Gesellschaft | 26.03.2013

Der Sommer fällt ins Wasser

Text von Céline Tschannen | Bilder von zvg/Helvetas
Letzten Sonntag haben auf dem Bundesplatz die Wasserspiele wieder begonnen. Wie viel Wasser dafür aber benötigt wird, merkt niemand - nicht einmal Helvetas. Die rufen aber auf dem Nachbarplatz zum Wasserspenden auf.
Aktion der Helvetas auf dem Bärenplatz in Bern.
Bild: zvg/Helvetas

Wer letzte Woche in Bern über den Bärenplatz gegangen ist, wird sich gewundert haben: Ein grosses eingepacktes Etwas stand dort, wo normalerweise ein Brunnen steht. Eine riesige, rote Geschenkverpackung mit einer gelben Schleife umgebunden. Doch nicht nur in Bern waren solche Riesengeschenke zu bewundern. Auch in anderen Schweizer Städten traf man auf sie.

 

Helvetas schenkt Wasser

Die ganze Mühe gemacht hat sich die Organisation Helvetas. Auf den verpackten Brunnen steht geschrieben: “Wasser ist ein Geschenk. 800 Millionen Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.” Mit dieser Aktion macht Helvetas auf ihre nationale Kampagne aufmerksam, genannt “Mein-Wunsch.org”. Geburtstagskinder können dort Angehörige und Freunde einladen, um für sauberes Trinkwasser zu spenden.

Am 22. März 2013, dem Weltwassertag, entüllte Helvetas ihre Brunnen. Natürlich nicht selbst, die Berner Gemeinderätin Therese Frösch (Grüne), packte tatkräftig mit an.

 

Wasserschlucker auf dem Bundesplatz

Die Aktion mit dem Trinkwasser scheint gelungen zu sein. Wenn man aber bedenkt, was zwei Tage später wieder aus dem Winterschlaf erweckt wurde, könnte man stutzig werden: Letzten Sonntag eröffnete auf dem Bundesplatz das diesjährige Wasserspiel. Die Wasserfontänen laufen von nun an wieder täglich von elf Uhr mittags zwölf Stunden lang. 26 Fontänen sind es, eine für jeden Kanton.

Bern steht somit in einem Zwiespalt: An einer Ecke in der Stadt wird für das Wasserspenden geworben und zwanzig Meter davon entfernt, werden jährlich ungefähr 70 Millionen Liter Wasser ungenutzt in die Luft gespritzt.

 

Genauer hingesehen, ist die Wassermenge etwas zu relativieren. Das Wasser wird, nachdem es sich aufgetürmt hat, wieder in einem Rücklaufbecken unterhalb des Bundesplatzes gesammelt. Danach fliesst es durch Pumpen in Sandfilteranlagen und wird desinfiziert. Anschliessend folgt ein zweites Becken und das gesammelte Wasser wird von dort aus wieder in die Düsen gepumpt. Das Wasser, dass durch die Verdunstung verloren geht, wird mit dem Wasser aus Abwasserleitungen der Brunnen in der Umgebung ersetzt. Es handelt sich also um ein geschlossenes System.

 

Schweizer Wasserkönige

Als Wasserschloss Europas wird die Schweiz oft bezeichnet. Weshalb das Wasser auf dem Bundesplatz also nicht gebrauchen, wenn es reichlich vorhanden ist und in einem geschlossenen System gehalten wird? Was sollte sonst damit getan werden – verschickt? Würde es nicht so genutzt, würde es eben in der Aare Richtung Hagneck fliessen.

 

Auf die Frage, ob die Wasserspiele denn eine Wasserverschwendung sind, antworten die Passanten auf dem Bundesplatz unterschiedlich. Es sei in gar keiner Art eine Verschwendung des Wassers. Im Gegenteil: Die Menschen erfreuen sich doch am Wasserspiel, meint etwa ein älterer Herr. Eine Besucherin erinnert sich noch an die Zeit vor dem jetzigen Bundesplatz: “Dort waren alles nur Parkplätze. Ich bin froh, hat man etwas daraus gemacht, was Jung und Alt Freude bereitet.” Andrina aus Bolligen unterstützt das: “Im Sommer wenn es warm ist, springe ich mit meinen Freunden manchmal in die Wasserdüsen. Egal wie alt man ist, es macht immer Spass. Auch als Touristenattraktion wird es wohl gut sein.”

 

Das sieht Viktoria aus Deutschland hingegen anders. Sie habe zwar davon gehört, es aber noch nie wirklich gesehen. Sie würde jetzt nicht unbedingt wegen diesen Fontänen den Bundesplatz besuchen. Ein Student meint ausserdem, dass es nicht nur um den Wasserverbrauch an sich gehe, sondern auch um die benötigte Energie und die Verwendung von Chemikalien für die Reinigung. Zudem sollte man sich bewusst sein, was es heisse, an einem Flussoberlauf Wasser zu entnehmen. In Kenia zum Beispiel gibt es Konflikte, weil mit dem Wasser aus dem Oberlauf nicht effizient umgegangen wird und deshalb die Flussläufe im Unterland austrocknen. Des Weiteren wird aufgrund der Gletscherschwunde in Zukunft auch in der Schweiz während dem Sommer vermehrt mit Trockenperioden gerechnet werden müssen. Denn die Gletscher sind für einen Grossteil des Wasserabflusses im Sommer verantwortlich.

 

Blieb lediglich die Frage zur Enttäuschung, weil das Gerücht mit den Goldbarren unterhalb des Bundesplatzes nicht stimmen könne. Die meisten Passanten legten ein schiefes Grinsen auf. Nur einer meinte unbeeindruckt: “Vielleicht bunkern die Goldbarren ja zwei Meter tiefer im Boden als die Pumpanlagen?”