Zwischen Solidarität und Selbstsucht

“Das Verhältnis zum Geld blieb in der Reithalle-Gegenkultur widersprüchlich und uneinheitlich. Wurden die Waren und Dienstleistungen zuerst überhaupt gratis oder zum Selbstkostenpreis angeboten, behalf man sich danach beim Eintritt zu Veranstaltungen jahrelang schamhaft mit Kollekten”, heisst es im Buch “Reithalle Bern – Autonomie und Kultur im Zentrum”, das zum 10-jährigen Jubiläum 1998 des Kulturzentrums erschienenen ist.

 

Verkommerzialisiert(e) die Reitschule?

Besucht man heute, über 25 Jahre nach der erneuten Besetzung des Gebäudekomplexes die  Reitschule, ist von Selbstkostenpreis, Kollekte und Schamgefühl nicht mehr viel zu erkennen. Mit Ausnahme des Kinos und der ab und zu stattfindenden Soli- oder Gratis-Konzerte hat heute praktisch alles seinen fast marktüblichen Preis. Die Flasche Maisgold à  33cl kostet 5 Franken, der Dachstock-Eintritt je nach Auftritt um die 25 Franken, gelegentlich auch mal mehr.

 

Die antikommerzialistische Preispolitik der Reitschule liegt schon ein Weilchen zurück. So endet bereits der eingangs zitierte Abschnitt mit dem Satz: “Die meisten AG (Arbeitsgruppen, Anm. d. Red.) verkaufen ihre Dienstleistungen allerdings heute zu festgesetzten Preisen.”

Zugegeben, vergleicht man die Preise mit den Umliegenden Kulturlokalen, dürfen sich die Besucherinnen und Besucher der Reitschule nicht beklagen. Und doch drängt sich bei einer Auseinandersetzung mit der ökonomischen Geschichte der Reitschule die Frage auf: Verkommerzialisiert(e) die Reitschule?

 

Von der Soli-Kollekte zum Eintrittspreis

Zur Beantwortung dieser Frage sind zwei Entwicklungen in der Geschichte der Reitschule von zentraler Bedeutung. Einerseits fand eine Art “Normalisierungsprozess” statt. Die nach und nach und unter heftigen Diskussionen eingeführten Löhne wurden legalisiert, Gastgewerbebewilligung und Billetsteuer eingeführt und aus Gebrauchsleihverträgen mit der Satdt wurde der heutige Leistungsvertrag. Diese Veränderungen brachten finanzielle Auswirkungen mit sich: Abgaben an den Staat wie Steuern und AHV-Beiträge sowie die Vermehrung bezahlter Arbeit erhöhten die anfallenden Fixkosten für das Kulturzentrum.

 

Die zweite, für die Preispolitik der Reitschule wegweisende Entwicklung war der zunehmende Mangel an Solidarität. Konnte sich die Reitschule zunächst auf Kollektenbasis “freiwillig” finanzieren, wurden gegen Ende der 80er-Jahre aufgrund mangelnder Bereitschaft Kollekte zu bezahlen, schliesslich Eintrittspreise eingeführt, welche sich im Laufe der Zeit und ebenjener Normalisierung erhöhten.

 

Nebst den enstandenen Abgaben und weiteren Fixkosten wie zunehmende Band-Gagen, Instandhaltung der Infrastruktur, war und ist vor allem die interne Umverteilung wichtiger Verwendungszweck der Reitschul-Finanzen. Während die Gastrobetriebe Sous Le Pont und Rössli Geld an den Reitschule-Fonds abgeben können und das Konzertlokal Dachstock etwa selbsttragend ist, sind Arbeitsgruppen wie die Zeitung “Megafon” und der Infoladen auf Unterstützung angewiesen.

 

Von der Freiwilligkeit zum “Kommerz-Zwang”

Mit vermehrten Ausgaben und mangelnder Solidarität kam eine Art “Zwang zum Kommerz”, der sich mit der steigenden Popularität der Reitschule noch verschärfte. Zu sehr auf Konsum, zu sehr nach dem Schema “ich zahle, also bekomm’ ich” ausgerichtet, dürfte die Mentalität der unzähligen Reitschul-Besucherinnen und -Besucher sein, als dass ein klar antikommerzielles, auf Freiwilligkeit basierendes System noch funktionieren könnte. Oder in den Worten des langjährigen Reitschülers Tom Locher: “Ich, ich, ich und der Rest ist scheissegal. Ausgrenzung, keine Solidarität. Ein egozentrisches Gewinnerzielungsinteresse. Halt nicht unbedingt im finanziellen Sinne, sondern geistig, das eigene Selbstverständnis betreffend. Das ist wohl das grösste Problem in der Reitschule und für ihre Zukunft.»

Dame, König, Ass, Spion

Es ist Kalter Krieg. Beide Seiten versuchen, die jeweils andere unbemerkt zu unterwandern, es gibt Maulwürfe, Doppelagenten, Desinformation und Sabotage – ein Wettstreit der Geheimdienste.

