Ausstellung gegen Ahnungslosigkeit

Mit der Fotoausstellung “Aufbruch in eine neue Zukunft?” will der Verein Palmyrah Solidarität gegenüber der tamilischen Bevölkerung ausdrücken und über die Hintergründe des Kriegs in Sri Lanka aufklären. Mit 50 Fotografien von Walter Keller, der selbst seit vielen Jahren in Sri Lanka arbeitet, thematisiert die Ausstellung die Situation der Tamilinnen und Tamilen nach dem Bürgerkrieg. Der Verein ist ein ökumenisches Partnerschaftsprojekt zwischen Bern und der sri lankischen Stadt Jaffna.

 

Ein Meer von Ahnungslosigkeit

Matthias Hui, Präsident des Vereins Palmyrah, findet, dass man sich als Schweizer Bürger mehr für die tamilische Bevölkerung interessieren sollte, als es jetzt bei der Mehrheit der Fall ist: “In der Schweiz leben rund 40-˜000 Tamilinnen und Tamilen. Die Situation dieser Leute ist oft schwierig, denn sie wissen, dass sie ein Meer von Ahnungslosigkeit umgibt. Die meisten Schweizerinnen und Schweizer haben keine Ahnung und oft wenig Verständnis für die Hintergründe dieser eingewanderten Personen.” Deshalb versucht der Verein Palmyrah dies zu ändern. Die Fotografien von Walter Keller zeigen unterschiedliche Seiten des Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg. Auf Infotafeln wird über den Krieg und die momentane Situation der Tamilinnen und Tamilen informiert.

 

30 Jahre Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka begann 1983 und hielt fast 30 Jahre an. Kurz nachdem das britische Parlament 1948 der Insel die Unabhängigkeit zugestand, spaltete sich die Regierung auf und die SFLP (Sri Lanka Freedom Party) gewann an Macht. Ihr Ziel war, ein rein singhalesisches Sri Lanka zu bilden. Tamilen wehrten sich dagegen, dass ihre Sprache verboten wurde, indem sie Aufstände anzettelten und Anschläge auf Militärposten verübten. Im andauernden Krieg gewann die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelem) die Oberhand auf der Seite der Tamilen. Sie waren die stärkste militärische Kraft auf ihrer Seite und kontrollierte bald die gesamte tamilische Bevölkerung. Der erste Flüchtlingsstrom entstand in den Neunziger-Jahren, als mehr als 100-˜000 Tamilen das Land verliessen. Da Indien sich am Krieg beteiligte, wählten viele dabei westliche Staaten als Fluchtziel.

 

Am Ende bleiben die Frauen

Laut Matthias Hui werden Tamilinnen und Tamilen in der Schweiz oft nicht als Flüchtlinge wahrgenommen. “Mit all diesen fremdenfeindlichen Kampagnen besteht die Gefahr, dass man den Leuten den Eindruck gibt, tamilische Bürger seien hier nicht willkommen”, erklärt er. Dass auch jetzt, nachdem der Bürgerkrieg offiziell zu Ende ist, die Situation in Sri Lanka noch immer schwierig ist, versucht der Verein Palmyrah mit seiner Ausstellung klar zu machen.

 

Besonders betroffen sind die Frauen Sri Lankas. Viele von ihnen verloren im Krieg ihre Männer. Durch ihren Witwenstatus ist nicht nur ihr Ansehen in der Gemeinde stark geschmälert worden, es steht auch ihre gesamte Existenz auf dem Spiel. Sri Lanka ist ein Land, das fast ausschliesslich von der Landwirtschaft lebt. Die Bewohner verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Fischerei und Teeproduktion. Frauen waren vor dem Krieg traditionell für Haus, Hof und Kinder zuständig. Mit dem Verlust ihrer Männer übernahmen sie gezwungenermassen die Verantwortung für den gesamten Aufgabenbereich.

 

Die Situation verschärft sich zusätzlich durch den Umstand, dass die tamilischen Regionen nach wie vor durch das Militär der Regierung kontrolliert werden. In der Ausstellung wird darüber berichtet, dass Frauen immer wieder Opfer von Missbrauch und Gewalt werden.

 

Heilung finden im Glauben

Im Gegensatz zu dieser tragischen Seite des Krieges stehen die Bilder der überaus farbenfrohen Kultur dieses Landes. Die tamilische Bevölkerung pflegt seit dem Krieg vermehrt ihre alten Bräuche, da sie sich durch die Opfergaben Heilung und Frieden für ihre Seelen erhofft. Der Hinduismus wird in Sri Lanka in einer ausgeprägten Form ausgeübt, denn damit trösten sich die Menschen und schöpfen erneut Hoffnung.

 

Hier in der Schweiz lebt die tamilische Bevölkerung ihre Religion viel zurückhaltender, die Feste werden gemässigt gefeiert. Es stellt sich die Frage, ob sie genug Raum haben, ihre Religion zu leben oder ob es hier noch Arbeit zu leisten gibt. Laut Matthias Hui sei der Bedarf mit den drei Tempeln in der Stadt Bern zurzeit gedeckt. Seine Erfahrung zeige, dass die Tamilinnen und Tamilen meist zufrieden sind.

 

Mitgefühl und Verständnis

Nach dem Besuch der Ausstellung bleibt ein mulmiges Gefühl. Die Bilder hängen im Gedächtnis fest und haben es geschafft, Interesse und Mitgefühl zu wecken. Die Ausstellung will einen ersten Schritt zu mehr Verständnis und Toleranz untereinander bewirken. Und wenn es auch kein riesiger Schritt ist – möglicherweise schafft sie es, dass der Postträger beim nächsten Brief mit dem Namen “Parawan Pararajasgjman” nicht mehr die Stirn runzelt, sondern lächelt.

