Kultur | 13.04.2013

Mit Innovation zur Integration

Text von Joanna Skwarek | Bilder von zvg
Die Zusammenarbeit der Schweizer Jugendfilmtage mit Blindspot macht es möglich, auf Bedürfnisse der Menschen mit Behinderungen einzugehen. Durch Audiodeskription und erweiterte Untertitel können auch sie am Festival teilhaben.
"Traumfrau" von Oliver Schwarz ist einer der Filme, die an den Schweizer Jugendfilmtagen mit Audiodeskription ausgestattet werden.
Bild: zvg

“Das Unmögliche möglich machen” ist das Ziel des Verbandes Blindspot. Er setzt es zurzeit im Rahmen der Jugendfilmtage in Zürich um. Der Verband engagiert sich für Menschen mit und ohne Behinderung. Dank einer Kooperation zwischen Blindspot und den Jugendfilmtagen in Zürich werden unter anderem Filme gezeigt, die auch für Seh- und Hörbehinderte zugänglich sind.

 

Wie ein Hörspiel klingen

Um dies zu ermöglichen, werden die verschiedenen Kurzfilme auf der Ton- und Bildebene verändert. Wer nicht sehen kann, wird hören, aber nicht nur was andere hören, sondern viel mehr. Die Menschen, die nicht hören können, werden mehr sehen. Mit akustischer Bildbeschreibung bekommen die Bilder eine eigene hörbare Sprache, das sowieso Hörbare wird durch gesprochenen Text ergänzt. Alles sollte wie ein Hörspiel klingen und dank der genauen, akustischen Bildbeschreibung kann die Handlung gut wahrgenommen werden. Für Hörbehinderte werden spezielle erweiterte Untertitel eingeblendet. Sie machen Töne und gesprochene Dialoge sichtbar.

 

Schon die jüngsten Filmemacher würden durch diese Machart herausgefordert, erläutert Anja Reichenbach. Gemäss der Blindspot-Mitarbeiterin werden so bereits junge Regisseure während der Herstellung ihrer ersten Filme für die Anliegen der Behinderten sensibilisiert.

 

Grenzen durchbrechen

Das gemeinsame Ziel von Blindspot und der Festivalleitung ist es, einerseits den Zugang zu ermöglichen, andererseits die Sensibilisierung der jungen Filmschaffenden zu fördern. “Aus diesem Grund sollen ab 2014 Studierende im Rahmen ihrer Ausbildung die technischen und stilistischen Verfahren von Audiodeskription und erweiterten Untertiteln erlernen können”, schreiben die Initianten des Projektes. Die Integration soll also auch über das Festival hinausgehen.

 

Die Filme der Kategorie E (Studierende bis 30 Jahre) werden in diesem Jahr erstmals mit Untertiteln für Hörgeschädigte und Audiodeskription versehen. Der Schritt, die Filme für Gehörlose zu transkribieren und für Sehbehinderte audiovisuell zu veranschaulichen ist zwar mit zusätzlichen Kosten verbunden, hat jedoch den natürlichen Wert, die Grenzen der Behinderung zu durchbrechen und für junge Menschen die Welt des Filmes attraktiv zu machen. Die Audiodeskription wird zudem von professioneller Seite unterstützt.

 

Filme wie “Beerdigung eines Friedhofs” von Oliver Schwarz, der Gewinner des im letzten Jahr vergebenen Blindspot-Preises zeigen, dass gerade solche Produktionen eine Chance haben, am Festival ausgezeichnet zu werden.

 

Barrierefreiheit möglich

In diesem Jahr ist mit “Traumfrau” erneut ein Werk von Schwarz im Programm. Der Film, der bereits als bester Kurzfilm in Bern ausgezeichnet wurde, zeigt eine wahre Geschichte eines Protagonisten, der sich in eine Puppe verliebt. “Dirk küsst zärtlich seine Traumfrau wach, nimmt ein gemeinsames Bad mit ihr, fährt sie im Rollstuhl durch die Wohnung”, schreibt der Regisseur im Statement zum Film. Der Dokumentarfilm über spezielle Liebe und die Frage nach der Realität soll mit einer audiodeskriptiven Version einen besonderen Eindruck schaffen und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

 

Ein anderer Film “Parachutes” fällt durch die Besonderheit der Bilder und Farben auf: Die Komposition der Bilder wirkt wie ein Kunstwerk, fast schon surreal. Nun kommt hinzu, dass die sehr scharfen blauen und weissen Farben durch die Ästhetik der Worte ergänzt werden. Wer sich darauf einlassen will, reserviert sich den Samstagabend.

 

Mit dem Einsatz für Barrierefreiheit setzen sich die Veranstalter für eine nachhaltige Integration der Menschen mit Behinderung ein. Und die Schweizer Jugendfilmtage zeigen damit, dass die Teilhabe am jugendlichen Filmschaffen für Menschen mit Behinderung gar nicht unmöglich ist.