Kultur | 26.03.2013

Talentschmiede wird zur Kommerzwerkstatt

Das m4music wächst und wächst: Das Festival des Migros Kulturprozent präsentierte am vergangenen Wochenende auch in der 16. Ausgabe weiter Musik vom Feinsten. Als Plattform gelten einerseits die Conferences mit aktuellen Diskussionen rund um die Musikszene, aber auch die rammelvolle Schiffsbauhalle, wo man sich trifft und spricht. Tink.ch befragte die Band Dead Bunny und einen Besucher zu ihrer Meinung über das m4music und zog selbst ein Resümee.
"Dead Bunny" aus Bern spielten im Moods.
Bild: zvg Die Gewinner der Demotape Clinic 2013: v.l.n.r. Rootwords (Kategorie Urban), Wolfmann (Pop), Classik Swiss Chocolat (Electronic), Pedro Lehmann (Gewinner Rock und Demo of the Year).

Fragen an die Berner Rockband Dead Bunny mit Thomas Schmidiger (Gitarre, Gesang), Fabian Lötscher (Bass) und Beni T. Bucher (Schlagzeug)

 

Ihr habt das Demo of the Year 2011 gewonnen. Was hat euch dieser Preis bedeutet?

Dead Bunny: Für uns war die Auszeichnung am m4music eine grosse Überraschung, eine unerwartete Starthilfe und eine objektive Rückmeldung nach langem Proben und Tüfteln.

 

Was hat dieser Preis bewegt?

Es folgte eine Reihe toller Konzerte, viele wertvolle Begegnungen mit wegweisenden Persönlichkeiten und die Aufnahme unserer ersten Scheibe. Höhepunkte waren die Plattentaufe im Dachstock der Reitschule Bern und die Auftritte als Support für The Young Gods in Freiburg und Black Box Revelation in Zürich.

 

Wie erlebt ihr das diesjährige m4music?

Die Musikwelt hat sich auf eine multimediale Ebene begeben – im Mittelpunkt steht nicht mehr die Musik, alles dreht sich um Lifestyle, der Gehalt wird knapp, der Ausdruck oberflächlicher und der Inhalt wird zunehmend austauschbarer. Eine alles in Allem eher ernüchternde Erfahrung.

 

An welchem Punkt seht ihr euch heute? Warum finden sich so wenig Gigs auf dem Tourplan?

In unseren Köpfen dreht sich nach wie vor alles um Musik. Wir sind in diesen Tagen glücklicherweise wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt: Wir ignorieren Massentauglichkeit und möchten den musikalischen und persönlichen Ausdruck wieder in den Vordergrund stellen. Es geht um Freude, Lust und Spass – um Energie und ein gewisses emotionales Empfinden, das sich primär in den Köpfen der Band abspielt und nicht grundlegend an den Bedürfnissen des Publikums orientiert. Dies erklärt – unter anderem – unseren Tourplan. Uns beschäftigen momentan in erster Linie Ideen zu neuen Songs, die sich durchaus vom Bisherigen unterscheiden.

 

Fragen an Fabio, Besucher am m4music

 

Was hat dich ans m4music gelockt?

Fabio: Die breite Auswahl an Infos und Panels zu verschiedenen Themen in der Kreativ- und Musikwirtschaft, und die spannenden Bands.

 

Wie empfindest du die Stimmung hier?

Eine Mischung aus Festival, Netzwerktreffen, Messe und Party. Der Brand m4music hat sich zu einer nationalen Grösse entwickelt. Die Stimmung im Bereich Festival finde ich trotz grossen Acts wie Jamie Lidell etwas zurückhaltend. Der Bereich Conference und Demo-Clinic wird sehr gut frequentiert, es ist offenbar ein grosses Bedürfnis von Musikschaffenden, einen Austausch über das eigene Schaffen zu finden.

 

Welches Rüstzeug braucht heute ein Musiker in der Schweiz, um von der Musik leben zu können?

Dasselbe wie früher: Talent, Können, Kreativität und einen starken Willen. Der Musiker muss aber heute vermehrt seinen eigenen Auftritt nach aussen “managen” und auf sozialen Plattformen präsent sein. Heute ist wohl ein Video auf Youtube wichtiger als schön gestaltete Bewerbungsmappen für Labels und Booker. Aber es zählt nach wie vor in erster Linie der Song.

 

Resümee: Das m4music ist ein Ort wo man sich trifft; es tummeln sich gestandene Musiker und «Szenis« gleichermassen, von der Band aus dem Proberaum um die Ecke bis zum internationalen Act, der auch grössere Hallen als dort zu füllen vermag. Wer dann in den ersten Reihen eines Konzertes steht, vergisst manchmal, wo die Plattform aufhört: Statt der Musik zu lauschen, wird laut geredet oder werden Videos in schlechter Qualität gedreht. Der Anlass ist gut organisiert, die Leute weibeln wie wild, die Atmosphäre ist sympathisch. Toll, dass Musiker aus allen Kategorien gefördert werden und man sich seit Jahren Demotape um Demotape anhört. Doch aus dem Grundgedanken Talentschmiede wird immer mehr eine Kommerzwerkstatt; Ohropax von 20 Minuten, Kopfhörer von SRF Virus und tonnenweise Swiss Music Guides, die auf den Stehtischen in Bierpfützen schwimmen. Da sollte das M wieder mehr für die Musik stehen.

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