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“Die Zürcher müssen wir noch überzeugen”

Soeben ist euer Clip zu “Hurricane” erschienen, dann noch eure Teilnahme am Demo Tape Clinic Wettbewerb des m4music Festivals in Zürich. Und nun erscheint diesen Freitag eure Platte “Lost Control”. Scheint eher als hättet ihr derzeit alles im Griff – Also nix mit: Die Kontrolle verloren haben…

Yannick: Jepp, scheint so. Sieht so aus als wär-˜s total durchgeplant. Ist es aber überhaupt nicht… Dumme Zufälle und verspätete Abgabetermine haben einfach dazu geführt.

Sven: Als wir damals unserem Album den Namen gaben, hatten wir das Gefühl, die Kontrolle über unser eigenes Schaffen, über die Musik zu verlieren. Daher fanden wir es einen Namen, der die gesamte Schaffensphase ziemlich gut auf den Punkt bringt. Einer unserer Songs, der ebenfalls “Lost Control” heisst, greift diese Thematik auch nochmals auf. Wenn man die Platte zudem mit seinem Vorgänger, der in dem Sinne gar keinen Namen trug, vergleicht, erscheint es manchmal so, als habe es unsere Musik endlich geschafft, auszubrechen, sich zu entwickeln. Das zuzulassen, kam auch einem kleinen Kontrollverlust nahe.

 

Im Herbst seid ihr noch in der Rossi Bar vor halb leeren Rängen aufgetreten, letzen Samstag vor mehreren tausend Leuten im Schiffbau. Und demnächst könnt ihr im renommierten Cabaret Voltaire aufspielen. Seid ihr in dieser kurzen Zeit musikalisch so gewachsen, oder haben die Zürcher endlich gelernt eure Musik zu schätzen?

Yannick: Ich weiss nicht, ob die Zürcher gelernt haben unsere Musik zu schätzen. Die Branchen-Kenner konnten wir letztes Wochenende für uns gewinnen. Die Zürcher müssen wir noch überzeugen.

 

Ihr habt bereits vor zwei Jahren an einem Nachwuchswettbewerb namens BandXost teilgenommen und dort ebenfalls gewonnen. Hat euch jener Wettbewerb weitergebracht?

Sven: Wir wurden Dritte, zählt das als “gewinnen”?

Yannick: Hey, durch diesen Wettbewerb haben wir unseren Tontechniker, mit dem wir “Hurricane” aufgenommen haben, kennengelernt. Also ein grosses JA!

 

Apropos “Ost”, ihr seid aus dem St. Galler Rheintal. Hand aufs Herz, rein rocktechnisch gibt’s da nicht viel, das über die Kantonsgrenzen schwappt. Führt denn die Kaff-Einöde nicht zwangsläufig zu Kreativitätsausbrüchen?

Yannick: Ich glaube, dass das Rheintal unser Vorteil war und ist. Dadurch, dass wir von dort sind, konnten wir ungestört unsere Musik machen, ohne uns in einer Szene behaupten zu müssen. So konnten wir unseren eigenen Stil finden.

Sven: Nicht alle Menschen können auf die gleiche Art und Weise arbeiten, oder besser gesagt mit den gleichen Mitteln. Viele Leute brauchen eine “Szene”, um etwas zu schaffen, um ihre kreativen Ideen umzusetzen. Wir sind eher die Typen die finden, dass wir nicht unbedingt aus einer Bewegung kommen müssen, um etwas zu machen. Takte sind das Wichtigste und der Rest geschieht eh im Proberaum.

 

Vor einiger Zeit habt ihr dem Rheintal “Adieu” gesagt und lebt heute in Zürich. Ist nun jegliche vorhin angepriesene Inspiration dahin? Oder ist eure Musik doch nicht so ortsgebunden?

Yannick: Ortsgebunden ist sie nicht. Aber um uns zu entfalten, war es perfekt.

Sven: Ein Teil von Pedro Lehmann lebt in Zürich, der andere wieder in Altstätten. Was wiederum gar nicht so schlimm ist, wie es sich gerade anhört. Ich denke unsere Musik ist überhaupt nicht ortsgebunden. Wie schon erwähnt, benötigen wir zum Schreiben von Musik keine Szene.

Yannick: Und ich bin immer noch jede Woche im Rheintal. Uns hat bisher das Geld für einen Bandraum in Zürich schlichtweg gefehlt.

 

Liest man im Internet Beiträge über euch, bezeichnen euch viele als Post-Punk-Gruppe. Wiederum andere vergleichen euch gar mit Grössen wie Radiohead oder Joy Division. Ihr sagt jedoch ganz bescheiden: “Es gibt Musik, die kommt angeschlichen, klopft leise an der Tür und macht «keine Szene». Pedro Lehmann schreibt solche Songs.” Was haltet ihr davon, dass allem immer ein Stempel aufgedrückt werden soll?

Sven: Wir halten nicht viel von Etiketten oder vom Schubladisieren. Wenn Leute es nötig finden, etwas in einen Topf zu werfen, sollen sie es doch tun. Ich finde man soll sich unsere Musik einfach anhören…

…Obwohl uns der Vergleich mit Radiohead oder Joy Division natürlich schon ziemlich schmeichelt.

Yannick: Mich stört es nicht. Wir machen einfach unser Ding. Ob es sich nun ähnlich anhört wie etwas anderes, wen juckt-˜s?

 

Na dann: Wäre eure Musik eine Farbe, welche wäre sie?

Yannick: Hmm, ich würde sagen weiss, weil man schwarz erwarten würde…

Sven: Genau! Ist noch cool, weil weiss ist ja eigentlich keine richtige “Farbe”, schlussendlich ist sie aber trotzem wieder die Summe aller Farben.

