Kultur | 11.04.2013

Medizin für einen Scheinkranken

Text von Amadis Brugnoni | Bilder von Amadis Brugnoni
Schon zum zweiten Mal steht die englische Theatergruppe The Gay Beggars in dieser Saison auf der Bühne. Diesmal aber mit einem Stück aus Frankreich: Mit "The Hypochondriac" von Molière zeigen The Gay Beggars eine witzige Komödie, dessen Thematik nach über 300 Jahren immer noch aktuell ist.
"Ich bin nicht hier, um nur über deine Leiden zu sprechen, Argan!" "Aber Vater, darf ich nicht heiraten wen ich will?"
Bild: Amadis Brugnoni

Kein Jahr ist es her, als die Initiative für eine öffentliche Krankenkasse zustande kam. Ein Teil der Schweizer Bevölkerung hat es nämlich satt, für die steigenden Gesundheitskosten aufzukommen und Ärzten sowie Pharmaunternehmen das Geld hinterher zu werfen. Beim französischen Schriftsteller Molière erfahren wir, dass es im 17. Jahrhundert keinesfalls anders war. In “Le Malade Imaginaire”, wie das Stück auf Französisch heisst, lernen wir einen Herren namens Argan kennen, der sich ununterbrochen krank fühlt und deshalb auch ununterbrochen um ärztlichen Rat fragt. Die komplette Arztrechnung möchte er aber nicht bezahlen.

 

Alle gegen den Patriarchen

Argan entwickelt sogar eine Strategie, damit er für seinen Doktor gar keinen Rappen mehr ausgeben muss: er lässt seine Tochter Angélique einen Arzt heiraten. Diese macht ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Ein paar Tage bevor Argan seinen Plan durchführt, lernt sie nämlich einen anderen jungen Mann kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Glücklicherweise kommen der jungen Angélique ihre Tante Béraldine und das Dienstmädchen Toinette zur Hilfe, die mit allen Mitteln versuchen Argan von seiner Doktoritis zu retten und ihn damit von den Heiratsplänen für seine Tochter abzubringen.

 

Die Besetzung stimmt

Die Regisseure Roman Bischof und Xander Deubelbeiss inszenieren die Geschichte von Argan und seinen Leiden mit einem stark reduzierten Bühnenbild. Um so mehr kommen so die einzelnen Charaktere zur Geltung, die von Molière ganz nach den Stereotypen aus seiner Zeit gezeichnet wurden. Zudem gelingt es den beiden Regisseuren, die Rollen äusserst passend zu besetzen und die persönlichen Nuancen der Schauspieler in das Stück einzubetten.

 

Lang aber lustig

The Gay Beggars zeigen mit “The Hypochondriac” eine Komödie, die auch ohne übertriebene Comedy- oder Slapstick-Einlagen lustig ist. Mit über zwei Stunden ist das Stück etwas länger, als man es sich gewohnt ist. Jedoch verzeiht man die manchmal etwas lang geratenen Szenen gerne und geniesst die gut dargestellten Dialoge der Protagonisten.

 

Molière löst am Ende des Stückes Argans Probleme ganz simpel: er lässt ihn selbst Arzt werden, sodass er sich selbst verarzten und versorgen kann. Dass wir unsere steigenden Krankenkassenprämien auf dieselbe Art und Weise lösen können, ist aber eher unwahrscheinlich. “The Hypochondriac” ist jedoch auch für jemand mit hohen Krankenkassenprämien auf jeden Fall sehenswert und garantiert einen unterhaltsamen Abend.

 

 

Vorstellungen


9./11./13./15./17./19./20. April 2013, jeweils 20:00 Uhr im Theaterkeller des Englischen Seminars, Nadelberg 6, 4051 Basel

 

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