Kultur | 26.03.2013

Mit einem Knall fängt alles an

Seit gut einer Woche läuft der Film "Himmelfahrtskommando" nun in den Schweizer Kinos. Bereits im Vorfeld gab-~s für das Projekt um Jungregisseur Dennis Ledergerber (25) viele Vorschuss-Lorbeeren. Ob diese berechtigt sind, hat Tink.ch-Reporterin Samara Leite Walt herausgefunden. An der Vorpremiere in St. Gallen konnte sie als eine der ersten, den Film begutachten.
Beat Schlatter umringt vom "Himmelfahrtskommando"
Bild: Moviebiz / zvg An der Premiere in St. Gallen: "Fridolin"-Darsteller Philipp Kluckner, (Drehbuch-)Autor von "Himmelfahrtskommando" Stefan Millius, und Regisseur Dennis Ledergerber. Samara Leite Walt

Mit einem Knall fängt alles an. Nein, es handelt sich hier nicht um einen Hollywood-Blockbuster, sondern um das Zweitlingswerk des Ostschweizer Jungfilmers Dennis Ledergerber. Kulisse dafür bildet das beschauliche Glarnerland. Explosionen und Schweizer Kuhdorf-Idylle, passt das zusammen?, mag sich da so manch einer fragen.

 

Der Plot ist schnell erzählt: Ein Kaff namens Gottlingen steckt in finanziellen Nöten. Daraufhin kommt eine US-amerikanische Sekte ins Dorf, welche jedoch nicht von allen gleichermassen willkommen geheissen wird. Wie gut, dass diese nur wenige Zeit später bei einem Unfall ums Leben kommt. Die ungeliebte Sekte ist weg, hinterlässt dafür jede Menge Kohle. Um sich diesen Geldsegens zu bereichern, verschweigt die Gemeinde, den Unfall. Dies hat jedoch ungewollte Folgen….

 

Fulminantes Finale

Wer jetzt denkt, er brauche gar nicht mehr ins Kino zu gehen, hat weit gefehlt. Himmelfahrtskommando wartet mit vielen Überraschungen auf. So weicht der Film vom linearen Erzählstrang der Buchvorlage von Stefan Millius ab und gliedert sich in Kapitel auf. Jedes Kapitel beleuchtet den Sachverhalt aus einer anderen Perspektive. Mit jedem Kapitel gewinnt der Zuschauer, wie ein Puzzleteil, eine Erkenntnis mehr. Dieses Puzzle gipfelt in ein fulminantes Finale, mit dem am Anfang niemand, aber auch wirklich niemand, gerechnet hat. Die Methode der ineinander verwobenen Einzelschicksale macht sich schon Guy Ritchie seit seinem ersten Film „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ zunutze. Kein Wunder zählt Ledergerber Ritchie zu seinen grossen Vorbildern.

 

Ohne Gage

Mit diesen Komponenten und einer ausgefeilten Story vermochte das Drehbuch gestandene Schweizer Film- und TV Grössen zu überzeugen. So liessen sich beispielsweise Beat Schlatter und Walter Andreas Müller für Himmelfahrtskommando verpflichten. Kostenlos wohl gemerkt. Der Film konnte mit einem Budget von 100-˜000 Franken realisiert werden – ohne Subventionen. Das Geld kam vor allem durch Crowdfundig der Mitwirkenden und Bekannter zusammen. Sämtliche Crew-Mitglieder verzichteten auf ihre Gage.

Als unbeholfener Pöstler, debütiert dann auch Walter Andreas Müller in seinem ersten Kinofilm. Mit seiner Anti-Helden-Attitüde gewinnt der Pöstler in Windeseile die Sympathie des Zuschauers. Der wirkliche Star des Films ist jedoch der Bündner und alte Hase im Biz, Andrea Zogg. Die Rolle des hinterwäldlerischen Bauern kauft man ihm sofort ab. Zudem hält Zogg als inkonsequent-fremdenfeindlicher Bauer auf ironische Art und Weise hiesigen den Spiegel vor.

Nebst Xenophobie, Gier und der Suche nach Akzeptanz tauchen in Himmelfahrtskommando auch immer wieder Splattermovie-Motive auf. Schleichend und fast unbemerkt eröffnet sich der Dorf-Idylle das blanke Horrorszenario…

 

106 Minuten – und nochmal ein Knall

Einzig das weit ausholende erste Kapitel des Pöstlers und ein, zwei langatmige Szenen sind zu bemängeln. Ansonsten bietet Himmelfahrtskommando eine willkommene Abwechslung in der sonst so monotonen Schweizer-Filmlandschaft und bietet 106 Minuten Kino vom Feinsten.

Übrigens: Himmelfahrtskommando beginnt nicht nur mit einem Knall, sondern endet auch mit einem. Und dieser hat es in sich.

Links