Sport | 27.04.2013

Bergdörfer zelebrieren Spitzenfussball

Text von Samuel Tscherrig | Bilder von zvg
Dienstag um fünf Uhr abends am Bahnhof Fribourg. Ein Student steht mit Sportgepäck in der Meute der Pendler. Sein Ziel? Gamsen. Gamsen ist ein kleines Dorf mit etwa 550 Einwohnern in der Nähe von Brig. Doch wieso nimmt er wie viele weitere Auswärtige insgesamt drei Stunden Zugfahrt auf sich, um in Gamsen Sport zu treiben? Hat Gamsen vielleicht ein Challenge-League-Team, ein Erst-Liga-Volleyballteam oder gar ein bekanntes Unihockeyteam?
Das Grün des SV-Gamsen gleicht dank dem Einsatz des Abwarts eher einem Golf-Platz.
Bild: zvg

Weit gefehlt: Der Sportverein Gamsen ist ein Verein der Bergdorfmeisterschaft (BDM). Bergdorfmeisterschaft? Richtig gelesen, das gibt es wirklich. Tink.ch begleitet in der kommenden Saison die Fussballmannschaft von Gamsen, um zu verstehen, was die Bergdorfmeisterschaft ausmacht. Ist es das hoch stehende fussballerische Niveau? Der Reiz in vielen kleinen Dörfern im Wallis Fussball zu spielen? Das Fussballspielen an sich? Vielleicht der gewaltige Zuschaueraufmarsch? Oder doch eher die Bratwurst mit einem kühlen Bier nach dem Spiel?

 

Von Fettpolstern und Laufschuhen

Schon vor einigen Monaten bereiteten sich die Spieler des SV-Gamsen auf die kommende BDM-Saison vor. Nach der langen Winterpause geht es wieder los, obwohl manch einer dank seines „Winterschlafes“ plötzlich etwas Fett angesetzt hat.

 

Doch um in der Saison brillieren zu können, braucht man nicht nur eine gute Technik, sondern vor allem auch eine gute Kondition, um die 80 Minuten eines Spiels überstehen zu können. Das Rezept für eine gute Kondition: Laufschuhe schnüren und laufen. Elmi, der erfahrene Trainer, versuchte die jungen Fussballer zu Höchstleistungen zu motivieren. Zeitweise wurden so pro Training 13 Kilometer zurückgelegt. Manche waren schneller als andere, aber angekommen sind am Schluss alle.

 

Erste Trainingsspiele

Im Frühling ist es endlich soweit: Die Laufschuhe werden in den hintersten Winkel des Kellers verbannt und die Fussballschuhe werden nach der langen Pause auf Hochglanz poliert. Nach fast einem halben Jahr fand das erste Training auf Rasen statt. Ein Hochgefühl machte sich in den etwas schmäler gewordenen Bäuchen der Spieler breit, als man wieder den ersten Ball kicken konnte. Und schon bald stand das erste Trainingsspiel an: SV Gamsen gegen Inter Wiler.

 

Fussballprofis würden den Platz und die Tore in einem BDM-Spiel zwar als klein bezeichnen, allerdings sind die sieben Feldspieler und der Torhüter den Profis in Sachen Kampfgeist mindestens ebenbürtig. Doch die ersten 80 Minuten verliefen dem SV-Gamsen nicht ganz nach Wunsch: Der letztjährige Aufsteiger Inter Wiler kanterte Gamsen gleich mit 2:8 nieder. Vielleicht auch  1:10. So richtig zählen mochte man als Gamsner nach einer Weile nicht mehr. Der Ligaunterschied war in diesem ersten Spiel deutlich zu spüren.

 

Die BDM ist in drei Ligen eingeteilt: Diese sind nicht etwa nach Stromkonzernen oder Grossbanken benannt. Nein, hier heissen die Ligen noch: A, B und C. Der SV Gamsen, letztjähriger Zweiter in der B-Liga, hatte gegen den Vertreter aus der A-Liga nicht den Hauch einer Chance. Lässt sich der SV Gamsen deshalb entmutigen? Sicher nicht, zumal man lange nicht mehr auf dem vom Platzwart Walti präparierten Rasen stand, der dank seinem grossen Einsatz eher dem Grün eines Golfplatzes als dem eines BDM-Vereins gleicht.

 

Beim letzten Trainingsspiel folgte dann prompt die Reaktion: Simplon-Dorf, ebenfalls ein Verein aus der A-Liga, wurde mit einer guten Leistung gleich mit 7:2  nach Hause geschickt. Und das ist auch gut so, denn dieses Wochenende geht es los: Der Cup-Wettbewerb beginnt!

 

 

Der SV Gamsen auf Tink.ch


Tink.ch wird euch über die BMD und den SV-Gamsen weiterhin auf dem Laufenden halten: Damit der ehrliche, gesunde Fussball die verdiente Aufmerksamkeit erhält.