Kultur | 26.03.2013

Bunte Lichter und triste Gesichter

Text von Rade Jevdenic | Bilder von Ice Graf
Der schöne Anblick einer bunt beleuchteten Stadt Bern war vergangenen Freitag an der Museumsnacht wohl genauso gewöhnungsbedürftig wie die eher mühsamen Wartezeiten vor den Museen und Institutionen, welche sonst eher über mangelnde Besucherzahlen klagen.
Bild: Ice Graf

Das Wetter wusste mitzuspielen, als vergangenen Freitag die rund 108-˜200 Besucher der Museumsnacht durch die Berner Strassen und Gassen spazierten. Doch wie schon in den Jahren zuvor, musste man vielerorts mehr draussen anstehen, als man sich drinnen umsehen konnte. Unsere Tink.ch-Reporter Rade Jevdenic und Manuel Lopez nahmen einen Augenschein vor Ort.

Jugend fragt!

Kurz nach 18 Uhr beginnt im Bundeshaus der erste Programmpunkt “Jugend debattiert”. Es ist das Finale eines Projekts, welches in der Schweiz Jugendliche zum debattieren animieren will. Die Debatte fängt jedoch kein Feuer, als die Nationalräte Maya Graf (Grüne), Lukas Reimann (SVP) und Jean-François Steiert (SP) sich den Fragen der im Nationalratssaal zahlreich erschienenen politinteressierten Jugendlichen stellen. Anstatt aufregender Streitgespräche und interessanter Einwände wird in einer Interview-Manier der Ball zwischen Jugendlichen und Nationalräten hin und her gespielt. An vorherige Diskussionspunkte wird leider kaum angeknüpft.

Maya Graf reagiert dabei sogar auf die Frage nach dem Lohn der schweizerischen Nationalräte sehr empfindlich: “Wenn wir jeden Tag hören, was andere so verdienen (Lachen im Saal), dann ist unser Lohn fast bescheiden.” Schliesslich sei der Nationalrat eines der günstigsten Parlamente weltweit. Im Gang vor dem Saal trifft man auf Bundesrat Ueli Maurer, welcher derweil zufrieden durch das Bundeshaus flaniert und so als inoffizieller Teil der Museumsnacht die Blicke auf sich zieht.

Schichten und Schächte

Im Hotel Bellevue wird derweil ein 13-gängiges-Luxusmenu inszeniert. Die vielen Statisten, welche an die Oberschicht vergangener Zeiten erinnern, tuscheln dezent am Tisch, während so manche Betrachter mit ihren Mobiltelefonen angeregt Bilder schiessen. Vergangenes Jahr bereits deckte das Bellevue die Tische für die Museumsnacht. Und auch wie letztes Jahr wurden wieder haufenweise Süssgebäcke, leider nur zum bestaunen, aufgestellt. Das war dann auch der einzige grosse Unterschied zum Vorjahr: Besucher suchen am Freitag vergebens nach Gratis-Esshäppchen.

Weniger süss geht es im Rathauskanal zu. Der Abwasserkanal wurde im 17. Jahrhundert erbaut, ist immer noch in Betrieb und riecht dementsprechend. Man könnte deshalb meinen, dass sich kaum ein Besucher dafür begeistern lässt, über die Leiter in die engen Gänge hinunterzusteigen. Jedoch: die Eintritte für den Rundgang durch den Schacht sind bereits gegen 18:30 Uhr ausverkauft. Das Durchqueren des Schachts dauert dann ca. 10 Minuten und hat, von der etwas besonderen Umgebung abgesehen, kein weiteres Highlight zu bieten.

Für die Werbeeinblendung des Abends sorgt der Bärenpark mit der sogenannten “Bern-Show”. Eingeleitet wird die kurze Inszenierung mit einer mehrminütigen, multimedialen Präsentation der historischen Vergangenheit der Stadt Bern. Schade war, dass danach ein genau so langer Werbezusammenschnitt der Berner Tourismusagentur, die Gäste eher amüsierte als informierte. Das mit dem Bärenpark, der Zytglogge und sogar dem Airport Belp besetzte Video wirkte dabei etwas fehlplatziert und wird den positiven Eindruck der Geschichtspräsentation rund um die Patrizier und Adrian von Bubenberg abgeschwächt haben.

Bettgeflüster in der Kunsthochschule

Das umfangreichste Programm des Abends findet sich fernab des Trubels der Altstadt, auf dem Gelände der Hochschule der Künste Bern. Neben Lichtinstallationen, Jazz- und Opereinlagen, kann man sich auf der Hauptbühne der Schauspielhochschule in einem Bett von Studierenden eine Gutenachtgeschichte vorlesen lassen. Auch Schauspielstudentin Nadja empfängt Besucherinnen und Besucher auf Ihrem Bett und erzählt von interessanten Begegnungen: “Manche antworten auf die Gutenachtgeschichten, indem sie etwas aus ihrem eigenen Leben erzählen.” Die Idee hinter dem Anlass sei, als Kontrast den Besuchern auch etwas Ruhe und Entspannung zu bieten. Bei dem vielen Anstehen und Bestaunen in den Museen wurde dabei offensichtlich ein Nerv getroffen. Beweis dafür ist, dass in der grossen Halle bereits eine schläfrige Atmosphäre herrscht. “Es ist sehr ungewohnt, dass die Hauptbühne, auf welcher wir sonst proben, nun wie ein Schlafzimmer aussieht”, so die 21-Jährige.

Weniger entspannt ging es in der Warteschlange des bernischen historischen Museums zu und her, wo die Museumsnachtgänger besonderen Willen beweisen mussten und viele dies durch lange, triste Gesichter bekundeten. Gegen 23 Uhr stehen die Teilnehmenden der Führung bereits zweieinhalb Stunden in der Kälte an, um einige der Terrakottakrieger der chinesischen Qin-Dynastie zu bestaunen. Die Führung ist trotz des rassigen Tempos sehr informativ und die Exponate beeindrucken neben der Detailiertheit auch durch ihre historische Vergangenheit. Sie wurden nämlich erst vor 30 Jahren per Zufall entdeckt, und bis heute wurden nur rund 2’000 der schätzungsweise 8’000 Skulpturen freigelegt.