Gesellschaft | 19.02.2013

Fastend, fastender, Mira

Sind die Freuden der Fasnacht doch gross, so wird man bald darauf an die Fastenzeit erinnert. Nach einer Woche feuchtfröhlichem Feiern, ist es an der Zeit, dass sich alle Feiernden neuen Herausforderungen stellen. Auch ich musste mir dieses Jahr die Frage erneut durch den Kopf gehen lassen: Mira, wirst du wieder 40 Tage lang auf Süssigkeiten verzichten?
Für unsere Autorin Mira Weingart gibt es erstmal keine Schokoladentorte mehr.
Bild: Eva-Maria Rossmann/Pixelio.de

Fasten oder nicht? Die Frage, wenn sie so gestellt ist, klingt sehr sachlich. Es hört sich also alles ganz normal an. In meinem Kopf klingt das anders. Etwa so: “Hilfe! 40 Tage ohne Schokolade? Nein Mira, das tust du dir doch nicht an!” Einerseits wäre es zwar gar nicht so schlecht für meine Disziplin und mein Körper würde es mir ausserdem danken, mal etwas anderes als nur Schokolade zu kriegen. Aber anderseits lohnt sich das doch überhaupt nicht. “Komm schon, nur weil deine Freundinnen das machen, musst du das nicht auch tun”, schallt es durch den Kopf. Und wie steht es mit meinem Eiskaffee am Morgen und dem Schokoladebrötchen am Nachmittag aus? Und überhaupt: Wer hat denn dieses blöde Fasten überhaupt eingeführt?

 

Die Fastenzeit bedeutet ursprünglich und in allen Religionen, sich und seinen Geist zu reinigen. Im Christentum dauert sie 40 Tage, vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag. Nicht nur die Mathematikgenies unter den Lesenden werden beim genauen Nachzählen feststellen, dass es mehr als 40 Tage sind. Das liegt daran, dass die Sonntage von der Fastenzeit ausgenommen sind. Es wird zudem einmal mehr ersichtlich, dass die 40 in der Bibel eine wichtige Symbolik hat. So blieb Moses 40 Tage auf dem Berg Sinai und die Israeliten wanderten 40 Tage durch die Wüste. Im Christentum geht die Fastenzeit aber konkret auf das 40-tägige Fasten von Jesus in der Wüste zurück. Trotzdem bedeutet das Fasten für uns nicht direkt auf jegliche Nahrung zu verzichten. Vielmehr sollte auf Genussmittel verzichtet werden. Das bedeutet zum Beispiel den Verzehr von Fleisch. Heute ist das Fasten in ein neues Licht gerückt. Fernsehen, Alkohol und Süsses kommen vermehrt auf die Tabu-Listen der Fastenden. 40 Tage mal anders oder 40 Tage Veränderung, heisst das dann.

 

Die Motivation ist der Trick

Ins Zentrum gerückt ist der Mut zur Umstellung von Gewohnheiten. Jeder stellt sich seine eigenen Sündenlisten zusammen. So auch ich. Für mich heisst es schon seit einer ganzen Woche, keine Schleckereien – also keine Schokolade, keine Süssgetränke, keine Backwaren – mehr zu essen. Das führt dazu, dass ich vor allen Bäckereien stehen bleibe und mit sehnsüchtigem Blick die Sünden auf der anderen Seite des Fensters betrachte. Vor der Kantine brauche ich jeweils ein 10-minütiges Motivationstraining, bevor ich mit einem missbilligenden Blick und einem Glas Wasser an den süssen Auslagen vorbeistolziere.

 

Auch Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern regen sich. Sie liefern sich jeweils heftige Diskussionen wenn ich gerade einen Selecta-Automaten passiere. Und warum gewinnt trotzdem immer das Engelchen? Weil ich mich doch immer wieder zusammenreisse. Weil ich mir selbst beweisen möchte, dass ich durchhalten kann. Die ganze Fastenzeit. Abgesehen davon, kann ich danach auf zwei wichtige Punkte zurückblicken, die mir das Fasten gebracht haben: Meine Disziplin wird auf die Probe gestellt und ich räume mir einiges an neuer Zeit ein die ich sonst mit Schokolade verdrücken, ausfüllen würde. Und da ist noch etwas das mich motiviert. Ich kann nämlich stolz sein nach diesen 40 Tagen. Stolz sein und das Gefühl haben ich hätte mir etwas Gutes getan. Dafür lohnt es sich doch. Oder nicht?