 

Ein Verräter hat sich eingeschlichen in die höchsten Kreise des britischen Secret-Service. Er soll schon seit Jahren dort sein und wichtige Informationen an die Gegner liefern. Tinker, Tailor, Soldier, Poor Man und Beggar Man sind Codenamen, die der alte Geheimdienstchef seinen engsten Mitarbeitern zugewiesen hat. Einer dieser fünf muss der Verräter sein, der von Karla, dem Spionage-Ass des russischen Geheimdienstes, umgedreht wurde.

 

Die Situation ist so brisant, dass, um das Netz aus Intrigen, Machtspielchen und Verschwörungen zu durchdringen, ein Außenstehender dazugeholt werden muss. George Smiley (Gary Oldman), ein Meisterspion der alten Schule, soll den Maulwurf finden. Er war einst die rechte Hand des Geheimdienstchefs, und musste zusammen mit ihm nach einer missglückten Geheimoperation seinen Platz räumen. Das was Smiley als einen großartigen Spion auszeichnet, macht ihn aber gleichzeitig zu einer ungewöhnlichen Hauptfigur: Er ist still, zurückgenommen und hält sich meist unauffällig im Hintergrund.

 

Oldman in einer Paraderolle

Smiley ist eine faszinierende Figur, schweigsam und wachsam das Geschehen durch seine übergroße Brille beobachtend. Die Auswahl dieses Accessoires hat Gary Oldman lange beschäftigt – ein Hinweis darauf, wie sorgsam selbst die Details in Tinker Tailor Soldier Spy durchdacht sind. Trotz des durchwegs guten Schauspielensembles bleibt es Oldmans Film. Weniger talentierte Schauspieler hätten den Meisterspion zu einer langatmigen, trägen Figur verkommen lassen. Oldman entlockt der Figur, die ein ständiges Pokerface aufzusetzen scheint, dennoch die nuanciertesten Gefühlsregungen. Das um Jahre gealterte Gesicht Oldmans in Großaufnahme ist einer der interessantesten Momente des Films.

 

Romanvorlage vom echten Spion

Das geistige Kräftemessen zwischen Smiley und dem unsichtbar bleibendem Karla beginnt und sorgt für einen ebenso komplexen wie spannenden Film, der auf die Aufdeckung des Verräters hinarbeitet. Die Romanvorlage lieferte John Le Carré, ein britischer Autor von Spionage-Romanen wie “Der Schneider von Panama” oder “Der Spion, der aus der Kälte kam”. Die Besonderheit: Le Carré war selbst in den 50er und 60er-Jahren bei den britischen Geheimdiensten MI5 und MI6 tätig. Diese Tatsache ist mit ein Grund, warum der Film nicht die haarsträubenden Unglaublichkeiten von Super-Spionen wie Bourne oder Bond zeigt, sondern das tagtägliche Handwerk von Geheimdienstmitarbeitenden im “Circus”, wie der Secret Service intern genannt wird. Smiley und sein kleines Team verlassen sich auf altmodische Techniken: Abhören, Akten entwenden und Nachdenken. Mithilfe der Hinweise von Agenten aus aller Welt ziehen sie die Schlinge um den Maulwurf immer weiter zu. Dazu entführt uns der Film nach Budapest, Paris und Istanbul.

 

Jeder hat sein Geheimnis

Zusammengehalten werden die vielen, einzelnen Erzählstränge durch eine Weihnachtsfeier des “Circus”. Es ist ein raffinierter Kunstgriff, immer wieder im Filmverlauf auf diese Party zurückzublenden und damit die einzelnen Protagonisten zu charakterisieren: Das Alkoholproblem des einen, die Hinterhältigkeit des anderen.

 

Der Film ist eine Ensembleleistung. Bis in die Nebenrollen ist er mit einer Handvoll der derzeit besten britischen Schauspieler besetzt, deren Freude an ihrer Arbeit auch der Zuschauer spürt. Neben Gary Oldman spielen John Hurt (Dumbledore aus Harry Potter), Colin Firth (King George aus The Kings Speech) und Tom Hardy (Bane aus The Dark Knight). Herauszuheben ist auch die rechte Hand Smileys, gespielt vom Benedict Cumberbatch, der den meisten als Sherlock aus der gleichnamigen, hochgelobten BBC-Serie ein Begriff ist. Einziges Manko: Eine starke Frauenfigur sucht man in diesem Film vergeblich.

 

Nicht nur durch die schauspielerischen Leistungen weiß Tinker Tailor Soldier Spy zu glänzen. Der Film ist auch visuell ein Genuss. Lange, ruhige Einstellungen lassen den Zuschauenden Zeit, sich an dem authentischen 70er-Jahre-Dekor zu ergötzen. Die reduzierten Farben helfen zusätzlich, sich in den Zeitgeist dieser Jahre hineinzufinden. Für die stimmigen Bilder zuständig ist Hoyte van Hoytema, ein in der Schweiz geborener Kameramann. Sein Talent hat auch Christopher Nolan, Regisseur der Batman-Trilogie, erkannt und ihn für seinen nächsten Film verpflichtet.