 

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Pedro Lehmann sind am 9. April im Cabaret Voltaire in Zürich zu sehen.

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Bunte Lichter und triste Gesichter

Das Wetter wusste mitzuspielen, als vergangenen Freitag die rund 108-˜200 Besucher der Museumsnacht durch die Berner Strassen und Gassen spazierten. Doch wie schon in den Jahren zuvor, musste man vielerorts mehr draussen anstehen, als man sich drinnen umsehen konnte. Unsere Tink.ch-Reporter Rade Jevdenic und Manuel Lopez nahmen einen Augenschein vor Ort.

Jugend fragt!

Kurz nach 18 Uhr beginnt im Bundeshaus der erste Programmpunkt “Jugend debattiert”. Es ist das Finale eines Projekts, welches in der Schweiz Jugendliche zum debattieren animieren will. Die Debatte fängt jedoch kein Feuer, als die Nationalräte Maya Graf (Grüne), Lukas Reimann (SVP) und Jean-François Steiert (SP) sich den Fragen der im Nationalratssaal zahlreich erschienenen politinteressierten Jugendlichen stellen. Anstatt aufregender Streitgespräche und interessanter Einwände wird in einer Interview-Manier der Ball zwischen Jugendlichen und Nationalräten hin und her gespielt. An vorherige Diskussionspunkte wird leider kaum angeknüpft.

Maya Graf reagiert dabei sogar auf die Frage nach dem Lohn der schweizerischen Nationalräte sehr empfindlich: “Wenn wir jeden Tag hören, was andere so verdienen (Lachen im Saal), dann ist unser Lohn fast bescheiden.” Schliesslich sei der Nationalrat eines der günstigsten Parlamente weltweit. Im Gang vor dem Saal trifft man auf Bundesrat Ueli Maurer, welcher derweil zufrieden durch das Bundeshaus flaniert und so als inoffizieller Teil der Museumsnacht die Blicke auf sich zieht.

Schichten und Schächte

Im Hotel Bellevue wird derweil ein 13-gängiges-Luxusmenu inszeniert. Die vielen Statisten, welche an die Oberschicht vergangener Zeiten erinnern, tuscheln dezent am Tisch, während so manche Betrachter mit ihren Mobiltelefonen angeregt Bilder schiessen. Vergangenes Jahr bereits deckte das Bellevue die Tische für die Museumsnacht. Und auch wie letztes Jahr wurden wieder haufenweise Süssgebäcke, leider nur zum bestaunen, aufgestellt. Das war dann auch der einzige grosse Unterschied zum Vorjahr: Besucher suchen am Freitag vergebens nach Gratis-Esshäppchen.

Weniger süss geht es im Rathauskanal zu. Der Abwasserkanal wurde im 17. Jahrhundert erbaut, ist immer noch in Betrieb und riecht dementsprechend. Man könnte deshalb meinen, dass sich kaum ein Besucher dafür begeistern lässt, über die Leiter in die engen Gänge hinunterzusteigen. Jedoch: die Eintritte für den Rundgang durch den Schacht sind bereits gegen 18:30 Uhr ausverkauft. Das Durchqueren des Schachts dauert dann ca. 10 Minuten und hat, von der etwas besonderen Umgebung abgesehen, kein weiteres Highlight zu bieten.

Für die Werbeeinblendung des Abends sorgt der Bärenpark mit der sogenannten “Bern-Show”. Eingeleitet wird die kurze Inszenierung mit einer mehrminütigen, multimedialen Präsentation der historischen Vergangenheit der Stadt Bern. Schade war, dass danach ein genau so langer Werbezusammenschnitt der Berner Tourismusagentur, die Gäste eher amüsierte als informierte. Das mit dem Bärenpark, der Zytglogge und sogar dem Airport Belp besetzte Video wirkte dabei etwas fehlplatziert und wird den positiven Eindruck der Geschichtspräsentation rund um die Patrizier und Adrian von Bubenberg abgeschwächt haben.

Bettgeflüster in der Kunsthochschule

Das umfangreichste Programm des Abends findet sich fernab des Trubels der Altstadt, auf dem Gelände der Hochschule der Künste Bern. Neben Lichtinstallationen, Jazz- und Opereinlagen, kann man sich auf der Hauptbühne der Schauspielhochschule in einem Bett von Studierenden eine Gutenachtgeschichte vorlesen lassen. Auch Schauspielstudentin Nadja empfängt Besucherinnen und Besucher auf Ihrem Bett und erzählt von interessanten Begegnungen: “Manche antworten auf die Gutenachtgeschichten, indem sie etwas aus ihrem eigenen Leben erzählen.” Die Idee hinter dem Anlass sei, als Kontrast den Besuchern auch etwas Ruhe und Entspannung zu bieten. Bei dem vielen Anstehen und Bestaunen in den Museen wurde dabei offensichtlich ein Nerv getroffen. Beweis dafür ist, dass in der grossen Halle bereits eine schläfrige Atmosphäre herrscht. “Es ist sehr ungewohnt, dass die Hauptbühne, auf welcher wir sonst proben, nun wie ein Schlafzimmer aussieht”, so die 21-Jährige.

Weniger entspannt ging es in der Warteschlange des bernischen historischen Museums zu und her, wo die Museumsnachtgänger besonderen Willen beweisen mussten und viele dies durch lange, triste Gesichter bekundeten. Gegen 23 Uhr stehen die Teilnehmenden der Führung bereits zweieinhalb Stunden in der Kälte an, um einige der Terrakottakrieger der chinesischen Qin-Dynastie zu bestaunen. Die Führung ist trotz des rassigen Tempos sehr informativ und die Exponate beeindrucken neben der Detailiertheit auch durch ihre historische Vergangenheit. Sie wurden nämlich erst vor 30 Jahren per Zufall entdeckt, und bis heute wurden nur rund 2’000 der schätzungsweise 8’000 Skulpturen freigelegt.

