Sport | 26.03.2013

Leeres (Tor)-Konto

Text von Simon Scheidegger | Bilder von Manuel Lopez
Sportissimon von Simon Scheidegger kommentiert die wöchentlichen Sportereignisse aus einer erfrischenden Perspektive. Kritisch, aber nicht immer ganz ernst zu nehmen.
Der sportliche Überblick der Woche: Sportissimo von Simon Scheidegger.
Bild: Manuel Lopez

“Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn wir gewonnen hätten.” Oder auch: “Wir haben nach wie vor eine gute Ausgangslage, das ist jetzt kein Weltuntergang.” So und ähnlich versuchten die Schweizer Fussballer das klägliche 0:0 in der WM-Qualifikation gegen Zypern schön zu reden. Dies gelingt aber nur bedingt, denn es gibt nicht viel, was einen positiv stimmt nach dem glücklosen Auftritt der Elf von Ottmar Hitzfeld gegen den Letzten in der Gruppe. Die Schweizer sind zwar immer noch Leader – und das ist es auch, was die Beteiligten in den zahllosen Interviews immer wieder zu betonen pflegten – dennoch ist es eine verpasste Chance, der man hoffentlich später nicht noch nachtrauern wird, den Vorsprung auf die Verfolger auf vier Punkte auszubauen.

 

Das Schweizer Team hat Mühe, Tore zu schiessen. Auch das letzte Spiel im Februar gegen die Griechen endete 0:0. Ob die Torflaute der Schweizer mit der prekären finanziellen Situation der beiden Gegner zusammenhängt und die Schweizer es gewissermassen aus Mitleid vermieden, das Tor zu treffen, ist nicht abschliessend zu klären. Es wäre aber eine Erklärung dafür, warum die Schweizer ihre Möglichkeiten auf zum Teil klägliche, haarsträubende Weise ungenutzt liessen. Da nützte auch der unerschütterliche Optimismus des SF – pardon, SRF-Reporters nichts mehr. Er meinte nach jeder ausgelassenen Chance, dass sei nicht so schlimm, eine ginge dann schon noch rein.

 

Unerschütterlich sind auch die Schweizer Fans, die das beinahe leere Stadion in Nikosia fest in ihrer Hand hatten. Ob die zypriotischen Supporter ihr Geld lieber in Sinnvolleres – bei diesem Spiel findet sich solches schnell – investieren wollten, oder ob sie ein repressives, am Ziel vorbeischiessendes Hooligan-Konkordat, wie es der Kanton Bern seit Jüngstem kennt, daran hinderte, ans Spiel zu kommen, ist nicht bekannt.

 

Laut Xherdan Shaqiri ist die Nati so oder so “auf bestem Weg in Richtung Brasilien”. Es würde aber sicher nicht schaden, wenn die nächsten Gegner aus einem finanziell stabileren Land kämen, für alle Fälle.