 

Der anspruchsvolle Film

Bereits 1979 wurde die Buchvorlage John Le Carrés von der BBC verfilmt, als Miniserie und daher mit genügend Zeit, alle miteinander verflochtenen Fäden und jedes einzelne der Puzzleteile auf das Genaueste zu zeigen. Soviel Muße kann sich Tinker Tailor Soldier Spy mit einer Laufzeit von gut zwei Stunden nicht leisten und so ist der Zuschauer hier gefordert, aktiv zusammen mit Smiley die Hinweise zu lesen und den Fall zu lösen. Das ist sicherlich kein Blockbuster-Kino, dazu ist die Spannung zu subtil, die Handlung zu vertrackt und die Bilder zu ruhig. Vielleicht ist das ein Grund, warum er 2011, dem Jahr der übermächtigen Film-Franchises (Transfomers 3, Fluch der Karibik 4, Hangover 2, The Fast and Furious 5, der letzte Harry Potter-Film), die ihre an Spaß und Unterhaltung orientierten Filme natürlich mit einem ungleich größeren Budget bewerben können, an den Kinokassen geschwächelt hat.

Der Film bietet aber anspruchsvolle Unterhaltung, der es an nichts mangelt: visuell überzeugend, schauspielerisch stark und mit einer raffinierten Geschichte. Tinker Tailor Soldier Spy hat das Zeug zum Lieblingsfilm.

Verbindung von Stille und Klang

“Wenn jemand zu mir käme und mit dieser Zeichensprache mit mir reden wollte, würde ich das nicht registrieren. Ich glaube, ich wüsste nicht, wie ich reagieren sollte.”

 

Das sagt Robert, ein junger Mann aus dem Publikum und bringt damit ein Kommunikationsproblem zur Sprache. Dieses ist die Ursache für das Entstehen der Grenze zwischen Hörenden und Gehörlosen. Doch jede Grenze kann man durchbrechen. Das Wort schreit geradezu danach. Dieses Sprengen der Grenzen, das Aufheben der Barrieren ist in den Filmen allgegenwärtig. Sie lassen diese zwei Welten aufeinander wirken, lassen sich suchen und finden.

 

Grenzen überschreiten

Felix, die 12-jährige Hauptperson im gleichnamigen Film von Andreas Utta hat seine eigene Art, um die Grenze unsichtbar zu machen. Online chattet er mit der gleichaltrigen, tauben Lena, die ihn schon bald neugierig um ein Treffen bittet. Der hörende Felix gibt vor, ebenfalls taub zu sein. Um Lena zu täuschen bringt er sich selbst die Gebärdensprache bei. Doch schon bald fliegt er auf. In diesem Film ist die grosse Bereitschaft zum Schritt auf den anderen zu seh-, hör- und spürbar. Die beiden bleiben trotz der Lüge von Felix zusammen, weil er dafür kämpft.

 

The Beach House

“I wish I would be deaf too. It’s hard beeing hearing (Ich wünschte, ich wäre auch taub. Es ist hart, hörend zu sein).” River Ames (26), einzig hörender Mensch in einer tauben Familie, kehrt nach sechs Jahren und dem Tod seiner Eltern zu seinen gehörlosen Geschwister Emmet (18) und Enola (6) zurück.

 

Der Film “The Beach House” von Richard Standen behandelt ein Wiedersehen, das am Anfang geprägt ist von Vorwürfen gegenüber River. Doch dann wird die Bereitschaft, sich erneut zu verbinden immer grösser. Der Film bleibt  im Gedächtnis mit seinen Bildern und dem Gefühl, welches die Bilder auslösen. Stille. Rauschendes Meer. Wieder Stille. Es ist als wolle der Film uns dazu bewegen, uns in zwei unterschiedliche Menschen hineinzuversetzen. Zwei Welten, die sich aber nicht zwingend fremd sind.

 

Die Musik (Daydreaming von Dark Dark Dark), die Bilder, die Worte, das Szenenbild, all diese Faktoren spielen im Film genau so zusammen, dass eine melancholische Grundstimmung entsteht, die einen nicht loslässt.

 

Im Norden zu finden

“You will find me up North” oder “Du finner meg i nord”. Ein Junge reist zu einer alten Frau in den Norden und trifft dort auf ein gehörloses Mädchen, das mit Bäumen spricht. Die Begegnungen sind rätselhaft, und doch voller natürlichem Verständnis. “Du findest mich im Norden”, diese Nachricht hinterlässt sie ihm auf einem Papierfetzen. Er lächelt und man ahnt, dass die Geschichte noch lange weiter geht. Der Film “You Will Find Me Up North” von Valerié Gaudissart stammt aus Norwegen und behandelt das Thema mit einer verblüffend schönen Leichtigkeit.

 

Ein anderer Zugang zur Musik

Was ist Musik, wenn man sie nicht hören kann? Der einzige Dokumentarfilm “Lied und Leid”  setzt den Schwerpunkt auf diese Frage. Zwei gehörlose Frauen teilen die Leidenschaft der Musik, die sie trotz ihres Hörverlusts nicht losgelassen hat. Brigitte, spielt Klavier und singt, Fiona, spielt Gitarre und singt. Sie erzählen vom Verlust ihres Gehörs und und von der darauf folgenden Neuorientierung im Leben. Der Film “Mit Lied und Leid” von Maurizius Staerkle bietet starke Momente, wie etwa die Szene, in der Brigitte in Gebärdensprache singt. Auf ihre eigene Art und Weise. Ihr Mund formt stille Wörter, ihre Hände gestikulieren wild vor lauter Zeichen und ihr ganzer Körper bewegt sich, als ob er gesteuert würde vom Bedürfnis, sich auszudrücken. Beim Sehen dieser Bilder verstand man, dass die Musik immer noch ganz tief in ihr verankert ist. “Obwohl ich die Musik nicht höre, spüre ich sie”, sagt Brigitte darüber.

