Kultur | 19.02.2013

Die Welt von Sascha steht kopf

Der Film gehört einem wenig beachteten, aber nicht weniger sehenswerten Genre an: dem anspruchsvollen Kinderfilm. Erzählt wird die Geschichte des 10-jährigen Sascha.
Nachdem Sascha seine Medikamente erhalten hat, ist er nicht mehr wieder zu erkennen. Die Geschichte basiert auf tatsächlichen Erfahrungen des Regisseurs Bernd Sahling.
Bild: zvg

Mit seiner besten Freundin Elli zieht Sascha auf dem Fahrrad durch die Gegend, um auf Tunnel-Baustellen, in Treppenhäusern oder in einem verlassenen Schacht Geräusche aufzunehmen, die Elli dann zuhause am Computer zu einem  Klangteppich verwebt.

 

Kopf und knapp

Es gibt jedoch auch Schattenseiten: Sascha hat Ärger in der Schule, mit der Polizei und auch zuhause läuft nicht alles rund. Ein Erziehungsbeistand wird hinzugezogen und bei Sascha wird ADHS diagnostiziert. Er bekommt ein Medikament und scheint wie verwandelt: die Noten bessern sich und es gibt keine Probleme mehr mit der Polizei. Doch zu welchem Preis? Elli hat Zweifel. Müde und lustlos, an nichts mehr interessiert – sie erkennt ihren Freund kaum wieder.

 

Die ganze Zeit über ist Elli die einzige, die Sascha so nimmt wie er ist. Sie versucht ihm sogar das Lesen beizubringen. Passend zum Filmtitel passiert das, indem beide auf dem Bett liegend ihre Köpfe nach unten hängen lassen und Sascha so versucht lesen zu lernen. Elli hat allerdings nur wenig Erfolg: “Ich habe Buchstabensuppe in meinem Kopf”.

 

Prädikat: Sehenswert

Ein schwieriges Thema für einen Kinderfilm, möchte man denken, aber der begeisterte Applaus des jungen Premierenpublikums bei der Berlinale gibt den Filmemachern recht. Es ist möglich, Filme für Kinder zu machen, die fordernd und unterhaltend zugleich sind. Bernd Sahling ist dieses Kunststück gelungen, er erzählt Saschas Geschichte behutsam und voller Wärme für seine Figuren. Der Regisseur berichtete  von einem Fall, den er als Sozialarbeiter beim Potsdamer Jugendamt selbst erlebt hat. Dort betreute er einen kleinen Jungen der an ADHS litt. Nach dem er das bessernde Medikament einnahm sagte er zu Sahling einen Satz, der ihn nicht mehr los ließ: “Ich kann nicht mehr lachen.” Es war die Grundlage für den Film, den er Jahre später realisierte.

 

Damit ist der Film für Menschen jeden Alters äußerst sehenswert. Die Verwandlung von Sascha von einem unbekümmerten, aufgeweckten Rabauken hin zu einem teilnahmslosen Jungen wird eindringlich gezeigt.

 

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