Kultur | 26.04.2013

Alte Erzähler und junge Bolzen

Text von Kaspar Rechsteiner | Bilder von Katharina Good
Kaspar Rechsteiner ist Redaktionsleiter Solothurn beim Jugendmagazin Tink.ch und arbeitet in seiner Heimat im Stadttheater. Er ist unser Chronist an der 54. Schweizer Künstlerbörse.
Der Chronist Kaspar Rechsteiner wird sich an viele Künstler und Aufführungen erinnern.
Bild: Katharina Good

Die Künstlerbörse fühlt sich an wie ein Kurzfilmfestival. Zwanzig Minuten bleiben zwanzig Minuten, und es folgt Politsatire auf Kehlkopfgesang auf Tanztheater. Diese Fülle aus allem Möglichen ist kurzweiliger als ein abendfüllendes Soloprogramm. Ich kann es warm empfehlen, einmal hin zu fahren, auch wenn 110 Franken für einen Tag ein stolzer Preis sind.

 

Es ist Sonntag, vier Tage buntes Treiben gehen zu Ende. Die Künstlerbörse soll Angebot und Nachfrage gegenüberstellen, schafft aber mehr als das: Sie ist ein Szenetreffen, das jährlich im Kultur- und Kongresszentrum KKThun abgehalten wird. Die eigentliche “Börse” im Keller hält fast alle Künstler bis zum Schluss in Thun. Aber man trifft die Kunstschaffenden nicht nur dort – sie stellen auch einen guten Teil des Publikums, und die “Verkaterten Sängerknaben” (Les Petits Chanteurs à  la Gueule de Bois) traf man jeden Abend in der Late Night Bar. Das unterscheidet die Künstlerbörse von vielen Theatertreffen, an welche die Truppen hinfahren, spielen und – meist in der selben Nacht noch – in den Car nach Hause steigen.

 

Das Intensivste an der Künstlerbörse habe ich gleich zu Beginn erlebt: Die Begegnungen mit dem Geschichtenerzähler meiner Kindheit, Franz Hohler, und dem Circus Monti. Einige Jahre lang hatte ich nichts mehr von ihnen gehört oder gesehen. Nun konnte ich sie mit neuen Augen betrachten und hörte mehr als nur die kindertauglichen Geschichten. Obwohl es nicht mehr um Tschipo den Träumer ging, sass ich beinahe wieder mit meinem Kassettenrekorder im Kinderzimmer. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie stark mich diese Geschichten und Auftritte geprägt haben und heute noch unterbewusst präsent sind.

 

Ich fand Gefallen an manch anderen Künstlern, einige will ich im Auge behalten. Die Künstlerbörse hat sogar bei mir als Chronisten geschafft, wozu sie eigentlich da ist: Künstler an die Interessierten bringen, sei dies etwa ein Veranstalter oder eine Konsumentin.

 

Auf jeden Fall werde ich künftig aufhorchen, wenn ich Namen wie Köbernick, Semsrott oder Da Capo höre. Vor allem das “Frölein« hat mich verblüfft. Ich war kein Fan von ihr, als ich sie noch wöchentlich bei “Giacobbo Müller- sah. Ich irrte mich gern. Erstens, weil ihre zwanzig Minuten sehr unterhaltsam waren und zweitens, weil das Fernsehen halt doch nicht an die Bühne herankommt.