Kultur | 26.03.2013

Was ist die Essenz des Lebens?

Siddharta Gatauma war ein Sadhu. Als hinduistischer Asket hat er sich von allem weltlichen verabschiedet und seinen eigenen Weg gesucht. Auch der Sadhu Suraj Baba versucht, im heutigen Indien seine Wahrheit zu finden. Gaël Métroz hat ihn auf seiner Reise kennengelernt und fortan mit der Kamera begleitet.
Sadhu lebt acht Jahre als Asket in einer Höhle. Obwohl er keine Besitztümer haben darf, schliesst er seine Höhle mit einem Schloss ab.
Bild: zvg Sadhu hat noch immer viele Fragen und grosse Zweifel. Seine Pilgerreise soll ihn zur Wahrheit führen. Seine Suche endet an den heiligen Seen des Damodar. Hier beschliesst er, seine letzte Reise anzutreten. Sadhus gehören in Indien zur höchsten Kaste. Sie müssen ein Armuts- und Keuschheitsgelübde ablegen und leben von den Opfergaben der Menschen. Viele entfliehen so aus der untersten Schicht.

Was ist die Essenz des Lebens? Liegt sie darin, ein Heiliger zu werden? Oder einfach ein guter Mensch zu sein? Diese Fragen beschäftigen den Sadhu Suraj Baba. Er lebt zurückgezogen in einer Höhle im Himalaya. Um Antworten zu erhalten, hat er allen weltlichen Dingen entsagt. Nach acht Jahren in der Einsamkeit sucht ihn der Filmemacher Gaël Métroz auf und freundet sich mit ihm an. Als Gaël nach einigen Wochen zum Kumbha Mela Fest aufbricht, entschliesst Sadhu, ihn zu begleiten. Er möchte seine Reise auf der Suche nach der Wahrheit fortsetzen. Gaël begleitet den Sadhu von da an mit der Kamera auf seinem Weg, der ihn zu den Menschen und auf die Suche nach der Wahrheit führt.

 

Sadhu

Sadhus ziehen sich von der Gesellschaft zurück, um durch Entsagung Weisheit zu erlangen. Ihr Ziel besteht darin, das Körperliche zu überwinden, um die Seele zu erlösen. Das Wort Sadh bedeutet “guter, heiliger Mann”. Vor Antritt ihres spirituellen Lebensweges müssen die Sadhus ein Armuts- und Keuschheitsgelübde ablegen. Sie leben von den Opfergaben der Gläubigen und ziehen sich zurück, um zu meditieren. Jährlich findet in Indien das grösste religiöse Fest der Welt, die Kumbha Mela, statt. Für die Sadhus ist dies ein bedeutendes Fest. Sie versammeln sich am Ganges um sich zu waschen.

 

Den eigenen Weg finden

Nach jahrelanger Abwesenheit beschliesst der Sadhu Suraj Baba, das Fest wieder aufzusuchen. Bei seiner Ankunft trifft er auf andere Sadhus, nimmt an den Prozessionen teil und wäscht sich im Ganges. Dabei merkt er allerdings schnell, dass es am Fest auch um sehr oberflächliche Dinge geht. Seine Fragen können von den anderen Sadhus nicht beantwortet werden. Er zweifelt weiter am Sinn seines Lebensweges. Somit beschliesst er, zu den heiligen Seen nach Damodar zu pilgern. Auf seiner Reise erlebt er Momente, in denen er sich zur weltlichen Welt hingezogen fühlt. Er sucht nach Turnschuhen, in denen er laufen kann. Er wird von Menschen eingeladen und verbringt Zeit mit ihnen. Er spielt Musik auf seiner Gitarre vor. Die Lieder sind Erinnerungen aus seinem früheren Leben, als er von der westlichen Rockmusik fasziniert war. Bei einer Familie lernt er eine junge Frau kennen, zu der er Zuneigung verspürt. Seine Wanderung ist ein Hin- und Hergerissensein zwischen dem diesseitigen und dem spirituellen Weg. Der Weg endet schliesslich bei den  heiligen Seen im Himalaya. Dieser Ort ist ein besonderes Heiligtum für Sadhus. Ältere Sahdhus suchen ihn vielfach auf, um dort zu sterben.

 

Eine Reise durch Indien

Der Film zeigt die vielen Seiten Indiens, als ein Land mit einer einzigartigen Landschaft, aber auch von seiner spirituellen Seite. Auf seiner Pilgerreise begegnet Sadhu vielen Menschen, die abseits der grossen Städte am Existenzmininum leben. Er durchwandert die Wüste, sowie Städte mit bunten Märkten und Rikshas, besucht Tempel, geht in die Berge und übernachtet in den ärmlichen Bergdörfern, bei Menschen, die fast nichts besitzen. Begleitet wird der Film von einer einzigartigen Musik. Dabei singt der Suraj Baba  unterwegs immer wieder Lieder in Englisch, die von Gaël Métroz nachträglich vertont wurden. Diese wechseln mit Stücken, die der Filmemacher nach seiner Rückkehr ins Wallis mithilfe zweier befreundeter Musiker komponiert hat. Die Lieder bestehen aus indischen Sitarklängen, gemischt mit elektronischer Gitarre. Die Musik unterstreicht den Charakter von Suraj Baba, sowohl westliches, wie auch indisches Gedankengut zu vereinen.

 

Entweder oder – sowohl als auch?

Suraj Baba verkörpert einen atypischen Sadhu. Er will keinen Regeln folgen, auch wenn diese von den Sadhus selber aufgestellt werden. Solange er nicht von der Wahrheit dieser überzeugt ist, akzeptiert er sie nicht. Er hinterfragt, weshalb ein Sadhu nicht auch eine Familie haben kann und daneben seinen spirituellen Weg gehen kann. Dies trifft bei den anderen Sadhus auf Missverständnis. Daher geht er seinen eigenen Weg. Und stösst mit seinen Fragen manchmal an die Grenzen, die ihn in grosse Zweifel bringen. Was ist die Essenz des Lebens? Ist es, ein Heiliger zu werden? Oder einfach ein guter Mensch zu sein?

 

Info


 

Der Kinostart für den Film “Sâdhu” in der Deutschschweiz ist am Donnerstag, 28. März 2013. Zu sehen in: Basel (kult.kino camera), Bern (CineMovie), Biel (Rex), Brugg (Odeon), Luzern (Bourbaki), Worb (Chinoworb) und Zürich (Arthouse Alba)

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