 

Remo, eine Stimme aus dem Publikum erwidert: “Es heisst, du musst den Rhythmus spüren. Denn Musik geht nicht nur durchs Ohr, Musik geht durch den ganzen Körper. Sie fliesst durch jede Ader und durchdringt jede Zelle unseres Körpers.” Das Schlusswort zu diesem Film aus dem Munde von Robert: “Wie sehr Gehörlose trotz ihres klanglosen Daseins einen Zugang zur Musik haben und wiederfinden hat mich sehr beeindruckt. Denn Musik bedeutet auch mir selbst extrem viel.”

Wetterfrosch Challandes

Die Young Boys starteten engagiert in die Partie und erarbeiteten sich durch Nuzzolo und Afum bereits in den ersten Minuten Torchancen. Doch auch bei den schwachen Darbietungen der vergangenen Wochen gegen Sion, Servette und Thun hatten die Berner jeweils stark begonnen, aber im Verlauf des Spiels ebenso stark abgebaut. Dem war heute nicht so. YB blieb aufsässig und versuchte sich stets durch die gut gestaffelten Lausanner zu kombinieren. Nach einer Flanke von Mario Raimondi wurde der kopfballstarke Verteidiger Nef vom Lausanner Tall im Strafraum umgerissen und Schiedsrichter Nicolas Hänni entschied korrekterweise auf Penalty. Moreno Costanzo übernahm die Verantwortung und schoss präzise in die linke Torecke zur Berner Führung in der 33 Minute.

“Wir waren zu ängstlich”

Das Führungstor war wichtig für die verunsicherten Young Boys, die in den letzten sechs Spielen gerade einmal ein einziges Tor erzielen konnten. Es schien ihnen Selbstvertrauen zu verleihen, denn just nach dem 1:0 griff der flinke Nuzzolo über links an und flankte auf Farnerud. Der Schwede verpasste aber knapp. Die Lausanner konnten mit dem knappen Pausenrückstand zufrieden sein, denn sie ergriffen keinerlei Initiative, überliessen das Spieldiktat komplett dem Heimteam und kamen sehr selten in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Trainer Laurent Roussey kritisierte denn auch die passive Spielweise seines Teams: “Wir waren zu ängstlich.”

In der zweiten Halbzeit benötigten beide Teams eine gewisse Anlaufzeit, um wieder in die Partie zu finden. Und es waren die Lausanner, die eine erste Chance verzeichneten. Junior Sanogo wurde nach einer Stunde steil angespielt, YB-Goalie Wölfli wehrte aber aufmerksam ab, um auch beim anschliessenden Eckball wieder zur Stelle zu sein. Es lag mehr an Berner Unkonzentriertheiten als an der spielerischen Klasse der Waadtländer, dass sich zeitweise ein ausgeglichenes Spiel entwickelte.

Traumtor von Zverotic

YB-Trainer Bernard Challandes stellte dies auch fest und kommentierte metaphorisch: “Heute war es zum Essen und zum Trinken. Es hatte Sonne und auch Regen.” Damit meint der Neuenburger nicht, dass es während des Spiels phasenweise regnete, denn davon blieben die 13’413 Zuschauer im kühlen Stade de Suisse glücklicherweise verschont. Vielmehr konstatierte Challandes, dass sich gefälliges Passspiel und gute Kombinationen mit umständlichen, ungenauen Spielzügen in regelmässigen Abständen abwechselten. In einer Phase, in der sich die beiden Teams gerade gut neutralisierten, kam der Ball mehr zufällig als gewollt zu Elsad Zverotic. Der Rechtsverteidiger fasste sich auf der rechten Seite des Strafraums ein Herz, schoss und traf genau in die entfernte obere Torecke. Zverotic feierte mit diesem Tor seine Meisterschaftstorpremiere für YB. Es war ein Schuss, der das viel zitierte Prädikat “Sonntagsschuss” wieder einmal verdiente.

Afums Torpremiere

Und so schön das Tor war, so wichtig war es für die Berner, die während dieser Phase Gefahr liefen, ins alte Fahrwasser des nervösen, statischen und unpräzisen Fussballs zurückzufallen. Das zweite Tor war die Entscheidung, denn das starke Innenverteidiger-Duo um Nef und Veskovac, – der Serbe setzte sich auch immer wieder offensiv in Szene -, agierte mehrheitlich souverän. Nach einer schönen Kombination über den starken Costanzo kam es noch zu einer weiteren Torpremiere im Stade de Suisse: Der Ghanaische Stürmer Samuel Afum schloss gekonnt mit dem Aussenrist ab zum vielumjubelten 3:0.

