Gesellschaft | 19.03.2013

Die Berner Fachhochschule stellt aus

Text von Sina von Aesch | Bilder von zvg
Jährlich stellt die Berner Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau die Bachelor- und Masterarbeiten aus. In diesem Jahr stehen sie unter dem Titel "Freiräume" - noch bis am 22. März im Kornhausforum Bern.
Die Architekturstudenten entwickelten Projekte für das verdichtete Bauen und experimentierten mit neuen Entwurfstechniken.
Bild: zvg

Am Eingang des Kornhausforums werden die Besucherinnen und Besucher von Studentinnen und Studenten begrüsst. Sie sind jedoch nicht persönlich anwesend, sondern legen ihren Standpunkt zum Thema Freiräume in Videobotschaften dar.

 

Ein Anker für Ins

Auf dem Weg durch die Ausstellung kommt man an den unterschiedlichsten Projekten vorbei: Von Kulturzentren über ökonomisches Wohnen in Indien bis zu einem Baumwipfelpfad im Toggenburg haben die Studenten alle erdenklichen Nischen ausgenützt, um darin ihre Projektideen zu verwirklichen.

Ein besonders interessantes Projekt ist das Albert-Anker-Museum in Ins. Hierbei haben die Studentinnen und Studenten ausgezeichnete Arbeit geleistet, indem sie ein Museum geplant haben, das Kultur und Heimat auf spannende Art verbindet. Das Projekt wurde bei einem Wettbewerb von NZZ campus als drittbeste Bachelor-Abschlussarbeit prämiert und steht zurzeit noch in der Planungsphase, ist also noch nicht realisiert worden. Die Idee sticht insbesondere hervor, weil sie Tradition und Innovation verbindet.

 

In der Ausstellung befinden sich diverse Zitate von Studenten, die das Gesehene zusammenfassen und den Besucherinnen und Besucher eine Übersicht verschaffen. Ansonsten sind aber weder Einstieg noch sonstige Strukturen, wie ein klassischer Rundgang, zu finden. Die Ausstellung wurde bewusst so eingerichtet, dass sich die Besucherinnen und Besucher völlig frei bewegen können.

 

Verantwortung verpflichtet

Freiräume und die damit verbundene Freiheit haben nur Vorteile, wenn man den befragten Studenten Glauben schenken will. Einzig ein Student weist darauf hin, dass Freiraum zu haben, für ihn auch heisst, Verantwortung übernehmen zu müssen. Leider wurde das Spannungsfeld von Freiraum und Verantwortung in der Ausstellung nicht weiter vertieft.

Gerade die Diskussion im Zusammenhang mit dem Raumplanungsgesetz fehlt. Hilfreich wäre es gewesen, Stimmen von Fachleuten zu hören. Denn diese Thematik ist nicht nur politisch aktuell, sie berührt auch Emotionen, die durch Unsicherheiten und Unwissen über die aktuelle räumliche Lage in der Schweiz geprägt sind.

 

Kreative Ideen für die Zukunft

Abgesehen von der kritikarmen Auseinandersetzung mit der Thematik Freiraum, ist die Ausstellung dennoch sehenswert, weil sie auf junge und frische Art zeigt, wie wichtig Freiräume fürs Wohlbefinden einer Gesellschaft sind. Wenn man über die Architektur spricht, sieht man oft nur das Gebäude an sich. Oftmals werden Bauten an Bauten gereiht und der Freiraum dazwischen geht vergessen. Genau dieses “Dazwischen” jedoch ist es, das eine Siedlung oder einen Ort letztlich ausmacht.

 

Die Ausstellung zeigt, wie viele kreative Möglichkeiten vorhanden sind, aus scheinbar brachliegendem Platz, lebenswerten Raum zu kreieren. Sie hat dabei nicht den Anspruch, die einzig richtige Lösung für die Platzprobleme in der Schweiz zu kennen. Vielmehr gibt sie mit ihren Ideen Denkanstösse in eine spannende Richtung.

 

Es lohnt sich, die Ausstellung schon jetzt zu besuchen und sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Schon jetzt, zu einem Zeitpunkt, an dem noch leicht und frisch mit den bevorstehenden Problemen umgegangen werden kann. Zu einem Zeitpunkt, an dem das Planen und Fantasieren, Lösungen suchen und finden, noch Spass macht. Weil wir noch dürfen und nicht schon müssen.