Kultur | 26.03.2013

“Und wie findest Du Dich hier zurecht?”

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist.
Bereits zum 27. Mal fand Mitte März mit dem SXSW im texanischen Austin das wohl künstlermässig grösste Musikfestival der Welt statt. Das bedeutet: sechs Tage lang ein kaum überschaubares Programm an Konzerten und anderen Veranstaltungen. Tink.ch nahm das Geschehen vor Ort unter die Lupe.
Depeche Mode sprachen über ihre Bandgeschichte und ihr neues Album. Schauspieler und Sänger Jared Letos Erfolgsgeheimnis: "Working my ass off". Boy mit der Zürcherin Valeska Steiner lockte ein stattliches Publikum an. Der kostenlose Spass verlangte viel Geduld wie die Schlange ums "Spotify House" zeigt. Festivaldirektor James Minor: Das SXSW ist sogar noch etwas gewachsen.
Bild: Martin Sigrist.

Texas steht in vielen europäischen Augen für Öl, Rinder und Wüste. Doch jeden März wird die Hauptstadt zum Mittelpunkt der globalen Musikszene. Das mit über 2’300 Bands an über 100 Spielorten wohl weltgrösste Musikfestival lockt jährlich viele zehntausend Besucher in den Süden der USA. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und vor Ort bestätigt sich, dass hier etwas aussergewöhnlich Grosses von statten geht – nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ. Zumindest, wenn man sich in dem riesigen Programm zurecht finden kann. Denn im Rahmen des SXSW findet zum Beispiel auch ein Filmfestival und eine Konferenz zum relativ weit gefassten Thema “Interactive” statt. So fällt es nicht leicht, die Übersicht zu behalten und die besten Künstler zu entdecken. Erfreulicherweise herrscht vor Ort Offenheit, jeder spricht mit jedem und im Geiste der allgemeinen Überforderung wird sich gegenseitig geholfen.

 

Musik aus aller Welt

Bei sonnigem Wetter und bis zu 30 Grad wird die ganze Innenstadt zum Festivalgelände umfunktioniert und an jeder Ecke lassen sich Bands entdecken. Tagsüber sind die meisten Veranstaltungen öffentlich und kostenlos, das offizielle Abendprogramm ist den Künstlern und stolzen Besitzern kostspieliger Festivalpässen vorbehalten. Oftmals steht das offizielle Programm unter dem Patronat von Musik-Magazinen oder einzelner Staaten wie Australien, Japan oder Kanada. Andere Länder wie Deutschland und Grossbritannien mieteten sich für die ganze Dauer des Festivals gleich eigene Lokale um vor Ort ihren Musikexport feil zu bieten. An diesen Orten lebt die Kunst neben dem Geschäft, Hipster neben Häppchen, Manager neben Musik.

 

Die Schweiz hingegen ist nur knapp vertreten, denn weder die Singer-Songwriterin Heidi Happy aus Luzern noch die Basler Indie-Überflieger The Bianca Story konnten der Einladung folgen. Einzig die Berliner Bonaparte und die Hamburger Boy hatten zumindest Eidgenossen am Mikrofon und vermochten vor Ort Erfolge zu feiern.

 

Mehr als Musik

Neben Konzerten finden unzählige Diskussionsrunden und Interviews statt. Jared Leto, Sänger von 30 Seconds to Mars, präsentiert seinen Dokumentarfilm “Artifact”, der von den Wirren mit seiner früheren Plattenfirma erzählt. Depeche Mode berichten von ihrem neuesten Album “Delta Machine” und spielen ein intimes Überraschungskonzert. Auch weitere Musiker wie Prince oder Justin Timberlake spielen Überraschungsauftritte, Eintritte dazu werden ausschliesslich kurzfristig verlost.

 

Neben dem offiziellen Programm sind Sponsoren darum bemüht, mit diversen kostenlosen Konzerten, Getränken und Mahlzeiten die Besuchenden an ihre Veranstaltungen zu locken. Bereits nachmittags bilden sich davor lange Schlangen. Neben Geduld ist meist eine korrekte Anmeldung per E-Mail verlangt. Alljährlich bildet am Sonntag das queere Festival “Gaybigaygay” dem festlichen Treiben einen pikanten Schlusspunkt.

 

Ansteckender Wahnsinn

Ein Festivalpass für die musikalische Überdosis kostet rund 700 Dollar. Dafür gab es auch dieses Jahr eine verrückte Woche voller Begegnungen mit Künstlern und unendlich vielen anderen Menschen aus der ganzen Welt. Austin wurde in den alljährlichen Ausnahmezustand versetzt, und damit auch alle Anwesenden, die bereits am Ende des Festivals ans nächste Jahr dachten.

 

 

Info


Kommende Woche berichtet Tink.ch von den musikalischen Entdeckungen am diesjährigen SXSW.

 

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