Es ist aber falsch, anzunehmen, die Berner seien durch und durch souverän zu einem ungefährdeten Sieg gekommen. Bernard Challandes kritisch: “Es gibt einiges zu verbessern, aber wenn das nicht so wäre, bräuchten wir ja gar keine Trainer.” Einen Klecks im Reinheft, den der Trainer anspricht, ist sicherlich der Lausanner Ehrentreffer durch Jocelyn Roux in der Nachspielzeit, als YB nachlässig und unkonzentriert auftrat. Für Torschütze Zverotic ist dies denn auch das einzige, was ihn an der ansonsten ansprechenden Leistung störte. “Der Gegentreffer ist unnötig. Schade, dass wir nicht zu null spielen konnten. Aber das müssen wir beim nächsten Mal besser machen.” Gelegenheit dazu haben die Berner nächste Woche in St.Gallen. Es bleibt abzuwarten, ob Challandes Wetterprognose Sonne oder Regen voraussagen wird.

GC – Thun

Der FC Thun hat in den letzten vier Spielen zehn Punkte geholt. Nur gegen die europäischen Höhenflieger vom Rheinknie holten die Berner Oberländer nicht das Punktemaximum. Entsprechend selbstbewusst starteten sie denn auch in die Partie. Bättig, Lüthi und Schindelholz erarbeiteten sich vielversprechende Möglichkeiten. Nach etwa 20 Minuten kamen dann auch die Zürcher besser ins Spiel, aber Zuber verpasst nach einer Flanke von Anatole. Die grösste Chance der ersten Halbzeit vergab Amir Abrashi als er alleine auf Thun-Torhüter Faivre loszog, dieser aber glänzend reagierte. Die Thuner konterten blitzschnell und profitierten von der unsortierten GC-Abwehr. Renato Steffen schoss wuchtig aus 18 Metern in die linke obere Torecke. Die Thuner Führung war aufgrund des guten Starts nicht unverdient. “Wir haben den Start komplett verschlafen, agierten phlegmatisch und überhaupt nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten”, sagte denn auch GC-Coach Uli Forte. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schienen die Zürcher dann erwacht zu sein, Izet Hajrovic tritt einen Freistoss ins Zentrum, Faivre lässt nach vorne abprallen, Michael Lang und Stéphane Grichting verpassen aber kläglich.

4 Spiele – 5 Tore

Nach dem Pausentee, den die Spieler sicherlich als willkommene Möglichkeit aus dem Dauerregen zu entfliehen, betrachteten, kam GC dem Ausgleich wiederum nahe. Faivre klärte aber nach einem Kopfball von Salatic. Halbzeitübergreifend hatte GC also seine guten 10 Minuten, mehrheitlich hatten die Thuner das Geschehen aber im Griff. Sie erarbeiteten sich eine Überlegenheit im Mittelfeld, was in Anbetracht des prominent besetzten Zürcher Mittelfeldes doch überraschte. In der 64′ ähnelte die Szenerie derjenigen vor dem Thuner Führungstor in der 34. Minute. GC kombinierte für einmal gefällig, die letzte Konsequenz fehlte aber, und Thun konterte. Benjamin Lüthi lancierte mit einem klugen Pass in die Tiefe Marco Schneuwly, und dieser schob eiskalt zum 0:2 ein. Für den Thuner Goalgetter war es das fünfte Tor in den letzten vier Spielen.

“Es ist noch nichts verloren”

Damit war in einem zuvor unterhaltsamen Spiel die Luft draussen. GC vermochte nicht zu reagieren, und auch die Einwechslungen von den schnellen und torgefährlichen Frank Feltscher und Nassim Ben Khalifa blieben wirkungslos. Für die Zürcher, die nach einer starken Vorrunde schwächeln und bei einem Basler Sieg gegen Luzern schon sechs Punkte Rückstand auf die Rot-Blauen hätten, wird es schwierig, doch noch die Meisterschaft zu gewinnen. Davide Taini, der den gesperrten GC-Stammgoalie Roman Bürki vertrat, gibt sich aber indes kämpferisch: “Es sind immer noch sieben Spiele, da ist noch nichts verloren.” Die momentane Konstanz, mit der der FC Basel aber momentan – notabene in drei Wettbewerben – spielt, lässt die Zürcher Hoffnungen nicht unbedingt grösser werden.

Bescheidener Zuschauerauflauf

Aber immerhin haben sie im Cupfinal in Bern noch die Möglichkeit den Baslern das Double – rotblaue Daueroptimisten sagen gar das Triple – zu vermiesen. Dann – am 20.Mai – wird hoffentlich auch der Zuschauerauflauf wieder etwas grösser sein, denn dieser war mit 4100 Fans nicht einem Titelaspiranten würdig, sondern vielmehr dem tristen Dauerregen entsprechend.

Bodenständig – und doch die EL vor Augen

Die Thuner sind derweil dem Traum der Europa League wieder einen Schritt näher gekommen. Trainer Urs Fischer freut sich für sein Team und ist glücklich wie momentan alles zusammenpasst. Er warnt aber auch: “Im Fussball kann es sehr schnell gehen. Wir haben das selber erlebt. Vor fünf Spielen war uns noch Servette im Nacken, jetzt redet jeder von der Europa-League.” Falls die Thuner auch am nächsten Wochenende gegen Luzern so abgeklärt und diszipliniert spielen, werden solche Europa-League-Stimmen sicher nicht leiser werden.