Der Sommer fällt ins Wasser

Wer letzte Woche in Bern über den Bärenplatz gegangen ist, wird sich gewundert haben: Ein grosses eingepacktes Etwas stand dort, wo normalerweise ein Brunnen steht. Eine riesige, rote Geschenkverpackung mit einer gelben Schleife umgebunden. Doch nicht nur in Bern waren solche Riesengeschenke zu bewundern. Auch in anderen Schweizer Städten traf man auf sie.

 

Helvetas schenkt Wasser

Die ganze Mühe gemacht hat sich die Organisation Helvetas. Auf den verpackten Brunnen steht geschrieben: “Wasser ist ein Geschenk. 800 Millionen Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.” Mit dieser Aktion macht Helvetas auf ihre nationale Kampagne aufmerksam, genannt “Mein-Wunsch.org”. Geburtstagskinder können dort Angehörige und Freunde einladen, um für sauberes Trinkwasser zu spenden.

Am 22. März 2013, dem Weltwassertag, entüllte Helvetas ihre Brunnen. Natürlich nicht selbst, die Berner Gemeinderätin Therese Frösch (Grüne), packte tatkräftig mit an.

 

Wasserschlucker auf dem Bundesplatz

Die Aktion mit dem Trinkwasser scheint gelungen zu sein. Wenn man aber bedenkt, was zwei Tage später wieder aus dem Winterschlaf erweckt wurde, könnte man stutzig werden: Letzten Sonntag eröffnete auf dem Bundesplatz das diesjährige Wasserspiel. Die Wasserfontänen laufen von nun an wieder täglich von elf Uhr mittags zwölf Stunden lang. 26 Fontänen sind es, eine für jeden Kanton.

Bern steht somit in einem Zwiespalt: An einer Ecke in der Stadt wird für das Wasserspenden geworben und zwanzig Meter davon entfernt, werden jährlich ungefähr 70 Millionen Liter Wasser ungenutzt in die Luft gespritzt.

 

Genauer hingesehen, ist die Wassermenge etwas zu relativieren. Das Wasser wird, nachdem es sich aufgetürmt hat, wieder in einem Rücklaufbecken unterhalb des Bundesplatzes gesammelt. Danach fliesst es durch Pumpen in Sandfilteranlagen und wird desinfiziert. Anschliessend folgt ein zweites Becken und das gesammelte Wasser wird von dort aus wieder in die Düsen gepumpt. Das Wasser, dass durch die Verdunstung verloren geht, wird mit dem Wasser aus Abwasserleitungen der Brunnen in der Umgebung ersetzt. Es handelt sich also um ein geschlossenes System.

 

Schweizer Wasserkönige

Als Wasserschloss Europas wird die Schweiz oft bezeichnet. Weshalb das Wasser auf dem Bundesplatz also nicht gebrauchen, wenn es reichlich vorhanden ist und in einem geschlossenen System gehalten wird? Was sollte sonst damit getan werden – verschickt? Würde es nicht so genutzt, würde es eben in der Aare Richtung Hagneck fliessen.

 

Auf die Frage, ob die Wasserspiele denn eine Wasserverschwendung sind, antworten die Passanten auf dem Bundesplatz unterschiedlich. Es sei in gar keiner Art eine Verschwendung des Wassers. Im Gegenteil: Die Menschen erfreuen sich doch am Wasserspiel, meint etwa ein älterer Herr. Eine Besucherin erinnert sich noch an die Zeit vor dem jetzigen Bundesplatz: “Dort waren alles nur Parkplätze. Ich bin froh, hat man etwas daraus gemacht, was Jung und Alt Freude bereitet.” Andrina aus Bolligen unterstützt das: “Im Sommer wenn es warm ist, springe ich mit meinen Freunden manchmal in die Wasserdüsen. Egal wie alt man ist, es macht immer Spass. Auch als Touristenattraktion wird es wohl gut sein.”

 

Das sieht Viktoria aus Deutschland hingegen anders. Sie habe zwar davon gehört, es aber noch nie wirklich gesehen. Sie würde jetzt nicht unbedingt wegen diesen Fontänen den Bundesplatz besuchen. Ein Student meint ausserdem, dass es nicht nur um den Wasserverbrauch an sich gehe, sondern auch um die benötigte Energie und die Verwendung von Chemikalien für die Reinigung. Zudem sollte man sich bewusst sein, was es heisse, an einem Flussoberlauf Wasser zu entnehmen. In Kenia zum Beispiel gibt es Konflikte, weil mit dem Wasser aus dem Oberlauf nicht effizient umgegangen wird und deshalb die Flussläufe im Unterland austrocknen. Des Weiteren wird aufgrund der Gletscherschwunde in Zukunft auch in der Schweiz während dem Sommer vermehrt mit Trockenperioden gerechnet werden müssen. Denn die Gletscher sind für einen Grossteil des Wasserabflusses im Sommer verantwortlich.

 

Blieb lediglich die Frage zur Enttäuschung, weil das Gerücht mit den Goldbarren unterhalb des Bundesplatzes nicht stimmen könne. Die meisten Passanten legten ein schiefes Grinsen auf. Nur einer meinte unbeeindruckt: “Vielleicht bunkern die Goldbarren ja zwei Meter tiefer im Boden als die Pumpanlagen?”

Eine Begegnung im Himalaya

Wie kam es, dass du Sadhu kennengelernt hast? Wer hat dir davon erzählt, dass diese Person existiert?

