Politik | 11.04.2013

Quo vadis Frauenquote?

Für einige sind sie ein gutes Mittel, um weitere Fortschritte bei der Gleichstellungspolitik in Politik und Wirtschaft zu bewerkstelligen. Für andere hingegen sind sie ein weiterer Zwang, der Politik und Wirtschaft in ihrer Entscheidungsfreiheit einschränkt.
Frauen in Führungspositionen sind immer noch eine Seltenheit.
Bild: Pixelio.de/ Benjamin Thorn

Fünf Prozent, so viel betrug 2012 der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 115 grössten Unternehmen der Schweiz. In den Verwaltungsräten lag die Zahl mit einem elfprozentigen Frauenteil leicht höher. Dies ergab der Schillingreport 2012, eine Recherche der Guido Schilling AG. Das sind Zahlen die einem zwar aufhorchen lassen, für Erstaunen sorgen sie jedoch längst nicht mehr, ist doch schon seit längerer Zeit klar, dass der Frauenanteil in Führungsgremien enorm tief ist.

Das Mittel der «Frauenquote« wird aufgrund solcher Zahlen immer mehr zum Thema. So hat etwa die EU-Kommission beschlossen, dass bis ins Jahr 2020 sämtliche börsennotierten Unternehmen im EU-Raum einen Frauenanteil von vierzig Prozent in den Aufsichtsräten vorweisen müssen. Vorbild für diese geschlechterspezifische Vorgabe war Norwegen, das in Sachen Gleichstellung eine Vorreiterrolle einnimmt. 2003 wurde in Norwegen ein Gesetz angenommen, welches in dem jeweils höchsten Entscheidungsgremiums eines Unternehmens einen vierzigprozentigen Anteil beider Geschlechter vorschreibt. Beruhte dies zu Beginn noch auf Freiwilligkeit der Unternehmen, wurde das Gesetz im Jahr 2006 verbindlich, da die freiwilligen Massnahmen nicht von Erfolg gekrönt waren.

 

Frauen in der Politik

Doch nicht nur in den Führungsgremien der Wirtschaft, sondern auch in der Politik sind die Frauen klar untervertreten. So lag der Frauenanteil im Nationalrat nach den letzten eidgenössischen Wahlen etwa bei 28.5 Prozent und im Ständerat bei gerade mal 19.6 Prozent. Interessant ist dabei die Tatsache, dass der Frauenanteil bis ins Jahre 2007 stetig anstieg, seit diesem Zeitpunkt jedoch stagnierte oder wie etwa im Ständerat gar zurückging. Da stellt sich automatisch die Frage, nach dem Grund für diese vergleichsweise niedrige Anzahl an weiblichen Parlamentarierinnen. Zwar kandidieren immer noch jeweils deutlich mehr Männer als Frauen für politische Ämter, doch da der Frauenanteil unter den Stimmberechtigten wohl ziemlich genau fünfzig Prozent beträgt, kann das keine Ausrede für den niedrigen Frauenanteil in unserem Parlament sein.

 

Auch in den Kantonsparlamenten sieht es nicht viel besser aus. So beträgt der Frauenanteil im Zürcher Kantonsrat etwa zweiunddreissig Prozent. Im konservativen Wallis, wo erst vor Kurzem kantonale Wahlen stattfanden gar nur sechzehn Prozent. Ein Rückgang im Vergleich zu den vor vier Jahren stattfindenden Wahlen von acht Prozent.

 

Die Frauenquote der Gewerkschaft Unia

Viel weiter geht die Gewerkschaft Unia. Seit der Delegiertenversammlung vom 2. März gilt dort nämlich, dass fünfzig Prozent aller Neuanstellungen bei den GewerkschaftssekretärInnen des politischen Apparates Frauen sein müssen. Zudem arbeitet man auf das Ziel zu, im Kader des politischen Apparates bis 2016 einen Frauenanteil von fünfzig Prozent zu haben. Corinne Schärer, Mitglied der Geschäftsleitung, begründet diese für manche doch eher radikal anmutende Frauenquote mit der Mitgliederentwicklung. So sei es vor allem der tertiäre Sektor, welcher ein grosses Mitgliederwachstum vorweise, ein Sektor, in welchem gerade Frauen sehr häufig tätig sind.

 

Oft geäusserte Bedenken, dass bei einer festen Frauenquote das Geschlecht in den Vordergrund und dadurch die Qualifikation in den Hintergrund geraten könnte, teilt Corinne Schärer nicht. Entscheidend für eine Einstellung sei immer noch die Qualität der Bewerber an und für sich. Nur bei gleich guten Qualifikationen erhielten Frauen den Vorzug.

 

Ein wirksames Mittel für Gleichstellung?

Ob und wie sich Frauenquoten in der Zukunft als taugliches Mittel für mehr Gleichstellung in den Führungsgremien erweisen werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Tatsache, dass solch verbindlichen Massnahmen überhaupt notwendig sind, zeigt jedoch auf, dass es anscheinend an dem Willen fehlt, selber aktiv zu werden. Das hat auch die Gewerkschaft Unia gemerkt. Dort prüft man regelmässig den Stand der Gleichstellung und wie sich herausstellte waren Verbesserungen notwendig. Man habe jedoch die Hoffnung, in Zukunft eine Vorreiterrolle in Sachen Gleichstellungspolitik zu erreichen.

 

Es lohnt sich, noch einmal einen Blick auf das norwegische Modell zu werfen. Denn dieses bezieht sich in Sachen Gleichstellung nicht explizit auf Frauen. Vielmehr schreibt es den Unternehmen vor, dass beide Geschlechter im höchsten Entscheidungsgremium mit mindestens vierzig Prozent vertreten sein müssen. Das Modell garantiert dadurch nicht nur einen Minimalanteil an Frauen sondern auch einer an Männern und könnte dadurch auch beim männlichen Geschlecht auf eine grössere Akzeptanz stossen.