Bergdörfer zelebrieren Spitzenfussball

Weit gefehlt: Der Sportverein Gamsen ist ein Verein der Bergdorfmeisterschaft (BDM). Bergdorfmeisterschaft? Richtig gelesen, das gibt es wirklich. Tink.ch begleitet in der kommenden Saison die Fussballmannschaft von Gamsen, um zu verstehen, was die Bergdorfmeisterschaft ausmacht. Ist es das hoch stehende fussballerische Niveau? Der Reiz in vielen kleinen Dörfern im Wallis Fussball zu spielen? Das Fussballspielen an sich? Vielleicht der gewaltige Zuschaueraufmarsch? Oder doch eher die Bratwurst mit einem kühlen Bier nach dem Spiel?

 

Von Fettpolstern und Laufschuhen

Schon vor einigen Monaten bereiteten sich die Spieler des SV-Gamsen auf die kommende BDM-Saison vor. Nach der langen Winterpause geht es wieder los, obwohl manch einer dank seines “Winterschlafes” plötzlich etwas Fett angesetzt hat.

 

Doch um in der Saison brillieren zu können, braucht man nicht nur eine gute Technik, sondern vor allem auch eine gute Kondition, um die 80 Minuten eines Spiels überstehen zu können. Das Rezept für eine gute Kondition: Laufschuhe schnüren und laufen. Elmi, der erfahrene Trainer, versuchte die jungen Fussballer zu Höchstleistungen zu motivieren. Zeitweise wurden so pro Training 13 Kilometer zurückgelegt. Manche waren schneller als andere, aber angekommen sind am Schluss alle.

 

Erste Trainingsspiele

Im Frühling ist es endlich soweit: Die Laufschuhe werden in den hintersten Winkel des Kellers verbannt und die Fussballschuhe werden nach der langen Pause auf Hochglanz poliert. Nach fast einem halben Jahr fand das erste Training auf Rasen statt. Ein Hochgefühl machte sich in den etwas schmäler gewordenen Bäuchen der Spieler breit, als man wieder den ersten Ball kicken konnte. Und schon bald stand das erste Trainingsspiel an: SV Gamsen gegen Inter Wiler.

 

Fussballprofis würden den Platz und die Tore in einem BDM-Spiel zwar als klein bezeichnen, allerdings sind die sieben Feldspieler und der Torhüter den Profis in Sachen Kampfgeist mindestens ebenbürtig. Doch die ersten 80 Minuten verliefen dem SV-Gamsen nicht ganz nach Wunsch: Der letztjährige Aufsteiger Inter Wiler kanterte Gamsen gleich mit 2:8 nieder. Vielleicht auch  1:10. So richtig zählen mochte man als Gamsner nach einer Weile nicht mehr. Der Ligaunterschied war in diesem ersten Spiel deutlich zu spüren.

 

Die BDM ist in drei Ligen eingeteilt: Diese sind nicht etwa nach Stromkonzernen oder Grossbanken benannt. Nein, hier heissen die Ligen noch: A, B und C. Der SV Gamsen, letztjähriger Zweiter in der B-Liga, hatte gegen den Vertreter aus der A-Liga nicht den Hauch einer Chance. Lässt sich der SV Gamsen deshalb entmutigen? Sicher nicht, zumal man lange nicht mehr auf dem vom Platzwart Walti präparierten Rasen stand, der dank seinem grossen Einsatz eher dem Grün eines Golfplatzes als dem eines BDM-Vereins gleicht.

 

Beim letzten Trainingsspiel folgte dann prompt die Reaktion: Simplon-Dorf, ebenfalls ein Verein aus der A-Liga, wurde mit einer guten Leistung gleich mit 7:2  nach Hause geschickt. Und das ist auch gut so, denn dieses Wochenende geht es los: Der Cup-Wettbewerb beginnt!

 

 

Der SV Gamsen auf Tink.ch


Tink.ch wird euch über die BMD und den SV-Gamsen weiterhin auf dem Laufenden halten: Damit der ehrliche, gesunde Fussball die verdiente Aufmerksamkeit erhält.

Swiss Press Photo

Nach einem Begrüssungswort durch den Leiter des Landesmuseums, Andreas Spillmann, spricht Marco Castellaneta zum zahlreich erschienenen Publikum. Es freue ihn, dass auch dieses Jahr das Landesmuseum diese Ausstellung zeigen dürfe.

Anschliessend präsentiert der Jurypräsident, Ignaz Staub, die prämierten Bilder. Beim Siegerbild begründet er die Entscheidung der Jury damit, dass der Sieger Laurent Gilliéron es geschafft habe, ein bewegendes Ereignis diskret zu dokumentieren. Das Siegerbild zeigt mehrer Rettungshelikopter und Rettungsfahrzeuge. Eine eindrückliche Dokumentation des tragischen Busunglücks in Sierre ohne dabei Tote zu zeigen.

