Sport | 09.04.2013

Schach matt!

Sportissimon von Simon Scheidegger kommentiert die wöchentlichen Sportereignisse aus einer erfrischenden Perspektive. Kritisch, aber nicht immer ganz ernst zu nehmen.
Der sportliche Überblick der Woche: Sportissimo von Simon Scheidegger.
Bild: Rainer Sturm/pixelio

Und wieder hat es zwei erwischt. Mit Ryszard Komornicki und Martin Rueda sind in der Schweizer Super League die Trainer zehn und elf entlassen worden, notabene nur in dieser noch zehn Spieltage dauernden Saison. Kontinuität scheint bei den Schweizer Klubs keine willkommene Tugend zu sein. Die Geduldsfäden reissen schnell, und der Trainer muss seinen Sessel räumen.

 

Aus dem Wallis ist man sich eine solche Hire-and-Fire-Mentalität gewöhnt. Aber nun hat sie sich scheinbar auf die ganze Schweiz ausgebreitet. Das ist eine bedenkliche Entwicklung. Denn ein ruhiges Umfeld und Kontinuität sind für sportlichen Erfolg ebenso wichtig wie ein gutes Kader. Das Paradebeispiel im europäischen Fussball ist Manchester United, wo Sir Alex Ferguson schon seit 27 Jahren an der Linie sitzt und mit seinem Team in diesem Jahr wohl wieder einen Meistertitel feiern wird. Beispiele im negativen Sinn gibt es viele. Palermo hat in dieser Saison bereits vier Trainerwechsel vorgenommen, wobei der jetzige Trainer Giuseppe Sannino die Süditaliener bereits zu Beginn trainiert hatte.

 

In der Schweiz hat es, mit Ausnahme von Sion, noch nicht palermische Ausmasse erreicht. Es ist jedoch zu hoffen, dass Ruhe in die Liga einkehrt. Ein Blick in die Bundesliga – und damit ist nicht die Schweizer Schachbundesliga gemeint, wobei auch dort der Trainerverschleiss beträchtlich geringer ist als im heimischen Fussball – zeigt, dass Ruhe und Geduld vonseiten der Klubverantwortlichen belohnt werden: Jupp Heynckes feierte mit Bayern München am Wochenende den frühsten Meistertitel in der Geschichte. Immerhin ist er bereits in seiner dritten Saison beim Ligakrösus. In der Schweiz würde man Heynckes so schon bald als Trainerdino bezeichnen.

 

Es ist lange her, dass ein Trainer in der Schweiz einen Klub über viele Jahre trainiert hat. Das Erfolgsrezept und der perfekte Trainer werden stets gesucht und nicht gefunden. Schachspielende Trainer wären vielleicht die Lösung. Die wären ruhig und durchs Schach gewisserweise immun gegen Entlassungen.