Die einfache Art zu leben interessiert mich sehr. Nachdem ich den Film ,Nomad’s Land-˜ realisiert hatte, wollte ich in dieser Weise ,nichts zu haben-˜ noch weiter gehen. Daher plante ich, einen Film über einen Sadhu zu machen. 2010 fand in Indien die Kumbha Mela statt. Es ist das grösste religiöse Fest in der Welt. Dort habe ich nach einem Sadhu gesucht, den ich begleiten könnte. Ich war jedoch noch nicht überzeugt. Nach ein paar Monaten habe ich mich schliesslich dazu entschieden, zu den heiligsten Örtern, am Anfang des Ganges, zu gehen. Auf dem Weg zum Gletscher, auf 3200 Metern, habe ich ihn dann getroffen. Er lebte dort seit acht Jahren in einer Höhle. Ich blieb in einer Höhle in seiner Nähe, und fragte, ob ich dort leben dürfe. So fingen wir langsam an, miteinander zu sprechen.

 

Obwohl Sadhu Suraj Baba den spirituellen Weg gewählt hat, macht er doch den Eindruck, immer noch sehr viele Zweifel zu haben. Er hinterfragt viel und ist auch manchmal traurig. Was fehlt ihm in seinem Leben?

Was ich über sein Leben weiss, ist, dass er während der Zeit in der Höhle zufrieden war und das Leben als Asket akzeptierte. Nach den Jahren realisierte er dann, dass ihm einige Dinge dennoch fehlten, zum Beispiel Freundschaft. Da fing er an, an seinem Leben zu zweifeln.

 

Die anderen Sadhus, die man im Film sieht, scheinen das aber nicht zu haben. Für sie ist das weltliche Leben abgeschlossen.

Es gibt verschiedene Arten von Sadhus. Nach meiner Erfahrung besitzen diejenigen, die wirklich alleine leben, nahezu alle solche Zweifel. Diejenigen, wie wir im Film sehen, leben eher in der Stadt oder in einem Ashram. Ihr Leben ist strukturierter und sie können sich gegenseitig ermutigen, auf dem richtigen Weg zu sein. Suraj ist anders. Er will nicht einfach daran glauben, dass dies der richtige Weg sein soll, sondern er will sicher sein. Das ist das Andersartige an ihm. Einerseits ist er sehr stark, da er sich solche Fragen stellt, aber andererseits ist es auch seine Schwäche. Ein gutes Beispiel ist Siddharta Gautama. Er war selber auch ein Sadhu. Er befand sich ebenso auf diesem Pfad und begann zu fasten. Er wurde furchtbar mager und entschloss dann, dass dies zu extrem sei. Er wollte einen Mittelweg finden und gründete daher seine eigene Religion, den Buddhismus.

 

Was war für dich das Faszinierende am Kumbha Mela Fest?

Ich wusste, dass es riesig war. 70 Millionen Menschen zunächst, und ich wusste, dass sich dort auch die Sadhus treffen. Für mich war es faszinierend, zu wissen, dass diese Menschen weit ab von der Gesellschaft leben, und sich dann dort treffen. Ich fragte mich, was sie wohl zu ihren Freunden sagen, über was sie diskutieren. Ich war sehr an den Sadhus interessiert. Und dann kommen dort plötzlich eine Million Sadhus zusammen.

 

Bist du auch ein Suchender?

Ja, nicht religiös, aber spirituell sicher. Ich mochte Suraj. Bevor ich ihn getroffen habe, war ich auch bereits so wie er. Ich respektiere Menschen, die einen Glauben haben und ich bin auch sehr interessiert an Spiritualität. Aber ich war immer sehr skeptisch gegenüber Menschen, die sich in Gruppen zusammenschlossen, und dieselben Dinge gemacht, aus demselben Buch gelesen und die dieselben Lieder gesungen haben. Religion ist für mich etwas Persönlicheres. In diesem Sinne bin ich ein Suchender. Ich suche eher nach Antworten, wie man auf dieser Welt leben kann. Für mich ist das Leben eher etwas, was man vom ersten bis zum letzten Moment geniessen sollte. Und ich denke, man ist nicht heiliger, nur weil man von den Menschen entfernt lebt. Ich persönlich habe lange alleine gelebt. Ich glaube, es ist schwieriger mit Menschen zu leben, als ohne sie. Es ist aber auch das Schönste.

 

Wo siehst du dich selber? Bist du eher ein Filmemacher oder ein Ethnograph?

Ich habe mehrere ethnographische Filme gemacht. Es ist ein Teil meines Interesses, aber was ich wirklich liebe, ist das Kino. Der Unterschied zwischen Fiktion und Dokumentation ist für mich, dass die Charaktere in der Fiktion bezahlt werden und Anweisungen folgen. Wenn ich einen Dokumentarfilm mache, möchte ich eine Geschichte, die nicht geschrieben ist, sondern die das Leben selber macht. Und ich warte, solange, bis das Leben mir die Geschichte gibt.

 

Hast du deine Meinung über Sadhus im Verlaufe des Films geändert?

Ja, es hat meine Sichtweise auf Menschen, die alleine leben, völlig umgestellt. Bei meiner ersten Reise vor 15 Jahren war ich von der Figur des Sadhus fasziniert. Auf meinen Reisen habe ich sehr viele kennengelernt und gemerkt, dass diese auch nicht immer heilig sind. Es gibt Menschen, die ihre orangen Kleider anziehen und von dir Geld wollen. Dies hat mit dem Kastensystem in Indien zu tun. Obwohl es offiziell eigentlich nicht mehr existiert. Aber die Menschen leben weiter danach. Wenn du aus der untersten Kaste stammst, oder sogar ausserhalb der Kaste stehst, bist du nichts. Du kannst nicht von einer Kaste zur anderen wechseln, ausser du wirst ein Sadhu. Das ist die höchste Kaste, die Brahmin. Diese haben das Wissen. Wenn du also zuunterst in der Gesellschaft bist, und orangene Kleider anziehst, selbst wenn du nicht als Sadhu initiiert bist, kannst du dich wie einer benehmen. Dadurch hast du ein leichteres Leben. Es ist einfacher, ein Heiliger zu sein, als ein Bettler. Auch wenn es dieselbe Arbeit ist. Diejenigen, die wirklich auf der Suche sind, siehst du fast nicht. Sie ziehen sich im Himalaya oder in Ashrams zurück. Darum dauerte es für mich so lange, jemanden zu finden.

