Gesellschaft | 25.04.2013

Geteilte Mobilität ist doppelte Mobilität

Text von Manuela Paganini | Bilder von Manuela Paganini
Internetplattformen wie mitfahrgelegenheiten.ch oder fahrgemeinschaft.de bieten Autofahrerenden die Möglichkeit, andere Reisende mitzunehmen und so Spritkosten und Reisezeit zu teilen. Damit können Mitfahrer günstig und umweltfreundlicher durch ganz Europa reisen. Bestehende Ressourcen besser zu nutzen ist ein Konzept der Zukunft.
Mit einer Fahrgemeinschaft steht einem ganz Europa offen. Die Leute die mit denen man das Auto teilt sind Grund genug, reisen zu gehen. Je voller die Autos, desto leerer die Strassen.
Bild: Manuela Paganini

In Europa werden durchschnittlich nur 1.2 von fünf möglichen Autositzen belegt, sagt Thomas Rosenthal, von mitfahrgelegenheit.ch. Ein Auto zu teilen ist günstiger und umweltfreundlicher und mit Gesellschaft ist die Reise auch viel unterhaltsamer.

 

Organisierter Autostopp

Die Internetplattform mitfahrgelegenheit.de gibt es seit 2001 und mittlerweile hat sie, in Verbindung mit dem Mutterkonzern Carpooling, vier Millionen Mitglieder und 750’000 Fahrten im Angebot. Das Prinzip, sich ein Auto zu teilen ist aber schon viel älter: In den 1970er Jahren vermittelten Büros vor Ort Fahrer und Mitfahrer. Heute geht das viel einfacher: Als Mitfahrerin oder Mitfahrer lassen sich mittels Strecke und Datum passende Fahrten finden worauf die Fahrer direkt kontaktiert werden können. Per Mail oder Telefon wird Zeitpunkt und Treffpunkt ausgemacht. Die Preise sind sehr tief: eine Reise von Zürich nach Köln kostet zwischen 40 und 50 Franken. Ein Grossteil der Fahrten sind schon Wochen vorher ausgeschrieben, aber es gibt immer wieder welche, die erst zwei Tage vor Reiseantritt aufgeschaltet werden.

 

«Auf Fahrten von der Schweiz nach Deutschland bin ich regelmässig mit dabei« sagt Laura Kuttnig, eine Schweizer Studentin. Innerhalb der Schweiz sind die Verbindungen zwischen Städten ziemlich gut, aber ganz besonders lohnend sind Fahrten von der Schweiz ins Ausland. Allen voran nach Deutschland, wo der Dienst am meisten genutzt wird und das Angebot am grössten ist. Gerade bei regelmässigen Fahrten ist es attraktiv günstig mit Begleitung zusammen zu reisen.

 

Fluch und Segen Flexibilität

Ein Punkt den es zu bedenken gibt, ist die Zeit, die das Organisieren im Vorfeld in Anspruch nimmt. Die Spontaneität, mit der sich Reisen buchen und umbuchen lassen, kann auch zum Verhängnis werden: Es kann durchaus passieren, dass Fahrer kurzfristig absagen.

 

Mitfahrgelegenheit.de hat deshalb seit Ende März ein Buchungssystem eingeführt, das Fahrten verbindlicher machen soll, indem man schon vor der Fahrt bezahlt, das Geld dem Fahrer aber erst nach ihrem Abschluss überwiesen wird. Eine vielversprechende Idee, würde das Portal nicht elf Prozent Gebühren für jede so vermittelte Fahrt verlangen. Diese Regelung gilt jedoch erst für Deutschland. Mit fahrgemeinschaft.de gibt es denn auch eine gleichwertige, kostenlose Alternative, auf deren Gestaltung die Nutzer selbst Einfluss nehmen können.

 

14 Stunden im Auto mit einem Fremden

Mitfahren ist eine fantastische Art und Weise Leute kennen zu lernen. Es ist leicht, sich bereits im Vorfeld der Reise per Telefon ein ungefähres Bild von seiner Fahrerin oder seinem Fahrer zu machen und abzuschätzen, ob man es Stunden mit ihr oder ihm auf engstem Raum aushält. Unter anderem, weiss die Autorin zu berichten, bietet es ideale Chancen, mit französischsprachigen Schweizer Studenten das englische Schulsystem zu analysieren, Hochzeitsfotos von türkischen Freiheitskämpfers an zu schauen und Gemüse-Shakes von afghanisch-deutschen Start-Up-Unternehmers zu probieren. Das allein ist schon eine Reise wert.

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