Kultur | 16.04.2013

Kleinkunst, kleine Kunst und grosse Kunst

Text von Kaspar Rechsteiner | Bilder von Katharina Good
Kaspar Rechsteiner ist Redaktionsleiter Solothurn beim Jugendmagazin Tink.ch und arbeitet in seiner Heimat im Stadttheater. Er ist unser Chronist an der 54. Schweizer Künstlerbörse.
Kaspar Rechsteiner war bisher noch nie an der Künstlerbörse, will aber wiederkommen.
Bild: Katharina Good

Während die “Verkaterten Sängerknaben” über ihre Liebe zu Katzen singen und das Publikum Sonne, Wein und Gesellschaft geniesst, kommt eine kleine Runde im Wagen eins vom Circus Monti zusammen. Vier VertreterInnen der ktv, zwei Veranstalter, ein Künstler, ein Chronist. Was ist Kleinkunst? Das “Klein” hat nur noch historische Bedeutung, füllen diese kleinen Künstler doch die grössten Säle.

 

Der Begriffsursprung hat kaum noch mit der Szene heute zu tun. In den 60er-Jahren entstanden neue Kunstformen, fernab von Stadttheatern und Politlobby, ausserhalb bisher bestehenden Schemen und Fördergeldern. Sie wuchsen rasend und drängten in jeden (kleinen) Raum, der bereit war, sie aufzunehmen. Es entstanden neue Genres, Kleinbühnen und Publika. Auch die Kaserne Basel entstand in dieser Bewegung. Auf der anderen Seite ist klein ein einsilbiges Wort mit einer ganz klaren Bedeutung und darum definieren sich die meisten “Kleinkünstler” als Kabarettisten, Bühnenartisten, Slam-Poeten, Satirikerinnen, komische Musiker, Spoken-Word-Künstlerinnen, …

 

Und da kommt das Problem: Was wäre denn ein richtiger Name für eine so facettenreiche Szene? Und was gehört überhaupt alles dazu? Insgesamt sechs mal wurde in Deutsch, Französisch und Italienisch über diese Fragen diskutiert. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, wenn auch wir Deutschsprachigen in einem Punkt hinterher sind: Das Problem mit dem Namen haben nur wir. Im Tessin und der Romandie nennt man die gleiche Szene Bühnenkunst (Arts de la Scène respektive Arte della Scena). Das fragt natürlich nach der Abgrenzung von Stadt- und Staatstheatern.

 

Im Wagen eins werden so manche Ansätze und Gedanken ausgetauscht, obwohl Moderatorin und ktv-Präsidentin Esther Roth sehr auf Antworten aus ist und ohne Andreas Thiel das Gespräch trocken bleiben würde. Die fleissigen Twitterfrauen der ktv fassten die sechs Treffen dann doch gut zusammen: “Kunst ist per se niemals klein. Kleinkunst ist Bühnenkunst in intimem Rahmen, die sich oft nicht in eine Schublade stecken lässt.” Ich verabschiede mich hiermit in Richtung Schadausaal, denn ich will wissen, was Pferdekopfgeigen sind und was Kehlkopfgesang mit Bulgarien zu tun hat.