 

Was ist für dich die Essenz des Lebens?

Ich würde mich Suraj anschliessen und sagen, ein guter Mensch zu sein. Die Hindus haben die Idee des Karma. Wenn ich etwas Gutes tue, dann erhalte ich im nächsten Leben etwas Besseres zurück. Für mich ist es so, dass wenn ich etwas Gutes für dich tue, fühle ich mich direkt gut. Es passiert direkt in mir, eine Art inneres Gesetz. Das Gute ist in jedem Menschen drin.

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Was ist die Essenz des Lebens?

Was ist die Essenz des Lebens? Liegt sie darin, ein Heiliger zu werden? Oder einfach ein guter Mensch zu sein? Diese Fragen beschäftigen den Sadhu Suraj Baba. Er lebt zurückgezogen in einer Höhle im Himalaya. Um Antworten zu erhalten, hat er allen weltlichen Dingen entsagt. Nach acht Jahren in der Einsamkeit sucht ihn der Filmemacher Gaël Métroz auf und freundet sich mit ihm an. Als Gaël nach einigen Wochen zum Kumbha Mela Fest aufbricht, entschliesst Sadhu, ihn zu begleiten. Er möchte seine Reise auf der Suche nach der Wahrheit fortsetzen. Gaël begleitet den Sadhu von da an mit der Kamera auf seinem Weg, der ihn zu den Menschen und auf die Suche nach der Wahrheit führt.

 

Sadhu

Sadhus ziehen sich von der Gesellschaft zurück, um durch Entsagung Weisheit zu erlangen. Ihr Ziel besteht darin, das Körperliche zu überwinden, um die Seele zu erlösen. Das Wort Sadh bedeutet “guter, heiliger Mann”. Vor Antritt ihres spirituellen Lebensweges müssen die Sadhus ein Armuts- und Keuschheitsgelübde ablegen. Sie leben von den Opfergaben der Gläubigen und ziehen sich zurück, um zu meditieren. Jährlich findet in Indien das grösste religiöse Fest der Welt, die Kumbha Mela, statt. Für die Sadhus ist dies ein bedeutendes Fest. Sie versammeln sich am Ganges um sich zu waschen.

 

Den eigenen Weg finden

Nach jahrelanger Abwesenheit beschliesst der Sadhu Suraj Baba, das Fest wieder aufzusuchen. Bei seiner Ankunft trifft er auf andere Sadhus, nimmt an den Prozessionen teil und wäscht sich im Ganges. Dabei merkt er allerdings schnell, dass es am Fest auch um sehr oberflächliche Dinge geht. Seine Fragen können von den anderen Sadhus nicht beantwortet werden. Er zweifelt weiter am Sinn seines Lebensweges. Somit beschliesst er, zu den heiligen Seen nach Damodar zu pilgern. Auf seiner Reise erlebt er Momente, in denen er sich zur weltlichen Welt hingezogen fühlt. Er sucht nach Turnschuhen, in denen er laufen kann. Er wird von Menschen eingeladen und verbringt Zeit mit ihnen. Er spielt Musik auf seiner Gitarre vor. Die Lieder sind Erinnerungen aus seinem früheren Leben, als er von der westlichen Rockmusik fasziniert war. Bei einer Familie lernt er eine junge Frau kennen, zu der er Zuneigung verspürt. Seine Wanderung ist ein Hin- und Hergerissensein zwischen dem diesseitigen und dem spirituellen Weg. Der Weg endet schliesslich bei den  heiligen Seen im Himalaya. Dieser Ort ist ein besonderes Heiligtum für Sadhus. Ältere Sahdhus suchen ihn vielfach auf, um dort zu sterben.

 

Eine Reise durch Indien

Der Film zeigt die vielen Seiten Indiens, als ein Land mit einer einzigartigen Landschaft, aber auch von seiner spirituellen Seite. Auf seiner Pilgerreise begegnet Sadhu vielen Menschen, die abseits der grossen Städte am Existenzmininum leben. Er durchwandert die Wüste, sowie Städte mit bunten Märkten und Rikshas, besucht Tempel, geht in die Berge und übernachtet in den ärmlichen Bergdörfern, bei Menschen, die fast nichts besitzen. Begleitet wird der Film von einer einzigartigen Musik. Dabei singt der Suraj Baba  unterwegs immer wieder Lieder in Englisch, die von Gaël Métroz nachträglich vertont wurden. Diese wechseln mit Stücken, die der Filmemacher nach seiner Rückkehr ins Wallis mithilfe zweier befreundeter Musiker komponiert hat. Die Lieder bestehen aus indischen Sitarklängen, gemischt mit elektronischer Gitarre. Die Musik unterstreicht den Charakter von Suraj Baba, sowohl westliches, wie auch indisches Gedankengut zu vereinen.

 

Entweder oder – sowohl als auch?

