Kultur | 27.03.2013

“Die Zürcher müssen wir noch überzeugen”

Text von Samara Leite Walt | Bilder von zvg
Vergangenen Samstag räumte die Band Pedro Lehmann am m4music Festival den Nachwuchspreis sowohl in der Kategorie Rock als auch in der Hauptkategorie "Demo of the Year". Er ist mit 5000 Franken dotiert. Pedro Lehmann, das sind Sven Wüst (23) und Yannick Gächter (23), zwei Landeier aus dem St. Galler Rheintal, die die Kritiker schon längst überzeugt haben und nun drauf und dran sind auch andere in ihren Bann zu ziehen.
Pedro Lehmann - Sieger der diesjährigen Demotape Clinic, links Yannick Gächter rechts Sven Wüst.
Bild: zvg

Soeben ist euer Clip zu “Hurricane” erschienen, dann noch eure Teilnahme am Demo Tape Clinic Wettbewerb des m4music Festivals in Zürich. Und nun erscheint diesen Freitag eure Platte “Lost Control”. Scheint eher als hättet ihr derzeit alles im Griff – Also nix mit: Die Kontrolle verloren haben…

Yannick: Jepp, scheint so. Sieht so aus als wär-˜s total durchgeplant. Ist es aber überhaupt nicht… Dumme Zufälle und verspätete Abgabetermine haben einfach dazu geführt.

Sven: Als wir damals unserem Album den Namen gaben, hatten wir das Gefühl, die Kontrolle über unser eigenes Schaffen, über die Musik zu verlieren. Daher fanden wir es einen Namen, der die gesamte Schaffensphase ziemlich gut auf den Punkt bringt. Einer unserer Songs, der ebenfalls “Lost Control” heisst, greift diese Thematik auch nochmals auf. Wenn man die Platte zudem mit seinem Vorgänger, der in dem Sinne gar keinen Namen trug, vergleicht, erscheint es manchmal so, als habe es unsere Musik endlich geschafft, auszubrechen, sich zu entwickeln. Das zuzulassen, kam auch einem kleinen Kontrollverlust nahe.

 

Im Herbst seid ihr noch in der Rossi Bar vor halb leeren Rängen aufgetreten, letzen Samstag vor mehreren tausend Leuten im Schiffbau. Und demnächst könnt ihr im renommierten Cabaret Voltaire aufspielen. Seid ihr in dieser kurzen Zeit musikalisch so gewachsen, oder haben die Zürcher endlich gelernt eure Musik zu schätzen?

Yannick: Ich weiss nicht, ob die Zürcher gelernt haben unsere Musik zu schätzen. Die Branchen-Kenner konnten wir letztes Wochenende für uns gewinnen. Die Zürcher müssen wir noch überzeugen.

 

Ihr habt bereits vor zwei Jahren an einem Nachwuchswettbewerb namens BandXost teilgenommen und dort ebenfalls gewonnen. Hat euch jener Wettbewerb weitergebracht?

Sven: Wir wurden Dritte, zählt das als “gewinnen”?

Yannick: Hey, durch diesen Wettbewerb haben wir unseren Tontechniker, mit dem wir “Hurricane” aufgenommen haben, kennengelernt. Also ein grosses JA!

 

Apropos “Ost”, ihr seid aus dem St. Galler Rheintal. Hand aufs Herz, rein rocktechnisch gibt’s da nicht viel, das über die Kantonsgrenzen schwappt. Führt denn die Kaff-Einöde nicht zwangsläufig zu Kreativitätsausbrüchen?

Yannick: Ich glaube, dass das Rheintal unser Vorteil war und ist. Dadurch, dass wir von dort sind, konnten wir ungestört unsere Musik machen, ohne uns in einer Szene behaupten zu müssen. So konnten wir unseren eigenen Stil finden.

Sven: Nicht alle Menschen können auf die gleiche Art und Weise arbeiten, oder besser gesagt mit den gleichen Mitteln. Viele Leute brauchen eine “Szene”, um etwas zu schaffen, um ihre kreativen Ideen umzusetzen. Wir sind eher die Typen die finden, dass wir nicht unbedingt aus einer Bewegung kommen müssen, um etwas zu machen. Takte sind das Wichtigste und der Rest geschieht eh im Proberaum.

 

Vor einiger Zeit habt ihr dem Rheintal “Adieu” gesagt und lebt heute in Zürich. Ist nun jegliche vorhin angepriesene Inspiration dahin? Oder ist eure Musik doch nicht so ortsgebunden?

Yannick: Ortsgebunden ist sie nicht. Aber um uns zu entfalten, war es perfekt.

Sven: Ein Teil von Pedro Lehmann lebt in Zürich, der andere wieder in Altstätten. Was wiederum gar nicht so schlimm ist, wie es sich gerade anhört. Ich denke unsere Musik ist überhaupt nicht ortsgebunden. Wie schon erwähnt, benötigen wir zum Schreiben von Musik keine Szene.

Yannick: Und ich bin immer noch jede Woche im Rheintal. Uns hat bisher das Geld für einen Bandraum in Zürich schlichtweg gefehlt.

 

Liest man im Internet Beiträge über euch, bezeichnen euch viele als Post-Punk-Gruppe. Wiederum andere vergleichen euch gar mit Grössen wie Radiohead oder Joy Division. Ihr sagt jedoch ganz bescheiden: “Es gibt Musik, die kommt angeschlichen, klopft leise an der Tür und macht «keine Szene». Pedro Lehmann schreibt solche Songs.” Was haltet ihr davon, dass allem immer ein Stempel aufgedrückt werden soll?

Sven: Wir halten nicht viel von Etiketten oder vom Schubladisieren. Wenn Leute es nötig finden, etwas in einen Topf zu werfen, sollen sie es doch tun. Ich finde man soll sich unsere Musik einfach anhören…

…Obwohl uns der Vergleich mit Radiohead oder Joy Division natürlich schon ziemlich schmeichelt.

Yannick: Mich stört es nicht. Wir machen einfach unser Ding. Ob es sich nun ähnlich anhört wie etwas anderes, wen juckt-˜s?

 

Na dann: Wäre eure Musik eine Farbe, welche wäre sie?

Yannick: Hmm, ich würde sagen weiss, weil man schwarz erwarten würde…

Sven: Genau! Ist noch cool, weil weiss ist ja eigentlich keine richtige “Farbe”, schlussendlich ist sie aber trotzem wieder die Summe aller Farben.

 

Info


Pedro Lehmann sind am 9. April im Cabaret Voltaire in Zürich zu sehen.

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