Sport | 19.02.2013

Stresemann und Jean Paul

Text von Simon Scheidegger | Bilder von Simon Scheidegger
Tink.ch Reporter Simon Scheidegger kommentiert die wöchentlichen Sportereignisse aus einer erfrischenden Perspektive. Kritisch, aber nicht immer ganz ernst zu nehmen.
Der sportliche Überblick der Woche: Sportissimo von Simon Scheidegger.
Bild: Simon Scheidegger

Leise keimte im Schweizer Lager die Hoffnung auf, als Lara Gut zum Auftakt der Ski-WM im österreichischen Schladming im Super-G eine Silbermedaille holte. Die Wende zu besseren Zeiten schien endlich da, und manch einer träumte schon von einem Schweizer “Stockerl”. Gustav Stresemann, ehemaliger Reichskanzler der Weimarer Republik, hätte wohl auch wieder einen Silberstreifen am Horizont gesehen, doch schon bald verschwand dieser wieder und über dem Schweizer Team sammelten sich nur noch dunkle Wolken.

 

Aus Schweizer Sicht waren es enttäuschende Wettkämpfe in den vergangen zwei Wochen. Und während die Frauen manchmal knapp an Edelmetall vorbeifuhren, waren die Männer stets weit vom Podest entfernt. Dies überrascht mit Blick auf den bisherigen Verlauf des Winters nur bedingt. Aber trotzdem hatte sich der gemeine Fan Hoffnungen auf einen Exploit gemacht. Überhaupt blieben die grossen Überraschungen aus. Mit Ausnahme von Marion Rollands Erfolg in der Abfahrt, in der sie einige Favoritinnen hinter sich liess. Die Österreicher ihrerseits hatten indes einen harzigen Start, belegen aber zum Schluss den zweiten Platz im Medaillenspiegel hinter den USA. Einen grossen Anteil daran hat der Saison-Dominator Marcel Hirscher, der mit drei Medaillen nach Hause reisen kann.

 

Die WM in Schladming hatte also durchaus seine Stars, der Amerikaner Ted Ligety wurde gar dreifacher Weltmeister, aber die Schweizer gehören leider nicht dazu. Gut ist die Ski-Saison bald zu Ende und der Frühling hält Einzug. “Das Schöne am Frühling ist, dass er immer gerade dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht”, sagte einst der deutsche Schriftsteller Jean Paul. Für die Schweizer wäre das eher heute als morgen.