Kultur | 05.02.2013

Versteckspiel unter Masken beim Tatort

Text von Michael Küng | Bilder von Nikkol Rot/SRF
Stefan Gubser und Liz Ritschard schauen im neusten Tatort unter die Masken. Die verstärkte Charakterzeichnung bringt Neues ans Licht und macht den Krimi publikumsnahe. Der Erfolg scheint greifbar.
Im neuen Fasnachts-Tatort übernehmen die Schweizer Produzenten die Erzählweise der Deutschen. Der Tatort wird persönlicher.
Bild: Nikkol Rot/SRF

Dass sich das Schweizer Radio und Fernsehen für seine noch junge Tatort-Reihe, hohe Ziele setzt ist nichts Neues. Dieses Mal ist es die Verschmelzung von Tradition mit eigener hochstehender Krimihandlung. Als Motiv hat man sich das typische Luzerner Fasnachtstreiben vorgenommen. Eine kluge Entscheidung, denn wie bekannt sein dürfte, ist der Fasching in weiten Teilen von Deutschland sehr beliebt. So hat auch der deutsche Zuschauer eine Verbindung zum Thema, wenn er den Tatort im Rahmen der Koorperation in der ARD sieht.

 

Fasnacht und Volklore

Der Zugang zur Handlung ist einfach und schnell gestaltet. Zum Fasnachtsauftakt “Schmutziger Donnerstag” geschieht ein Mord mitten unter den Narren. Die Tatsache, dass ganz Luzern während der fünften Jahreszeit eine Maske trägt, ermöglicht dem Mörder ständig unter neue Masken und in neue Rollen zu schlüpfen. Eine Schnitzeljagd durch halb Luzern beginnt. Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) müssen tief in die Abgründe der Zunft eintauchen, bei welcher der Tote Mitglied war. Als dann im Umfeld der Zunft ein weiterer Mord passiert, scheint die heile Welt der Fasnacht endgültig zerstört und die Feiertage sind ernsthaft in Gefahr.

 

Ein Tatort nach deutschen Massstäben

Im zweiten Teil des Films dominiert ein gut geschriebenes psychisches Drama rund um die Familie des Täters. Auch dies dürfte vor allem der ARD gefallen. Nach dem schlechten Start der Schweizer mit der Folge “Wunschdenken” hat die ARD sehr stark insistiert und darauf gedrängt, dass SRF die Erzählweise der Tatortreihe übernimmt. Das heisst spannende Handlung, mit hoch stehenden Drehbüchern – und häufig eben auch ein psychisches Drama. Dazu gehört auch, dass die Ermittler Ecken und Kanten haben. Also im Beruf brillant sind, im Privatleben aber häufig nicht zu Gange kommen, schwerfällig sind und mit ihrem Schicksal hadern.

 

Das Privatleben der Ermittler hatte bisher in der Schweizer Reihe nicht stattgefunden. Auch dies ändert sich mit der neusten Tatort-Folge. Die bisherigen Anspielungen auf den Hintergrund der Kommissare beschränkten sich jeweils darauf, dass Flückiger seine Kollegin salopp nach deren Liebesleben fragte. Jetzt wird für den Zuschauer klar, was das Geheimnis in ihrem Privatleben ist. Ritschard ist nämlich lesbisch und das ist bis jetzt im Tatort einmalig. Es scheint so, als wollten sich die Schweizer Macher exponieren. Ein durchaus spannender Ansatz.

 

Im Tatort-Alltag angekommen

SRF hat in diesem Tatort vieles richtig gemacht, nun muss die ARD nachziehen und mit der schlechten Synchronisation aufhören. Die Darsteller sprachen bis anhin in der deutschen Fassung ein vorgetäuschtes Schweizerdeutsch, welches den Eindruck hinterliess, dass die Darsteller nicht gut Schriftdeutsch können. “Die gewählte Sprache sei aber Absicht, um den lokalen Bezug auch in der deutschen Version hervorzuheben”, so die ARD.

 

Die Handlung hat Glück: Selbst bei schlechtem Deutsch bleibt die Grundspannung und der Nervenkitzel, die den Film ausmachen erhalten. Es scheint fast, dass SRF lediglich Zeit gebraucht hat, um gute Tatort-Geschichten zu entwickeln. Nun – mit dem dritten Film – ist SRF im Ermittler-Alltag der Tatort-Reihe angekommen.

 

 

Wann ist der Tatort zu sehen?


SRF 1 zeigt den Tatort “Schmutziger Donnerstag” am 10. Februar 2013 um 20.05 Uhr.