Kultur | 05.02.2013

Zwischen Bühne und Leinwand

Text von Jana Schmid | Bilder von zVg.
Der in Solothurn wohnhafte Aaron Hitz ist in der Stadt vor allem durch sein Bühnenspiel bekannt: Zwei Jahre war er am Stadttheater engagiert. Nun hat er sich vermehrt dem Film zugewandt und war an den diesjährigen Filmtagen gleich in vier Filmen zu sehen. Der junge Schauspieler über Bühne, Leinwand und Zukunft.
Aaron Hitz in "Teneriffa" von Hannes Baumgartner.
Bild: zVg.

Aaron Hitz, 28 Jahre alt, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste Bern und war anschliessend zwei Jahre festes Ensemblemitglied am Theater Biel Solothurn. In der laufenden Saison steht er als Gast in der Inszenierung Souvenir neben Barbara Grimm auf der Bühne. Daneben arbeitet er als freier Schauspieler und hat sich vermehrt dem Film zugewandt. So wirkte er jüngst in Filmen wie One Way Trip und Giochi d’Estate mit und spielte in der SRF-Fernsehserie Der Bestatter neben Mike Müller.

 

 

Tink.ch: Du bist seit zwei Jahren nicht mehr fest am Stadttheater engagiert. Was hält dich im kleinen Solothurn?

Aaron Hitz: Das werde ich oft gefragt. Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und man ist schnell integriert. Während meiner Zeit am Theater habe ich ein wertvolles Netzwerk aufgebaut, das ich nicht aufgeben wollte. Ich kann ja auch von hier aus als freier Schauspieler tätig sein. Mittlerweile zieht es mich aber schon langsam weg. Als ich aufgehört hatte, hier zu arbeiten, blieb nur noch das Private und das ist schon manchmal schwierig. Vor allem weil viele meiner Theaterkollegen von damals inzwischen weitergezogen sind. Ich würde sehr gerne nach Deutschland. Nicht nur wegen der Arbeit, mir gefällt auch die Mentalität der Leute da. Ich denke, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für mich.

 

Könntest du dir vorstellen, wieder ein festes Engagement anzunehmen?

Ich weiss nicht (zögernd). Ich denke aber nicht, dass dies in näherer Zukunft das Richtige ist. Ich habe als freier Schauspieler viele Kontakte geknüpft und solange ich Angebote bekomme, bin ich lieber frei. Es ist besser, zeitlich und vertraglich ungebunden zu sein, sonst gehen dir schnell Möglichkeiten durch die Lappen.

 

 

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Da habe ich noch nicht die geringste Ahnung. Ich möchte mich eigentlich auch nicht festlegen. Für mich ist einzig die Frage noch offen, wie ich den Beruf der Schauspielerei weiterhin angehen werde: Was mache ich alles, wo sind die Grenzen, wie wählerisch darf ich bei der Projekt –und Rollenwahl sein, inwiefern muss ich mich anpassen? Momentan mache ich eigentlich alles. Ich will arbeiten und spielen, auch wenn mir zum Beispiel das Drehbuch mal nicht so zusagt. Hauptsache der «Output« ist hoch. Da bin ich noch ratlos, ob ich das in Zukunft auch so gestalten werde. Ich mache auch Musik und hoffe, öfters in dieser Form auf der Bühne zu stehen.

 

Was fordert mehr: Die Kamera oder die Bühne?

Beides. Es sind halt sehr unterschiedliche  Sachen, die verlangt werden. Ich habe aber das Gefühl, die Bühne liegt mir mehr. Es passt von der Arbeit her besser zu mir. Ich improvisiere gerne und mag es auch, direkte Reaktionen vom Publikum zu bekommen. Zwar sieht man seine Arbeit nicht, kann aber ein Gefühl dafür entwickeln, wie man beim Zuschauer ankommt. Beim Film ist das anders. Du spielst für die Kamera, für ein totes Objekt. Ausserdem ist mir der Prozess sehr wichtig. Im Theater arbeitet man im Team und entwickelt die Rolle gemeinsam, beim Film machst du viel alleine. Du kommst ans Set, lieferst deine Szene ab und gehst dann wieder nach Hause. Das Tolle am Filmen ist hingegen, dass man eine Figur viel intensiver verkörpern muss. Vor der Kamera muss man hundertprozentig in der Rolle sein. Da kommt es auf die Feinheiten an.

 

Du hast schon auf Mundart, Hochdeutsch und Italienisch gedreht. Welche Sprache magst du am liebsten?

Es kommt sehr auf den Film an. Ich spiele gerne im Dialekt, aber es muss passen. Hochdeutsch ist eine schöne Sprache und eigentlich meine liebste. Das rührt wahrscheinlich auch daher, dass ich beim Theater angefangen habe, wo auf richtiges Deutsch viel Wert gelegt wird. Man darf auch nicht vergessen, dass man hochdeutsches Material braucht, wenn man in Deutschland Fuss fassen will. Italienisch konnte ich vor Giochi d’Estate praktisch gar nicht. Der Regisseur hat mich gefragt, ob ich Italienisch spreche und Motorrad fahren könne. Ich habe beides verneint. Trotzdem bekam ich die Rolle. Ich habe mich schon etwas unwohl dabei gefühlt, nicht wirklich zu verstehen, was die anderen sagen. Aber zum Glück war es dann nicht so schwierig, Italienisch zu lernen.

 

Würdest du auch gerne einmal selber Regie führen?

Im weitesten Sinne habe ich schon als Regisseur gearbeitet, im Kindertheater (lacht). Ja, ich denke schon, dass ich mir das in Zukunft vorstellen kann. Ich merke, wie ich bei manchen Produktionen den Drang habe, mitzureden und meine Ideen einfliessen zu lassen. Es kommt sehr auf den Stoff an. Ich wäre sehr interessiert daran, ein Thema zu wählen und daraus dann einen Stoff für die Bühne zu entwickeln. Wenn sich also das richtige Projekt ergibt, bin ich auf jeden Fall dabei.

 

An den Solothurner Filmtagen warst du in vier Filmen zu sehen. Auf welchen bist du besonders stolz bzw. hast dich besonders gefreut, ihn zu präsentieren?

Am meisten habe ich mich auf den Kurzfilm Teneriffa gefreut. Der Regisseur Hannes Baumgartner hatte Schwierigkeiten, für den Film Unterstützung zu erhalten, er stiess auf einigen Widerstand. Umso schöner ist es jetzt natürlich, dass sein Film in Solothurn gezeigt wurde. Teneriffa ist das Projekt, in dem ich am stärksten involviert war. Ausserdem hat mich dieser Film von meiner schauspielerischen Leistung her am meisten überzeugt.

 

 

Aaron Hitz an den Solothurner Filmtagen


An den Solothurner Filmtagen waren folgende Filme mit Aaron Hitz im Programm: Der Kurzfilm Teneriffa (Regie: Hannes Baumgartner), Das alte Haus (Regie: Markus Welter), die Romanverfilmung Der Teufel von Mailand (Regie: Markus Welter) und Das Missen Massaker (Regie: Michael Steiner).