Suraj Baba verkörpert einen atypischen Sadhu. Er will keinen Regeln folgen, auch wenn diese von den Sadhus selber aufgestellt werden. Solange er nicht von der Wahrheit dieser überzeugt ist, akzeptiert er sie nicht. Er hinterfragt, weshalb ein Sadhu nicht auch eine Familie haben kann und daneben seinen spirituellen Weg gehen kann. Dies trifft bei den anderen Sadhus auf Missverständnis. Daher geht er seinen eigenen Weg. Und stösst mit seinen Fragen manchmal an die Grenzen, die ihn in grosse Zweifel bringen. Was ist die Essenz des Lebens? Ist es, ein Heiliger zu werden? Oder einfach ein guter Mensch zu sein?

 

Info


 

Der Kinostart für den Film “Sâdhu” in der Deutschschweiz ist am Donnerstag, 28. März 2013. Zu sehen in: Basel (kult.kino camera), Bern (CineMovie), Biel (Rex), Brugg (Odeon), Luzern (Bourbaki), Worb (Chinoworb) und Zürich (Arthouse Alba)

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Talentschmiede wird zur Kommerzwerkstatt

Fragen an die Berner Rockband Dead Bunny mit Thomas Schmidiger (Gitarre, Gesang), Fabian Lötscher (Bass) und Beni T. Bucher (Schlagzeug)

 

Ihr habt das Demo of the Year 2011 gewonnen. Was hat euch dieser Preis bedeutet?

Dead Bunny: Für uns war die Auszeichnung am m4music eine grosse Überraschung, eine unerwartete Starthilfe und eine objektive Rückmeldung nach langem Proben und Tüfteln.

 

Was hat dieser Preis bewegt?

Es folgte eine Reihe toller Konzerte, viele wertvolle Begegnungen mit wegweisenden Persönlichkeiten und die Aufnahme unserer ersten Scheibe. Höhepunkte waren die Plattentaufe im Dachstock der Reitschule Bern und die Auftritte als Support für The Young Gods in Freiburg und Black Box Revelation in Zürich.

 

Wie erlebt ihr das diesjährige m4music?

Die Musikwelt hat sich auf eine multimediale Ebene begeben – im Mittelpunkt steht nicht mehr die Musik, alles dreht sich um Lifestyle, der Gehalt wird knapp, der Ausdruck oberflächlicher und der Inhalt wird zunehmend austauschbarer. Eine alles in Allem eher ernüchternde Erfahrung.

 

An welchem Punkt seht ihr euch heute? Warum finden sich so wenig Gigs auf dem Tourplan?

In unseren Köpfen dreht sich nach wie vor alles um Musik. Wir sind in diesen Tagen glücklicherweise wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt: Wir ignorieren Massentauglichkeit und möchten den musikalischen und persönlichen Ausdruck wieder in den Vordergrund stellen. Es geht um Freude, Lust und Spass – um Energie und ein gewisses emotionales Empfinden, das sich primär in den Köpfen der Band abspielt und nicht grundlegend an den Bedürfnissen des Publikums orientiert. Dies erklärt – unter anderem – unseren Tourplan. Uns beschäftigen momentan in erster Linie Ideen zu neuen Songs, die sich durchaus vom Bisherigen unterscheiden.

 

Fragen an Fabio, Besucher am m4music

 

Was hat dich ans m4music gelockt?

Fabio: Die breite Auswahl an Infos und Panels zu verschiedenen Themen in der Kreativ- und Musikwirtschaft, und die spannenden Bands.

 

Wie empfindest du die Stimmung hier?

Eine Mischung aus Festival, Netzwerktreffen, Messe und Party. Der Brand m4music hat sich zu einer nationalen Grösse entwickelt. Die Stimmung im Bereich Festival finde ich trotz grossen Acts wie Jamie Lidell etwas zurückhaltend. Der Bereich Conference und Demo-Clinic wird sehr gut frequentiert, es ist offenbar ein grosses Bedürfnis von Musikschaffenden, einen Austausch über das eigene Schaffen zu finden.

 

Welches Rüstzeug braucht heute ein Musiker in der Schweiz, um von der Musik leben zu können?

Dasselbe wie früher: Talent, Können, Kreativität und einen starken Willen. Der Musiker muss aber heute vermehrt seinen eigenen Auftritt nach aussen “managen” und auf sozialen Plattformen präsent sein. Heute ist wohl ein Video auf Youtube wichtiger als schön gestaltete Bewerbungsmappen für Labels und Booker. Aber es zählt nach wie vor in erster Linie der Song.

 

Resümee: Das m4music ist ein Ort wo man sich trifft; es tummeln sich gestandene Musiker und „Szenis“ gleichermassen, von der Band aus dem Proberaum um die Ecke bis zum internationalen Act, der auch grössere Hallen als dort zu füllen vermag. Wer dann in den ersten Reihen eines Konzertes steht, vergisst manchmal, wo die Plattform aufhört: Statt der Musik zu lauschen, wird laut geredet oder werden Videos in schlechter Qualität gedreht. Der Anlass ist gut organisiert, die Leute weibeln wie wild, die Atmosphäre ist sympathisch. Toll, dass Musiker aus allen Kategorien gefördert werden und man sich seit Jahren Demotape um Demotape anhört. Doch aus dem Grundgedanken Talentschmiede wird immer mehr eine Kommerzwerkstatt; Ohropax von 20 Minuten, Kopfhörer von SRF Virus und tonnenweise Swiss Music Guides, die auf den Stehtischen in Bierpfützen schwimmen. Da sollte das M wieder mehr für die Musik stehen.

