Kultur | 27.03.2013

Ausstellung gegen Ahnungslosigkeit

Vom 14. März bis 4. April findet in der französischen Kirche Bern die Fotoausstellung "Aufbruch in eine neue Zukunft? Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg" statt. Organisiert hat die Ausstellung der Verein Palmyrah. Zu bewundern sind Fotografien von Walter Keller.
Frauen als die Verliererinnen des Bürgerkrieges in Sri Lanka.
Bild: zvg

Mit der Fotoausstellung “Aufbruch in eine neue Zukunft?” will der Verein Palmyrah Solidarität gegenüber der tamilischen Bevölkerung ausdrücken und über die Hintergründe des Kriegs in Sri Lanka aufklären. Mit 50 Fotografien von Walter Keller, der selbst seit vielen Jahren in Sri Lanka arbeitet, thematisiert die Ausstellung die Situation der Tamilinnen und Tamilen nach dem Bürgerkrieg. Der Verein ist ein ökumenisches Partnerschaftsprojekt zwischen Bern und der sri lankischen Stadt Jaffna.

 

Ein Meer von Ahnungslosigkeit

Matthias Hui, Präsident des Vereins Palmyrah, findet, dass man sich als Schweizer Bürger mehr für die tamilische Bevölkerung interessieren sollte, als es jetzt bei der Mehrheit der Fall ist: “In der Schweiz leben rund 40-˜000 Tamilinnen und Tamilen. Die Situation dieser Leute ist oft schwierig, denn sie wissen, dass sie ein Meer von Ahnungslosigkeit umgibt. Die meisten Schweizerinnen und Schweizer haben keine Ahnung und oft wenig Verständnis für die Hintergründe dieser eingewanderten Personen.” Deshalb versucht der Verein Palmyrah dies zu ändern. Die Fotografien von Walter Keller zeigen unterschiedliche Seiten des Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg. Auf Infotafeln wird über den Krieg und die momentane Situation der Tamilinnen und Tamilen informiert.

 

30 Jahre Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka begann 1983 und hielt fast 30 Jahre an. Kurz nachdem das britische Parlament 1948 der Insel die Unabhängigkeit zugestand, spaltete sich die Regierung auf und die SFLP (Sri Lanka Freedom Party) gewann an Macht. Ihr Ziel war, ein rein singhalesisches Sri Lanka zu bilden. Tamilen wehrten sich dagegen, dass ihre Sprache verboten wurde, indem sie Aufstände anzettelten und Anschläge auf Militärposten verübten. Im andauernden Krieg gewann die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelem) die Oberhand auf der Seite der Tamilen. Sie waren die stärkste militärische Kraft auf ihrer Seite und kontrollierte bald die gesamte tamilische Bevölkerung. Der erste Flüchtlingsstrom entstand in den Neunziger-Jahren, als mehr als 100-˜000 Tamilen das Land verliessen. Da Indien sich am Krieg beteiligte, wählten viele dabei westliche Staaten als Fluchtziel.

 

Am Ende bleiben die Frauen

Laut Matthias Hui werden Tamilinnen und Tamilen in der Schweiz oft nicht als Flüchtlinge wahrgenommen. “Mit all diesen fremdenfeindlichen Kampagnen besteht die Gefahr, dass man den Leuten den Eindruck gibt, tamilische Bürger seien hier nicht willkommen”, erklärt er. Dass auch jetzt, nachdem der Bürgerkrieg offiziell zu Ende ist, die Situation in Sri Lanka noch immer schwierig ist, versucht der Verein Palmyrah mit seiner Ausstellung klar zu machen.

 

Besonders betroffen sind die Frauen Sri Lankas. Viele von ihnen verloren im Krieg ihre Männer. Durch ihren Witwenstatus ist nicht nur ihr Ansehen in der Gemeinde stark geschmälert worden, es steht auch ihre gesamte Existenz auf dem Spiel. Sri Lanka ist ein Land, das fast ausschliesslich von der Landwirtschaft lebt. Die Bewohner verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Fischerei und Teeproduktion. Frauen waren vor dem Krieg traditionell für Haus, Hof und Kinder zuständig. Mit dem Verlust ihrer Männer übernahmen sie gezwungenermassen die Verantwortung für den gesamten Aufgabenbereich.

 

Die Situation verschärft sich zusätzlich durch den Umstand, dass die tamilischen Regionen nach wie vor durch das Militär der Regierung kontrolliert werden. In der Ausstellung wird darüber berichtet, dass Frauen immer wieder Opfer von Missbrauch und Gewalt werden.

 

Heilung finden im Glauben

Im Gegensatz zu dieser tragischen Seite des Krieges stehen die Bilder der überaus farbenfrohen Kultur dieses Landes. Die tamilische Bevölkerung pflegt seit dem Krieg vermehrt ihre alten Bräuche, da sie sich durch die Opfergaben Heilung und Frieden für ihre Seelen erhofft. Der Hinduismus wird in Sri Lanka in einer ausgeprägten Form ausgeübt, denn damit trösten sich die Menschen und schöpfen erneut Hoffnung.

 

Hier in der Schweiz lebt die tamilische Bevölkerung ihre Religion viel zurückhaltender, die Feste werden gemässigt gefeiert. Es stellt sich die Frage, ob sie genug Raum haben, ihre Religion zu leben oder ob es hier noch Arbeit zu leisten gibt. Laut Matthias Hui sei der Bedarf mit den drei Tempeln in der Stadt Bern zurzeit gedeckt. Seine Erfahrung zeige, dass die Tamilinnen und Tamilen meist zufrieden sind.

 

Mitgefühl und Verständnis

Nach dem Besuch der Ausstellung bleibt ein mulmiges Gefühl. Die Bilder hängen im Gedächtnis fest und haben es geschafft, Interesse und Mitgefühl zu wecken. Die Ausstellung will einen ersten Schritt zu mehr Verständnis und Toleranz untereinander bewirken. Und wenn es auch kein riesiger Schritt ist – möglicherweise schafft sie es, dass der Postträger beim nächsten Brief mit dem Namen “Parawan Pararajasgjman” nicht mehr die Stirn runzelt, sondern lächelt.

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