Sport | 22.04.2013

Gold in der Sonne

Sportissimon von Simon Scheidegger kommentiert die wöchentlichen Sportereignisse aus einer erfrischenden Perspektive. Kritisch, aber nicht immer ganz ernst zu nehmen.
Der sportliche Überblick der Woche: Sportissimo von Simon Scheidegger.
Bild: Archiv Tink.ch/Michelle Stirnimann

An der am Sonntag zu Ende gegangenen Kunstturn-EM in Moskau waren die Schweizer Turnerinnen und Turner so erfolgreich wie schon lange nicht mehr. Die erst 19-jährige Giulia Steingruber setzte mit ihrer Goldmedaille im Sprung den Glanzpunkt, und vier Jahre nach Ariella Käslins Titelgewinn in Mailand gehört eine Schweizerin wieder zur europäischen Kunstturn-Elite. Der Erfolg der Schweizer Athletinnen und Athleten kommt überraschend, ist aber umso erfreulicher. Und wer einen Blick auf die Geburtsscheine, insbesondere der Athletinnen, wirft und feststellt, dass Steingruber mit ihren zarten 19 Jahren schon beinahe zu den Routiniers gehört, kann sich berechtigte Hoffnungen machen, dass sie noch einige Zeit an der Spitze mitturnen wird.

 

Das zum Teil sehr jugendliche Alter der Athletinnen ist zwar nichts Neues, es ist jedoch immer wieder erstaunlich, bemerkenswert, manch einer wird auch sagen, bedenklich, dass sich Turnerinnen im Alter von 16 Jahren oder gar noch jünger auf derart hohem Niveau im Wettkampf gegenüberstehen. Mit Steingruber auf dem Podest waren eine 16-jährige Holländerin und eine 17-jährige Rumänin.

 

Eine andere sportliche Grossveranstaltung, bei der ein Erfolg der Schweizer noch viel überraschender käme als bei den Kunstturnern, aber genauso erfreulich wäre, ist – ja, was spielt man denn, wenn nach einem langen Winter die Temperaturen steigen und schon fast sommerliche Höhen erreichen? Fussball? Beachvolleyball? Hornussen? Platzgen? Nein, weit gefehlt – die Eishockey-WM, die Anfang Mai in Stockholm und Helsinki stattfindet. Die Vorbereitungsspiele, die die Equipe von Sean Simpson bisher ausgetragen hat, konnten bis auf zwei Ausnahmen alle gewonnen werden. Dennoch wäre ein Medaillengewinn ein vermessenes Ziel: Das letzte Edelmetall datiert nämlich aus dem Jahr 1953 als die Schweizer an der Heim-WM Bronze gewannen. Für dieses Jahr gilt es vielmehr, die Enttäuschung aus dem letzten Jahr vergessen zu machen. Denn der damalige 11. Platz war das schlechteste Resultat seit 1995, als die Schweizer 12. wurden und abstiegen.

 

Vielleicht lassen sich die Hockeyaner ja von den Kunstturnern inspirieren und setzen zu unerwartet hohen, goldenen Sprüngen an. Denn Gold ist Gold, auch bei 25°C im Schatten.