Das hart umkämpfte Geschäft der Pressefotografen

Der Letzte am Rednerpult ist der Vorjahressieger. Er rückt die schwierige Situation der Pressefotografen ins Zentrum seiner Rede. Speziell geht er auf die Zustände für Schweizer Fotografen ein und betont, dass in keinem anderen Land die Gesetze so unklar seien wie in der Schweiz. Für Fotografen sei dies ein heikler Zustand. Wenn er zum Beispiel irgendwo ein Bild mache, kämen oft Personen auf ihn zu, welche im Hintergrund fotografiert wurden und würden ihn auffordern, das Bild zu löschen.

Weiter sprach er über die fehlenden Aufträge von Zeitungen. Sein Hauptauftraggeber von 2011, welcher ihm damals circa 30 Aufträge bescherte, vergab ihm letztes Jahr noch einen Auftrag. Seine grösste Aufgabe im vergangen Jahr sei gewesen, Carla Ponte davon zu überzeugen, sich fotografieren zu lassen. Zum Abschluss fügt er etwas sarkastisch an: “Ich mache jetzt mit meinem Handy ein paar Bilder und stelle diese dann online. Vorausgesetzt, es fordert mich hier drinnen niemand auf, die Fotos wieder zu löschen.”

Alte Erzähler und junge Bolzen

Die Künstlerbörse fühlt sich an wie ein Kurzfilmfestival. Zwanzig Minuten bleiben zwanzig Minuten, und es folgt Politsatire auf Kehlkopfgesang auf Tanztheater. Diese Fülle aus allem Möglichen ist kurzweiliger als ein abendfüllendes Soloprogramm. Ich kann es warm empfehlen, einmal hin zu fahren, auch wenn 110 Franken für einen Tag ein stolzer Preis sind.

 

Es ist Sonntag, vier Tage buntes Treiben gehen zu Ende. Die Künstlerbörse soll Angebot und Nachfrage gegenüberstellen, schafft aber mehr als das: Sie ist ein Szenetreffen, das jährlich im Kultur- und Kongresszentrum KKThun abgehalten wird. Die eigentliche “Börse” im Keller hält fast alle Künstler bis zum Schluss in Thun. Aber man trifft die Kunstschaffenden nicht nur dort – sie stellen auch einen guten Teil des Publikums, und die “Verkaterten Sängerknaben” (Les Petits Chanteurs à  la Gueule de Bois) traf man jeden Abend in der Late Night Bar. Das unterscheidet die Künstlerbörse von vielen Theatertreffen, an welche die Truppen hinfahren, spielen und – meist in der selben Nacht noch – in den Car nach Hause steigen.

 

Das Intensivste an der Künstlerbörse habe ich gleich zu Beginn erlebt: Die Begegnungen mit dem Geschichtenerzähler meiner Kindheit, Franz Hohler, und dem Circus Monti. Einige Jahre lang hatte ich nichts mehr von ihnen gehört oder gesehen. Nun konnte ich sie mit neuen Augen betrachten und hörte mehr als nur die kindertauglichen Geschichten. Obwohl es nicht mehr um Tschipo den Träumer ging, sass ich beinahe wieder mit meinem Kassettenrekorder im Kinderzimmer. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie stark mich diese Geschichten und Auftritte geprägt haben und heute noch unterbewusst präsent sind.

 

Ich fand Gefallen an manch anderen Künstlern, einige will ich im Auge behalten. Die Künstlerbörse hat sogar bei mir als Chronisten geschafft, wozu sie eigentlich da ist: Künstler an die Interessierten bringen, sei dies etwa ein Veranstalter oder eine Konsumentin.

 

Auf jeden Fall werde ich künftig aufhorchen, wenn ich Namen wie Köbernick, Semsrott oder Da Capo höre. Vor allem das “Frölein“ hat mich verblüfft. Ich war kein Fan von ihr, als ich sie noch wöchentlich bei “Giacobbo Müller- sah. Ich irrte mich gern. Erstens, weil ihre zwanzig Minuten sehr unterhaltsam waren und zweitens, weil das Fernsehen halt doch nicht an die Bühne herankommt.

Grossbaustelle

Die beiden betroffenen Gassen verlaufen direkt im Zentrum der Altstadt Berns. Es sind zwei der wichtigsten Verkehrs- und Einkaufsgassen. Die Bauarbeiten dauern bis am 15. September 2013. Anschliessend findet bis Ende November etwas abseits vom Zentrum die Intensivbauphase der Waaghausgasse und des Käfiggässchens statt.

Sanierung unumgänglich

Während der Bauzeit wird der öffentliche Verkehr umgeleitet, die Überquerung der Gassen ist nur mittels zwei errichteter Brücken möglich. Dort bleiben die Passanten oft stehen und beobachten gebannt die laufenden Arbeiten. Laut der Stadt Bern war die Komplettsanierung unumgänglich. Als vor zwanzig Jahren die Tramgleise ersetzt wurden, traten bereits einige Jahre danach Mängel auf. Die Gleisanlagen weiterhin zu betreiben, wäre unvorsichtig gewesen.

