Kultur | 05.02.2013

Nicht nur China kommt zu spät

Lärm, der Glück bringen und böse Geister vertreiben soll: Am 10. Februar 2013 begrüssen Millionen von Menschen das Jahr der Schlange. Mit Strassenparaden, viel Feuerwerk und Tempelbesuchen feiern die Asiaten ihren wichtigsten Feiertag, der jedes Jahr auf einen anderen Tag fällt.
Das Fest zum Jahreswechsel ist für die Asiaten etwa so wichtig, wie für die Europäer Weihnachten. Im Jahr der Schlange sollte man auf sein Geld achten, da die Schlange keine Verschwender mag.
Bild: Thi My Lien Nguyen

Hier in Europa wird Silvester bekanntlich am 31. Dezember gefeiert. Um Mitternacht begrüssen wir das neue Jahr und machen Vorsätze, die in den meisten Fällen unglücklicherweise nicht eingehalten werden. Ganz anders ist es in China: Der Beginn des Neujahrsfestes fällt auf einen Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar. Das genaue Datum des Festes wird nach dem Mondkalender berechnet. Nicht nur in China ist das Fest gang und gäbe. Gefeiert wird das Fest vor allem in ostasiatischen Ländern, unter anderem in Korea, der Mongolei, in Taiwan und Vietnam.

 

Nian, das Jahresmonster

Das chinesische Neujahr hat seinen Ursprung in einer alten Legende, welche besagt, dass ein menschenfressendes Monster jährlich aus den Bergen kam und dem Dorf Unheil brachte. Um sich vor dem Biest zu schützen, machten die Dorfbewohner Lärm, Feuer und strichen alles rot. Das Monster reagierte auf die Massnahmen sehr sensibel und kehrte nie mehr zum Dorf zurück. Das “Gehen des Jahresmonsters” wurde als “Gehen des alten Jahres” interpretiert.

 

Sitten und Bräuche

Da ein so wichtiges Fest einen grossen Aufwand mit sich bringt, beginnen die Vorbereitungen schon zwei Wochen vor Neujahr. Traditionell muss die Reinigung des Hauses vor dem Beginn des Festes vollbracht sein, weil man durch die Hausreinigung das Unglück aus dem Haus zu fegen hofft. Die anschliessende Dekoration mit zahlreichen roten Lampen und Papierbändern darf natürlich nicht fehlen. Die Farbe Rot steht in China für Glück, Freude und Wohlstand. Die rote Dekoration lässt sich jedoch auch mit der Legende erklären: Dank der roten Farbe, dem vielen Lärm und dem hellen Feuerwerk wurde das Jahresmonster verscheucht. Goldige Glückszeichen, welche an die Wände geklebt werden und Spruchbänder gehören ebenfalls zur Dekoration dazu.

 

Gefeiert wird nicht nur einmal

Das Neujahrfest umfasst gesetzlich drei Feiertage, traditionell dauert das Fest fünfzehn Tage. Während dieser Zeit sind die öffentlichen Transportmittel stets überfüllt. Millionen von Chinesen nehmen stundenlange Zugfahrten in Kauf, um zu ihren Familien zurückzukehren. Die Flugzeuge nach China sind meist ausgebucht, da auch Ausgewanderte ihre Familien, Verwandten und Freunde besuchen möchten. Das Neujahrsfest ist ein Fest der Zusammenkunft, welches von der Bedeutung her mit Weihnachten in der westlichen Welt verglichen werden kann.

 

Spätestens am Vorabend des Neujahrsfestes kommt die Familie zu einem reichhaltigen Festessen zusammen. Nach dem Essen werden die roten Umschläge an die Kinder verteilt, welche Geldgeschenke beinhalten. Das Fest wird vom Neujahrstag bis zum Schluss, dem 15. Tag, gefeiert.

 

Tag der Kerzen

An jedem Tag sollten entweder Dinge erledigt werden oder Leute sollten besucht werden. Der zweite Tag steht beispielsweise für die Rückkehr der verheirateten Töchter mit ihrem Ehemann in ihre Familien, wo wieder mit einem reichhaltigen Festmahl gefeiert wird. Am letzten Tag werden ausserhalb des Hauses Kerzen angezündet, welche den Geistern den Weg nach Hause leiten. Zusätzlich gehen die Menschen mit Laternen auf die Strassen. Mit diesem Laternenfest endet das Neujahrsfest.

 

Was man am 9. Februar 2013 tun sollte:

-¢ Die Fenstern und Türen öffnen, um das Glück während des Festes hineinzulassen.

-¢ Süsses Essen versüsst das neue Jahr.

-¢ Das Haus putzen, weil man damit das Unglück hinausfegt.

-¢ “Was am ersten Tag des neuen Jahres passiert, reflektiert das kommende Jahr.«”– Nach diesem Vorsatz wird viel herumgealbert.

-¢ Licht in der Nacht brennen lassen, um die Geister abzuschrecken und gleichzeitig dem Glück den Weg ins Haus zu leiten.

-¢ Vollständige weisse oder schwarze Kleidung vermeiden, da die weisse Farbe die Beerdigungsfarbe ist und Schwarz die Farbe des Unglücks darstellt.

 

 

Das Schlangenjahr


Das Jahr der Schlange soll besonders für kreative Menschen ein fruchtbares Jahr sein, da die Schlange einen ausgesprochenen Sinn für Schönheit und Ästhetik hat. Für das Schlangenjahr sollte man zudem das persönliche Budget im Auge behalten, weil die Herrin des nächsten Jahres, die Schlange, keine Verschwender mag. Nichtsdestotrotz wird die Schlange vernünftige und gerechte Entscheidungen und Glück bringen, weil sie als besonders intelligent und weise gilt.