Gesellschaft | 12.02.2013

Puzzlearbeit

Text von Sina Kloter | Bilder von Sina Kloter.
Dominique Vindayer ist Kriminaltechniker beim kriminaltechnischen Dienst in Bern. Er befasst sich mit Spuren, die an Tatorten hinterlassen wurden. Mit seiner Hilfe werden Täter überführt und Unschuldige entlastet.
Laborarbeiten sind ein wichtiger Teil der Spurensuche.
Bild: Sina Kloter.

Tink.ch: Wie lange arbeiten Sie als Kriminaltechniker?

Ich habe das Studium 2000 abgeschlossen. Von 2000 bis 2005 habe ich beim kriminaltechnischen Dienst (KTD) Thurgau im Aussendienst gearbeitet, was vor allem direkte Tatortarbeit bedeutete. Seit 2005 bin ich nun im Innendienst beim KTD Bern tätig.

 

Wie muss man sich einen kriminaltechnischen Dienst vorstellen?

Die Kantonspolizei Bern beschäftigt insgesamt circa 2’500 Angestellte. Der grösste Teil davon ist die Uniformpolizei. Der Rest sind vor allem Fahnder und Spezialdienste. Der KTD hat ungefähr 65 Mitarbeitende, wobei 40 im Aussendienst und 25 im Innendienst tätig sind. Der Aussendienst besteht aus vier „Pikettgruppen“, die 24 Stunden und sieben Tage die Woche verfügbar sind. Sie rücken an einen Tatort aus und stellen die verschiedenen Spuren sicher.

 

Was sind Ihre Aufgaben als Kriminaltechniker?

Ich bin im Innendienst tätig. Hier gibt es. Spezialisten zu den verschiedensten Fachbereichen. Zum Beispiel für Schusswaffendelikte, Urkunden oder anderen Spuren wie Fingerabdrücke. Ich arbeite im Bereich des Labors und leite die Fachgruppe Bio- und Mikrospuren. Dort beschäftigen wir uns mit allem, was mit DNA und mikroskopischen Spuren wie Textilfasern oder Lacksplitter in Zusammenhang steht.

 

Das heisst konkret Spuren zu finden, diese sicherzustellen, sie auszuwerten und danach richtig zu interpretieren. Immer mit dem Ziel einen Täter zu identifizieren, aber auch Unschuldige auszuschliessen. Das darf man nicht vergessen, es geht nicht nur um die Täter. Auch die Entlastung von Unschuldigen gehört dazu.

 

Weshalb wollten Sie Kriminaltechniker werden?

Ich war immer Fan von den Polizeiermittlungen und Serien wie «Columbo« im Fernsehen, das war ein Grund. Mein Grossvater war als Fotograf bei der Schule für Kriminalwissenschaften an der Universität Lausanne angestellt und seine Geschichten über die Spuren haben mich als Kind immer fasziniert. Zudem mag ich die Puzzlearbeit. Oft muss man mehrere Sachen zusammensetzen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Die Forensik ist eine Feinarbeit, es braucht viel Geduld und man kommt nicht immer sofort auf die Lösung – nicht wie im Fernsehen – das finde ich interessant.

 

Wie wird man Kriminaltechniker?

In der Schweiz gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann an der Universität Lausanne, der Ecole des Sciences Criminelles (ESC), forensische Wissenschaften studieren. Oder sich als Polizist mit mehreren Jahren Berufserfahrung mit speziellen Kursen weiterbilden und zusätzlich eine halbjährige interne Einführung und weitere externe Kurse absolvieren, dann wird man auch Kriminaltechniker.

 

Ist das Studium der Forensik bei Studenten beliebt?

Immer mehr. Als ich das Studium begonnen habe, waren wir 80 Kommilitonen. Am Ende haben dreizehn das Studium erfolgreich abgeschlossen. Heute sind es im ersten Studienjahr circa 200 bis 250 Studentinnen bzw. Studenten und am Schluss noch ungefähr 25. Vor allem dank Serien wie CSI wächst das Interesse für diese Studienrichtung.

 

Die ersten zwei Jahre des Studiums sind vergleichbar mit Biologie, Chemie oder Medizin. Der Stoff beinhaltet viel Mathematik, Chemie, Physik und Biologie. Dadurch sind die ersten Prüfungen sehr selektiv. Später kommen Fachstoffe wie Fotografie, Strafrecht, Rechtsmedizin und die Forensik selber.

 

Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag von Ihnen  aus?

Es gibt grosse Unterschiede zwischen Innen- und Aussendienst. Der Aussendienst besteht hauptsächlich aus Tatortarbeit. Im Innendienst bearbeitet wir zugestelltes Spurenmaterial, das von der Uniformpolizei oder anderen KTD-Mitarbeitenden zugeschickt wird. Es sind z.B. Kleider von Sexualopfern, die auf Spuren abgesucht werden müssen. Dazu kommt die Ausbildung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder das Ausprobieren von neuen Methoden für die Forschung.

 

Was sind die häufigsten Spuren, die Sie untersuchen?

DNA ist heute eine der wichtigsten Spuren bei der Untersuchung von Delikten. Gefolgt von Fingerabdrücken. Obwohl diese Spur mittlerweile ziemlich bekannt ist, kommt es bei Spontandelikten immer noch vor, dass wir Fingerabdrücke finden. Dann gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Spuren wie z.B. Schuhspuren oder Werkzeugspuren. Grundsätzlich suchen wir immer nach allen Spuren, weil wir am Anfang nicht wissen können, was der Täter hinterlassen hat.

 

Ich persönlich finde die Beurteilung der Blutverteilung am Tatort am interessantesten. Aufgrund der Verteilung, Grösse und Form von Blutspritzer ist eine Interpretation der Blutspurenbilder an einem Tatort möglich. Dies gibt Aufschluss über den Tathergang oder Informationen über die benutze Waffe.