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Leeres (Tor)-Konto

“Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn wir gewonnen hätten.” Oder auch: “Wir haben nach wie vor eine gute Ausgangslage, das ist jetzt kein Weltuntergang.” So und ähnlich versuchten die Schweizer Fussballer das klägliche 0:0 in der WM-Qualifikation gegen Zypern schön zu reden. Dies gelingt aber nur bedingt, denn es gibt nicht viel, was einen positiv stimmt nach dem glücklosen Auftritt der Elf von Ottmar Hitzfeld gegen den Letzten in der Gruppe. Die Schweizer sind zwar immer noch Leader – und das ist es auch, was die Beteiligten in den zahllosen Interviews immer wieder zu betonen pflegten – dennoch ist es eine verpasste Chance, der man hoffentlich später nicht noch nachtrauern wird, den Vorsprung auf die Verfolger auf vier Punkte auszubauen.

 

Das Schweizer Team hat Mühe, Tore zu schiessen. Auch das letzte Spiel im Februar gegen die Griechen endete 0:0. Ob die Torflaute der Schweizer mit der prekären finanziellen Situation der beiden Gegner zusammenhängt und die Schweizer es gewissermassen aus Mitleid vermieden, das Tor zu treffen, ist nicht abschliessend zu klären. Es wäre aber eine Erklärung dafür, warum die Schweizer ihre Möglichkeiten auf zum Teil klägliche, haarsträubende Weise ungenutzt liessen. Da nützte auch der unerschütterliche Optimismus des SF – pardon, SRF-Reporters nichts mehr. Er meinte nach jeder ausgelassenen Chance, dass sei nicht so schlimm, eine ginge dann schon noch rein.

 

Unerschütterlich sind auch die Schweizer Fans, die das beinahe leere Stadion in Nikosia fest in ihrer Hand hatten. Ob die zypriotischen Supporter ihr Geld lieber in Sinnvolleres – bei diesem Spiel findet sich solches schnell – investieren wollten, oder ob sie ein repressives, am Ziel vorbeischiessendes Hooligan-Konkordat, wie es der Kanton Bern seit Jüngstem kennt, daran hinderte, ans Spiel zu kommen, ist nicht bekannt.

 

Laut Xherdan Shaqiri ist die Nati so oder so “auf bestem Weg in Richtung Brasilien”. Es würde aber sicher nicht schaden, wenn die nächsten Gegner aus einem finanziell stabileren Land kämen, für alle Fälle.

GenerActions – Alt trifft auf Jung

Das Prinzip von “GenerActions” ist einfach: Junge Leute stellen ihre verrückten Ideen vor und lassen sich von einer erfahrenen Jury ein Feedback geben. Zudem erhalten die Referenten wichtige Tipps, die ihnen das Durchführen ihres Projekts erleichtern soll.

Basierend auf diesem Konzept hat Infoklick.ch, Kinder- und Jugendförderung Schweiz, zum ersten Mal in der Zentralschweiz einen derartigen Anlass veranstaltet. Die Organisatoren gingen mit viel Begeisterung an die Sache ran und konnten viele motivierte Mitglieder des Netzwerks Innovage dafür gewinnen, einem wichtigen Partner, um die Sitzung reifer zu gestalten. Innovage vereint qualifizierte Menschen mit Führungs-, Verwaltungs- oder Beratungserfahrung, die pensioniert sind oder kurz davor stehen. Die Anzahl Jugendlicher dagegen war überschaubar: 5 waren anwesend, davon 3 Referenten.

 

Luzerner planen Parkour-Anlage

Parkour – eine Sportart, bei der man nur mit Einsatz des eigenen Körpers am schnellsten von A nach B kommt. Eine Sportart, die totale Körperbeherrschung erfordert und viel Konzentration. Eine Sportart, die ziemlich unbekannt aber am durchstarten ist.

Ein Team junger Luzerner und Luzernerinnen will dafür die erste Parkour-Anlage der Schweiz auf die Beine stellen. Mit der Messe Luzern haben sie bereits einen Standort gefunden, und die Zusage auch schon. Sie dürfen nun auf der alten Tribüne eine Anlage planen und entwerfen, wobei sich der Platz als optimal erweist, da es einen geregelten Zugang gibt und somit nicht jedermann auf den Geräten trainieren kann und einen Unfall gebaut wird

 

Ihr Projekt präsentierten Raphael Bicker und Elias Steiner vom Verein Parkour Luzern nun der kritischen Jury am “GenerAction”. Parkour mag für die meisten Jugendlichen ein Begriff sein. Hingegen ist das ein wahres Fremdwort für die Generation 60+. Um einen Vorgeschmack davon zu geben, zeigten die Luzerner erst einmal ein Video, welches viel Begeisterung bei den Senioren auslöste.

 

Das Rechtliche – wer haftet denn?

Dann ging es in die Diskussion. Denn auch wenn das Projekt schon gut aufgegleist ist, so gibt es doch noch viel Klärungsbedarf. Da es schweizweit kein Referenzmodell gibt, ist unklar, wer wofür haftet. So muss geklärt werden, wer bei einem Unfall haftet und wie die Versicherungen diese Sportart einstufen.

In diesem Bereich kommt unsere Jury zum Zug. Die Erfahrung zeigt, dass bei Jugendlichen Nachholbedarf besteht in Sachen Recht und Haftung. Es gibt leider zu viele Dinge, die man nicht beachtet. Als routinierter Senior jedoch wird man diese im Laufe des Lebens gelernt haben, oder wurde selber mal damit konfrontiert. So konnten die Jungen von den “Alten” sehr viele neue Telefonnummern einholen, und Tipps, um eine Anlage diesen Ausmasses zu finanzieren und sorgfältig zu pflegen.

 

Als die Diskussionen zu Ende gingen, war klar: es haben beide Parteien profitiert! Die älteren Leute entdeckten eine neue Seite der Jugendlichen, und der Verein Parkour Luzern erhielt wichtige Informationen für sein Projekt, von Haftungsfragen bis zu Bauplänen. Somit erfüllte das erste “GenerActions” im Theater Pavillion seinen Zweck.

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