Kultur | 12.03.2013

Erfrischend unberechenbar

Text von André Müller | Bilder von zvg
Der Film "3 Zimmer/Küche/Bad" folgt einer Gruppe Mitzwanzigern durch ihre Umzüge und Beziehungen quer durch Berlin. Nach einer langen Anlaufphase gefällt die Komödie durch schöne Pointen und Bilder.
Wer seine Möbel und Gefühle zügelt, ist auf gute Freunde angewiesen.
Bild: zvg

Bekannte aus Deutschland lassen sich recht gut in zwei Gruppen einteilen: Die einen lieben, die anderen hassen Berlin. Ob das auch für Filme aus Berlin gilt? Nun, wer es mit der deutschen Hauptstadt gut kann, wird an “3 Zimmer/Küche/Bad” auf jeden Fall seine Freude haben. Wer sich aus Altbauwohnungen und Analogkameras nicht viel macht, kriegt zumindest eine launige Beziehungskomödie zu sehen.

 

Von Wohnung zu Wohnung

Doch von Anfang an: Regisseur Dietrich Brüggemann (“Renn, wenn du kannst”) folgt in seinem zweistündigen Streifen einer Gruppe junger Menschen, die in Berlin leben und lieben: Maria (Aylin Tezel) zieht extra aus Freiburg in die grosse Stadt, um ihrem Freund Philipp (Jacob Matschenz) während des Studiums näher zu sein. Sie wird den Verdacht jedoch nicht los, dass der sich eigentlich mehr für seine beste Freundin Dina (Anna Brüggemann) interessiert. Philipps Schwester Wiebke (Katharina Spiering) wiederum sucht einen Mann, der sie nicht einfach nach einigen Wochen wieder fallen lässt.

 

Nach einem etwas langen Einstieg und einigen klischierten Dialogen (“Wir können doch einfach gute Freunde bleiben!”) nimmt der Film in einer Szene unter dem Weihnachtsbaum im Hannoverschen Familienhaus aber an Fahrt auf, als die Eltern von Philipp, Wiebke und Swantje (Amelie Kiefer) ein überraschendes Geständnis ablegen. Es folgen unterhaltsame Pointen und ein abenteuerlicher Wechsel an Lebensabschnittspartnern und Altbauwohnungen.

 

“Every generation is fooled again”

Der Film bleibt letzlich ein Generationenporträt: Es geht um junge Leute, die nicht zufrieden sind mit dem Status Quo, Dinge verändern, und mit dem Resultat schliesslich auch nicht zufrieden sind. Die Protagonisten leben im “Vielleicht” und werden lange Zeit mehr in ihre Entscheidungen hineingestossen, als dass sie sie aus freien Stücken treffen. Die Wohnung zwingt die Lebenskünstler aber früher oder später zur Entscheidung, denn eine Wohnung hat man oder man hat sie nicht. Entweder man lebt zusammen oder getrennt.

 

Dieser unbeweglichen Realität gegenüber steht die ganze bewegliche Habe der Akteure, die sie mitsamt ihrem Gefühlshaushalt von einer Wohnung in die nächste bugsieren müssen – was nur mit Hilfe von guten Freunden zu bewältigen ist. Bisweilen wagt der Film zudem einen Blick auf die Generation der Eltern und zeigt auf, wie auch sie in ihre grossen Entscheidungen, in ihr Elternsein und die Sesshaftigkeit, hineingestossen wurden und sich dabei mitunter kreuzfalsch entschieden haben. “Every generation is fooled again”, singen The Indelicates dazu ganz passend.

 

Überraschend bis zum Schluss

Was kann man von “3 Zimmer/Küche/Bad” erwarten? Gewisse Probleme der Protagonisten versteht man als Bernerin oder Zürcher vielleicht nicht: An einer Wohnung für 380 Euro gibt es wirklich nichts auszusetzen. Aber nun gut: Andere Länder, andere Mieten. Schon eher stören die streckenweise gar schematischen Beziehungsdialoge. In guter Erinnerung bleiben jedoch die schönen Aufnahmen aus Berlin und ganz Deutschland und die passend gewählte Musik: Mit “Nichts wie wir-˜s kennen” liefern “die Sterne” die musikalische Quintessenz des Films.

 

Auch die Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, vor allem der wortkarge Grafiker Thomas (Robert Gwisdek). Schliesslich bleibt der Film erfrischend unberechenbar – und gleicht darin der Komödie um den neuen Berliner Flughafen: Man weiss nie, wann und wie sie wohl zu Ende geht. Dieses Schauspiel ist – zumindest in seiner filmischen Variante – ganz unterhaltsam.

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