Im Rahmen der Gesamtsanierung werden neben den Gleisen weitere Systeme neu erstellt. Die gesamten Elektroanlagen und ein Grossteil der Gas- und Wasserleitungen werden erneuert. Es erfolgt eine Ausbesserung des unterirdischen Stadtbachkanals und aufgrund von Gewässerschutzvorschriften müssen zwei Mischwasserleitungen neu eingebaut werden. Am Ende der Sanierungsarbeiten werden die Gassen wieder mit Pflastersteinen besetzt um die Atmosphäre der Altstadt zu erhalten. Für die Anwohner und das Gewerbe der Gassen wird die Zeit der Bauarbeiten zur Geduldsprobe. Von Montag bis Samstag, jeweils von sechs Uhr morgens bis Mitternacht wird gearbeitet.

Damit es zu keinen oder nur geringen Umsatzeinbussen des anliegenden Gewerbes kommt, werden Veranstaltungen wie beispielsweise das Mitternachts-Shopping am 31. Mai durchgeführt. Die Kosten für die Gesamtsanierung betragen 22,8 Millionen Schweizer Franken. Diese werden unter Bernmobil, dem Tiefbauamt und der “Energie Wasser Bern” aufgeteilt.

Wer nicht in Bern wohnt, aber in der nächsten Zeit die Stadt besuchen wird, sollte sich die Zeit nehmen, um einen Blick auf die Arbeiten zu werfen. Denn mitten in der Schweizer Hauptstadt eine Grossbaustelle zu sehen, grenzt an eine Attraktion.

Geteilte Mobilität ist doppelte Mobilität

In Europa werden durchschnittlich nur 1.2 von fünf möglichen Autositzen belegt, sagt Thomas Rosenthal, von mitfahrgelegenheit.ch. Ein Auto zu teilen ist günstiger und umweltfreundlicher und mit Gesellschaft ist die Reise auch viel unterhaltsamer.

 

Organisierter Autostopp

Die Internetplattform mitfahrgelegenheit.de gibt es seit 2001 und mittlerweile hat sie, in Verbindung mit dem Mutterkonzern Carpooling, vier Millionen Mitglieder und 750’000 Fahrten im Angebot. Das Prinzip, sich ein Auto zu teilen ist aber schon viel älter: In den 1970er Jahren vermittelten Büros vor Ort Fahrer und Mitfahrer. Heute geht das viel einfacher: Als Mitfahrerin oder Mitfahrer lassen sich mittels Strecke und Datum passende Fahrten finden worauf die Fahrer direkt kontaktiert werden können. Per Mail oder Telefon wird Zeitpunkt und Treffpunkt ausgemacht. Die Preise sind sehr tief: eine Reise von Zürich nach Köln kostet zwischen 40 und 50 Franken. Ein Grossteil der Fahrten sind schon Wochen vorher ausgeschrieben, aber es gibt immer wieder welche, die erst zwei Tage vor Reiseantritt aufgeschaltet werden.

 

„Auf Fahrten von der Schweiz nach Deutschland bin ich regelmässig mit dabei“ sagt Laura Kuttnig, eine Schweizer Studentin. Innerhalb der Schweiz sind die Verbindungen zwischen Städten ziemlich gut, aber ganz besonders lohnend sind Fahrten von der Schweiz ins Ausland. Allen voran nach Deutschland, wo der Dienst am meisten genutzt wird und das Angebot am grössten ist. Gerade bei regelmässigen Fahrten ist es attraktiv günstig mit Begleitung zusammen zu reisen.

 

Fluch und Segen Flexibilität

Ein Punkt den es zu bedenken gibt, ist die Zeit, die das Organisieren im Vorfeld in Anspruch nimmt. Die Spontaneität, mit der sich Reisen buchen und umbuchen lassen, kann auch zum Verhängnis werden: Es kann durchaus passieren, dass Fahrer kurzfristig absagen.

 

Mitfahrgelegenheit.de hat deshalb seit Ende März ein Buchungssystem eingeführt, das Fahrten verbindlicher machen soll, indem man schon vor der Fahrt bezahlt, das Geld dem Fahrer aber erst nach ihrem Abschluss überwiesen wird. Eine vielversprechende Idee, würde das Portal nicht elf Prozent Gebühren für jede so vermittelte Fahrt verlangen. Diese Regelung gilt jedoch erst für Deutschland. Mit fahrgemeinschaft.de gibt es denn auch eine gleichwertige, kostenlose Alternative, auf deren Gestaltung die Nutzer selbst Einfluss nehmen können.

 

14 Stunden im Auto mit einem Fremden

Mitfahren ist eine fantastische Art und Weise Leute kennen zu lernen. Es ist leicht, sich bereits im Vorfeld der Reise per Telefon ein ungefähres Bild von seiner Fahrerin oder seinem Fahrer zu machen und abzuschätzen, ob man es Stunden mit ihr oder ihm auf engstem Raum aushält. Unter anderem, weiss die Autorin zu berichten, bietet es ideale Chancen, mit französischsprachigen Schweizer Studenten das englische Schulsystem zu analysieren, Hochzeitsfotos von türkischen Freiheitskämpfers an zu schauen und Gemüse-Shakes von afghanisch-deutschen Start-Up-Unternehmers zu probieren. Das allein ist schon eine Reise wert.

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