihre Kosten. Biel sei eine der wenigen Städte, in der er auch französischsprachige Schweizer erreiche, so Fankhauser während des Konzerts. Den musikalischen Röstigraben bekämen selbst etablierte Musiker wie er zu spüren. Doch an diesem Abend gab es weder Sprach-, noch Altersgrenzen, sondern handgemachte Bluesmusik für alle.

 

Scheues Publikum

Als Fankhauser und seine vierköpfige Band zu Beginn des Konzerts auf die Bühne treten, mag noch niemand erahnen, welches Feuer hier gezündet werden sollte. Doch von Beginn an verspürt man als Zuschauer diese Verbundenheit zur Gruppe rund um Philipp Fankhauser. Mit dem griffigen „Nature Song“ versucht der Bluesaltmeister das Publikum abzuholen. Doch auf sein „Say Yeah“ reagiert das Publikum zurückhaltend, schon fast verlegen.

 

Nichtsdestotrotz präsentiert sich die Band präsent in Zusammenspiel und Interaktion, dies obwohl Stammpianist Hendrix Ackle aus familiären Gründen kurzfristig ersetzt werden musste. Aber hatten die Musiker wirklich die Aufmerksamkeit der Bieler? „Hört ihr uns heute Abend zu?“, fragte Fankhauser in die leicht verdutzten Ränge. Darauf erhielt er ein schüchternes „Ja“. Beim zweiten Nachfragen war dann aber klar: Ja, die Leute im Volkshaussaal waren bereit Fankhauser ihr Ohr zu leihen.

 

 

Roh und mitreissend

Ohne Verschnaufpause zog die Band mit dem „Bobby Blue“ Band-Cover „Further on up the Road“ weiter und die Konzertbesucher legten auf einmal ihre anfänglichen Hemmungen ab und es wurde nicht nur mitgeklatscht, sondern auch getanzt. Die Brücke zwischen den Taktgebern und den Tonabnehmern war geschlagen. Und spätestens als Fankhausers langjähriger Leadgitarrist Marco Jencarelli seine Blade zum ersten ausschweifenden Solo aufheulen liess, war allen klar, in welche Richtung es heute Abend gehen würde. Roh, ungestüm und ehrlich – Blues eben.

 

Philipp Fankhauser bleibt dabei der wegbereitende Vollblutmusiker, der sich selbst mitten in einem Stück auf sein Publikum einlässt. Und dabei beispielsweise spasseshalber Smalltalk mit einem dauerhaften Handyfilmer führt, ehe sich auch dieser mit eigenen Augen von der Magie der Band einnehmen lässt. Zwischen den einzelnen Songs gibt es meist direkte Übergänge. So kann der Applaus des vorangehenden Stücks gleich als Taktgeber für das folgende verwendet werden. Geklatscht wird an diesem Konzert so oder so ausgiebig. Schon alleine das taktvolle Schlagzeugspiel des Halbjapaner Ausnahmemusiker Tosho Yakkatokuo, der seit 23 Jahren für Fankhauser die Drumsticks schwingt, bringt sowohl Publikum, als auch den Kopf der Band zum Jubeln.

 

Musik als Lebensinhalt

Dass auch Philipp Fankhauser zu Jubelstürmen regt, ist für einen der grössten Schweizer Musikexporte nicht selbstverständlich. Blues ist in der Schweiz längst nicht mehr so verwurzelt, wie er es noch zu Fankhausers Anfangszeiten war. Damals saugte der Schweizer Bluesmusiker diese Art von handgemachter Musik mit Seele und Herz regelrecht in sich auf. Mit elf Jahren das Gitarrenspiel für sich entdeckt, war der Thuner als Jugendlicher an verschiedenen Jazz- und Bluesfestivals anzutreffen und verinnerlichte seine Liebe zur amerikanischen Ursprungsmusik. Durch das Montreux Jazz Festival konnte er wichtige Kontakte knüpfen und hatte mit zwanzig Jahren seinen ersten Soloauftritt. Dem Montreux Jazz Festival und seinem im Januar 2013 verstorbenen Gründer Claude Nobs blieb er stets verbunden.

 

Kurzweilige Zeitreise

Nach einer Tribute an Nobs legt die Band noch einmal ordentlich an Tempo zu. Mitreissende Orgelläufe wechseln sich mit kantigen Gitarrenriffs ab. Das Rollende Biest mit typischem Blues-Rhythmus zieht die Zuschauer in seinen Bann. Ein weiteres Mal greift auch Fankhauser kräftig in die Saiten und holt aus seiner altehrwürdigen Gibson Jazzgitarre Klänge vergangener Zeiten.

 

Klassiker vergangener Soloalben wechseln sich ab mit Werken aus seiner Zeit mit seiner 1987 gegründeten Checkerboard Blues Band. Und gerade in solchen Momenten zeigt sich der mittlerweile 49-Jährige als gestandener Musiker, der sich hinter den grossen Namen, welche ihn beeinflusst haben, nicht zu verstecken braucht. Nach zwei ausgiebigen Zugaben, die das Publikum mit Applaus und Gejauchze goutiert, verabschiedet sich Philipp Fankhauser mit einem charmanten Dankeschön durchs Mikrofon. Seine gleichsam fesselnde und schmeichelnde Stimme hallt noch durch die Gehörgänge, ehe man merkt, dass seit Konzertbeginn mehr als zwei Stunden vergangen sind. Eine Reise durch 25 Jahre Musikschaffen, ohne Längen und Lücken. „Biel war immer gut zu mir“, so Fankhauser während des Konzertes. Und so dankte er der Stadt auf seine Weise zurück. Mit Musik. Bluesmusik.