Kultur | 20.04.2013

Ein Rezept gibt es nicht

Text von Fabienne Gsponer | Bilder von zvg
Neben ihrem Konzert am Zermatt Unplugged hatte Stefanie Heinzmann Zeit für ein Gespräch über die Entstehung ihrer Lieder, ihre Erfahrung mit "The Voice of Switzerland" und das Leben als hauptberufliche Künstlerin.
"Am Anfang war ich skeptisch", erklärt Stefanie Heinzmann auf "The Voice of Switzerland" angesprochen.
Bild: zvg

Tink.ch: Stephanie, wie entstehen deine Lieder? Bringst du deine eigenen Erfahrungen mit hinein?

Stephanie Heinzmann: Ich muss sagen, das hat bei mir relativ speziell angefangen. Aufgrund der Casting-Show (Casting-Wettbewerb im Rahmen der Fernsehsendung TV Total, Anm. d. Red.) musste damals alles sehr schnell gehen. Für das erste Album habe ich nichts selber geschrieben. Das war einerseits sehr unbefriedigend, aber andererseits waren wir nur froh, als endlich das Album fertig war. Mittlerweile arbeite ich sehr viel mit anderen Leuten zusammen. Ich bin nicht der Typ, der stundenlang alleine rumexperimentiert, ich bin eher eine Teamplayerin. Darum ist es meistens so, dass ich mich entweder mit der Band treffe oder mit Songwritern zusammenarbeite. Es gibt hier eigentlich kein richtiges Rezept. Manchmal schreibst du zuerst den Text, ein andermal zuerst die Musik oder du arbeitest mit mehreren Leuten zusammen. Das macht es auch spannend.

 

Wäre es dir aber nicht auch wichtig, mehr von dir selber einzubringen, so dass die Texte von dir selber stammen?

Es geht, ich habe da keinen Stress. Ich möchte immer mehr selber machen. Aber ich arbeite gerne im Team. Ich liebe es, Sachen durch Zusammenarbeit entstehen zu lassen. Ich habe viel über die Tatsache nachgedacht, dass die Leute von mir erwarten, dass ich alles selber mache. Aber so bin ich nicht. Ich habe immer alles mit anderen zusammen gemacht. Das macht mir einfach am meisten Spass. Ich glaube, das ist schlussendlich das Wichtigste. Weil die Ideen, der Anstoss, das Thema kommt trotzdem von mir und dann braucht man vielleicht manchmal nur eine Art Inspiration von aussen, die das Ganze dann beflügelt.

 

Wo holst du dir die Inspiration für deine Musik?

Ich glaube, generell bietet das Leben haufenweise Inspirationen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn du einen wunderschönen Tag hast und alles ausgezeichnet läuft. Plötzlich siehst du etwas und bist inspiriert davon. Oder du hast einen total schlechten Tag und denkst dir: Es ist so beschissen. So etwas inspiriert dich dann auch.

 

Wie siehst du dich selber, eher als Pop- oder als Soulsängerin?

Ich kann das ehrlich gesagt nicht genau bestimmen. Ich würde sagen, ich bin im Pop-Business. Das kann man schlecht verleugnen. Aber musikalisch sind wir sehr breit gefächert. Wir haben sehr viele soulige Sachen, wir haben teilweise rockige Elemente, wir haben eine Reggae-Nummer. Und wir haben mittlerweile auch Dubstep. Das ist auch das, was mir am meisten Spass macht: Alles ausprobieren und mich dann zu finden.

 

Wie ist es denn für dich, hauptberuflich Künstlerin zu sein und aus dem Wallis zu kommen, wo es für Künstler nicht immer einfach ist?

Ich glaube, ich habe da schon wahnsinnig viel Glück gehabt mit allem. Ich bin aus dem Wallis und ich habe auch hier angefangen. Aber wenn man im Wallis lebt und nur im Wallis Musik machen möchte, kann man davon nicht leben. Darum bin ich natürlich glücklich, dass ich den deutschen Markt brauchen darf. So spiele ich viel in Deutschland und in der ganzen Schweiz. Dann hat man auch die Chance, davon zu leben, weil man einfach viel mehr Möglichkeiten zum Spielen hat. Es ist schon in der Schweiz schwer, von der Musik zu leben. Du bist eigentlich immer auch auf andere Länder angewiesen und Deutschland ist natürlich riesengross und hat einen grossen Musikmarkt.

 

Du warst einer der vier Coaches bei der Fernsehsendung “The Voice of Switzerland”. Was für eine Erfahrung hast du da rückblickend gemacht?

Am Anfang war ich skeptisch, weil niemand wusste, wie das genau wird. Das war für uns alle neu. Ich bin auch noch sehr jung, für so eine Coach-Rolle. Das hat mich schon zum Zweifeln gebracht. Ich wollte nicht hingehen, um den Experten zu spielen. Dann habe ich mir überlegt, es geht natürlich nur um eine Meinung. Das ist auch das Schöne daran, Musik bleibt Geschmacksache. Ich muss ehrlich sagen, ich bin ein Mensch, dem Entscheidungen sehr schwer fallen. Am Anfang war es nicht einfach, überhaupt seiner Meinung auch vertrauen zu können. Man ist völlig auf sich selber gestellt. Und da bin ich manchmal sehr unsicher und mache mich kleiner, als ich bin. Ich musste mir selber auch sagen: “Nimm es jetzt einfach entspannt, du kannst deine Meinung sagen ohne dass du dich dafür rechtfertigen musst.” Ich empfand es grundsätzlich als ein sehr schönes Gefühl, dass man den Teilnehmern dann mit seiner Erfahrung helfen kann.

 

Was empfindest du in Bezug auf die Öffentlichkeit? Denkst du manchmal, dass du etwas machst, was nicht dir selber entspricht oder regst du dich auf, dass du Dinge machst, bei denen du dir nicht mehr treu bist?

Es ist lustig, es geht bei mir eher in die andere Richtung. Ich kann mich nicht kontrollieren. Ich kann nicht, wenn ich etwas mache, etwas darstellen. Da denke ich im Nachhinein jeweils: “Mein Gott, kannst du dich nicht für einmal zusammenreissen, bitte…” Das habe ich mir vorgenommen, unter anderem bei Kleinigkeiten. Ich habe mir zum Beispiel vorgenommen, nicht zu weinen – wirklich – weil ich das so doof finde. Aber dann musste ich trotzdem weinen.

 

Was hast du für die Zukunft noch für Pläne?

Ich bin sehr offen. Ich liebe es, Sachen auszuprobieren und ich weiss jetzt nicht, was noch alles kommen wird. Was ich definitiv gerne noch machen möchte, ist ein Live-Album. Und natürlich möchte ich auch gerne noch mit weiteren Künstlern zusammenarbeiten, da ich das sehr gerne mache. Das ist immer etwas, was sehr viel Spass macht und neue interessante Sachen hervorbringt.

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