Kultur | 08.04.2013

Im Kampf für Homosexualität

Text von Linda Bergauer | Bilder von zvg
«Wir schämen uns zutiefst für die Sünden unserer Nation. Uganda sagt Nein zur Homosexualität!", dröhnen die Worte eines ugandischen Politikers aus dem lokalen Radio. Wer sich dennoch dazu bekennt, ein "Kuchu" (ein Homosexueller in der Landessprache) zu sein, hat fortan ein Leben unter Repression zu führen und mit Sanktionen zu rechnen, welche im Extremfall bis zur Todesstrafe reichen.
Aktivist in Uganda zu sein, ist gefährlich. David Kato bezahlt mit seinem Leben, dass er sich für ein Menschenrecht einsetzt.
Bild: zvg

Der Dokumentarfilm “Call me Kuchu” dokumentiert die gravierende Situation der homosexuellen Bevölkerung Ugandas und den Kampf seitens des Aktivisten David Kato und seiner gleichgesinnten Freunde gegen die Diskriminierung der gleichgeschlechtlichen Liebe.

 

Ist Homosexualität ein Menschenrecht? Ugandas Regierung negiert. Sich einer gleichgeschlechtlichen Person in sexueller Hinsicht zugeneigt zu fühlen, wird als Laster gewertet und in dem ostafrikanischen Land mehr als ungern gesehen. David Kato, der erste bekannte Schwulenaktivist des Landes, setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte und gegen die Marginalisierung Homosexueller in der Gesellschaft ein. Zusammen mit seinen Freunden veranstaltet er geheime Treffen zur gegenseitigen Unterstützung und wehrt sich gegen die institutionalisierte Homophobie in seinem Land.

 

Als die Regierung im Jahre 2009, inspiriert durch die feurigen Reden fundamentalistischer Prediger aus den USA, welche in Uganda den idealen Nährboden eines radikalen Christentums sehen, ein neues Gesetz zu Homosexualität lanciert, steht David Kato vor einer grossen Herausforderung. Das neue Gesetz sieht die Todesstrafe für HIV-positive, homosexuelle Männer sowie drei Jahre Haft vor für all jene, welche einen Homosexuellen oder eine Homosexuelle in ihrem Bekanntenkreis haben und nicht unverzüglich melden.

 

Des Terrors bezichtigt

Als wären die Worte der amerikanischen Prediger, welche bei der religiösen Bevölkerung auf grossen Anklang stossen, nicht schon Hürde genug, schüren die Medien den Hass und die Angst gegenüber Homosexuellen. Während die diskriminierende Satzung auf die Abstimmung seitens des Parlaments wartet, veröffentlichen lokale Zeitungen Bilder zahlreicher “Kuchus”, bezeichnen diese als Vergewaltiger und bezichtigen sie, bei den Terroranschlägen in der Hauptstadt Kampala involviert gewesen zu sein. David Kato und seine Freunde wehren sich gegen diese haltlosen Vorwürfe und ziehen die Zeitungen vor Gericht. Gleichzeitig bemühen sie sich um internationale Unterstützung bei den Vereinten Nationen gegen die Einführung des menschenrechtsverletzenden Gesetzes.

 

Drei Wochen nachdem David Kato vor dem Gericht einen vorläufigen Sieg erzielt, wird er in seinem Haus brutal ermordet. Seine Freunde setzen sich trotz der Trauer weiterhin für ein Leben ohne Angst und mehr Toleranz seitens des Rests der Bevölkerung ein. Eine junge Frau stellt zu Ende des Filmes fest: “A luta continua!« (der Kampf geht weiter).

 

Ein Recht auf Anders-Sein

Katherine Fairfax Wright und Malika Zouhali-Worrall, die beiden Regisseurinnen, zeigen in ihrer Dokumentation den unerschütterlichen Mut und die unglaubliche Energie David Katos für eine menschenwürdige Behandlung Homosexueller einzutreten.

 

Die Bilder vermitteln durch die Aufnahmen vor Ort ein authentisches Bild der Situation in Uganda. Auch die wackelige Kameraführung unterstreicht die unsichere Lage. Dieser Film erschüttert und hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Vorurteilen seitens der Regierung Ugandas und der religiösen Fundamentalisten aus den USA. Nichtsdestotrotz vermittelt er auch einen Funken Zuversicht. David Katos Hingabe und Mut inspirieren und hinterlassen einen Silberstreifen der Hoffnung am Horizont, auf dass die Welt eines Tages eine menschliche für alle sein wird.