Kultur | 19.03.2013

In Basel spielt die Musik

Text von Chiara Nauer | Bilder von Thanh Duy Pham
Einmal im Jahr finden in Basel an zwei Abenden dutzende Konzerte statt - in den verschiedensten Clubs der Stadt. Der Anlass nennt sich BScene und will der lokalen Musikszene unter die Arme greifen. Bei klirrender Kälte draussen sorgten Hardrock, Electro-Pop und HipHop am Freitagabend drinnen für heisse Stimmung.
Cool, talentiert und punkig: Drei von vier Jungs der Bitch Queens. Der Name laFayette wirkt unschuldig, und so sanft klingt auch ihre Musik. Zehn Jahre stehen Navel schon auf der Bühne.
Bild: Thanh Duy Pham

Um halb zwei Uhr morgens fanden die letzten Konzerte statt:

In der Reithalle traten die Bitch Queens auf. Die vier Männer waren alle schwarz gekleidet, oben nur mit einer Weste, sodass man die gut oder auch weniger gut trainierten Bäuche bewundern konnte. Auffälliges Glitzerpuder umrahmte ihre Augen, und bei einem der Gitarristen zierte rote Farbe die Lippen. Schon ein bisschen angetrunken wies der Bassist darauf hin, dass bei den Bitch Queens gerockt werde, komme was wolle. Eine Gruppe im Publikum setzte das gleich in Tat um und begann einen Pogo. Davor bespritzte aber einer der Tanzwütigen den Boden mit Bier, so dass geschätzt die Hälfte der Tanzenden umfiel. Denen wurde jedoch sofort auf die Beine geholfen, was grosse Solidarität zwischen den Leuten bewies. Die Mischung aus Punk- und Hardrock war allerdings nicht jedermanns Sache, die Reithalle war nur zur Hälfte gefüllt. Die Bitch Queens sorgten jedoch für eine angenehme musikalische Abwechslung im Programm des BScene.

 

Untypischer Electro

Im Rossstall daneben ging es gleichzeitig ein bisschen anders zu und her. Sanfte Popklänge gemischt mit Electrobeats tönten aus den Lautsprechern. Das Duo aus Basel nennt sich laFayette und besteht aus Jascha Dormann und Simon Hauswirth. Um auch nur einen kurzen Blick auf die beiden zu erhaschen, versuchten sich immer mehr Menschen in den bereits überfüllten Raum reinzuquetschen. Die Musik von laFayette entsprach nicht dem typischen, schnellen Electro, bei dem man sich austoben kann. Wie leichter Nebel schwebten die Klänge in der Luft herum und plötzlich tauchten fernöstliche Klänge auf. Am Rand des Rossstalls standen drei Zuschauer auf einer Erhöhung, tanzten ausgiebig zur Musik und versuchten, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken. Was ihnen leider nicht gelang, da die Zuschauer sich nur auf die Darbietung auf der Bühne konzentrierten.

 

Harmonie zwischen Gitarre und Bass

Eineinhalb Stunden vorher gaben Navel in der Reithalle ordentlich Gas. Auch sie hatten etwas Düsteres und Nachdenkliches an sich. Nebst rockigen, lauten Passagen wurden oft lange Akustikparts eingebaut. Die Kombination aus Gitarre und Bass klang fast zu perfekt und der Frontsänger zeigte, dass er nicht nur seine Stimme sehr gut im Griff hat, sondern auch auf der Gitarre einiges zu bieten hat. Geredet wurde von Navels Seite nicht viel, was auch überhaupt nicht nötig war. Ihre Musik spricht für sich selbst.

 

Geiler als ich?

Wieder etwas über eine Stunde vorher stand das Trio “Geiler As Du” aus Luzern das erste Mal auf einer Basler Bühne – was sie ständig erwähnten. Der für ihr Debüt auf hiesigen Bühnen auserwählte Club war das Singerhaus in der Nähe des Marktplatzes. Der Einstieg machten sie mit dem Lied “Enter Sandman” von Metallica, dem der Dj LUi G seine eigenen Beats hinzufügte. Danach kamen die Rapper Luzi und Mike dazu, um Stimmung in das Lokal zu bringen. Die wenigsten im Publikum kannten die Band, was sich aber nicht als Nachteil erwies. Denn die, die gekommen sind, wollten zu HipHop  tanzen und gaben ihr Bestes. Das Konzert war nicht besonders abwechslungsreich, aber trotzdem gut. Als Zugabe spielten sie “Trampolin” – das Lied, das ständig auf srfvirus.ch zu hören ist. Und so sprangen nicht nur die Jungs auf der Bühne höher und höher, sondern auch das Publikum.

 

Kalte Geschichte

Trotz den 3 Grad Celsuis war das BScene im Jahr 2013 sehr gut besucht. Auf dem Vorplatz der Kaserne brachten sich die Leute mit Alkohol in Stimmung, und drinnen gab es viel Gelächter und sehr gut besuchte Konzerte. Den Tipp, das Fahrrad mitzunehmen, sollten die Veranstalter das nächste Jahr am Besten gleich auf alle Plakat drucken lassen. Denn die Distanzen zwischen den vereinzelten Clubs sind für Fussgänger teilweise nicht zu unterschätzen. Dafür ist das Programm umso lobenswerter. Denn von Heavy Metal im Hirscheneck bis hin zu Blues im Parterre war alles vertreten. Und auch die Grundidee, die Basler Musikszene zu unterstützen, entpuppt sich als eine Bereicherung für das Nachtleben.

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