Kultur | 05.02.2013

Der internationale Schweizer

Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zeigt das Spätwerk des Schweizer Malers Ferdinand Hodler. Es gelingt der Ausstellung, mit dem Klischee vom Alpenmaler zu brechen: Hodler zeigt sich hier als ein Wegbereiter der Moderne mit internationalem Einfluss.
Eines der berühmten Alpenbilder: "Die Dents du Midi von Champéry aus", 1916.
Bild: Nestlé Art Collection/zVg. Ein skeptischer Hodler: Das "Selbstbildnis" von 1914. Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen/zVg. "Blick in die Unendlichkeit" von 1913/14-1916 ist ein monumentales Werk. Kunstmuseum Basel, Martin. P. Bühler/zVg.

Wer kennt ihn nicht, den berühmten “Holzfäller” von Ferdinand Hodler, der im Büro von Christoph Blocher hängt? Dasselbe Bild ging auch durch die Hände von Millionen von Menschen: Zwischen 1911 und 1958 war der “Holzfäller” auf der 50er-Note zu sehen, und auch die 100er-Note war damals mit einem Bild von Hodler illustriert: mit dem “Mäher”. Schon um 1900 war der Maler reich, erfolgsverwöhnt und berühmt – zumindest in der Schweiz. Im Ausland ist er bis heute wenig bekannt, obwohl er international zahlreiche Strömungen und Maler beeinflusste.

 

 

Der Maler der Schweiz

Seine lokale Berühmtheit überrascht zunächst kaum. Der 1853 in Bern geborene Maler ist wohl der schweizerischste unter den Schweizer Malern. Wie kein zweiter prägte er das Selbstbild der Schweiz – insbesondere mit seinen bekannten und kommerziell erfolgreichen Berglandschaften. Ulf Küster, Kurator der Ausstellung in der Fondation Beyeler, meint gar, Hodler sei der “Erfinder der modernen Alpensicht”. Wie wir die Alpen heute sehen, real oder vor unserem geistigen Auge, sei massgeblich von Hodler beeinflusst – dessen sind wir uns wohl oft auch gar nicht bewusst.

 

Berglandschaften und imposante Alpenketten machen dann auch einen grossen Teil der Ausstellung aus. Unermüdlich arbeitete sich Hodler an den immergleichen Bergketten ab, nur in den Details Variationen vornehmend. Glühend, monumental, imposant, voller Erhabenheit und Reinheit sind die Alpenbilder in ihrem panorama-artigen Format. So wollen wir Schweizer unsere Alpen sehen.

 

Vorreiter der abstrakten Malerei

Das stetige Bearbeiten der gleichen Motive ist einerseits der grossen Nachfrage nach seinen Alpenbildern geschuldet. Gleichzeitig ist es auch ein Merkmal von Hodlers Modernität. Viele für die Moderne wegweisende Maler wie Degas oder Cézanne schöpften aus einer ähnlichen Beschränkung ihr künstlerisches Potential. Durch den Prozess der ständigen Wiederholung von wenigen Motiven konnten die Bilder Hodlers nämlich immer abstrakter werden. Aus Steinen, Bäumen und Wolken wurden ungegenständliche Farbflächen, die sich über die Bildfläche verteilen, der See wurde zur schwebenden Farbfläche. Auch der Umgang mit den Farben wurde immer freier: In den Wasserflächen des Genfer Sees sind grüne, rote, gelbe und pinke Farbtöne zu erkennen. Von hier aus ist der Schritt zu einflussreichen abstrakten Malern des 20. Jahrhunderts wie Mark Rothko oder Piet Mondrian nur noch ein kleiner.

 

Eindringliche Blicke

Diesen menschenleeren Landschaftsbildern stehen Hodlers Selbstbildnisse gegenüber. Besonders das Spiel der Mimik beeindruckt. Wir sehen Hodler überrascht, verschmitzt, skeptisch, wütend, auffordernd – und meist etwas jünger, als er bei der Fertigung der Bilder tatsächlich war. Weniger kurzweilig, dafür aber um einiges eindringlicher und bedrückender ist der Zyklus, in dem Hodler seine damaligen Geliebte Valentine Godé-Darel im Krankenbett darstellte. Schonungslos genau und doch mit einem liebevollen Blick porträtierte er die zunehmend von der Krankheit gezeichnete Frau, bis sie zum Schluss tot in ihrem Bett liegend zu sehen ist.

 

Der symbolistische Maler

Und dann gibt es da noch den symbolistischen Hodler, der einen mit voller Wucht trifft, wenn man den letzten Raum der Ausstellung betritt. Riesengross hängt da das etwa vier Meter hohe und fast neun Meter lange Wandbild “Blick in die Unendlichkeit”: Fünf Frauen in blauen Kleidern, tänzelnd, in einer rhythmischen Abfolge nebeneinander stehend, den Blick nach oben gerichtet, in die Unendlichkeit. Die ornamentale Wirkung der nebeneinanderstehenden Frauen und die Beschäftigung mit metaphysischen Themen wie der Unendlichkeit bringen es in die Nähe der Wiener Sezessionisten, für die Holder einen grossen Einfluss darstellte.

 

Spätestens mit diesem Bild werden die thematischen Grenzen, die Hodler an die Schweiz binden und ihn zum Schweizer Maler schlechthin machten, überschritten. Hodler wird zum internationalen Schweizer

 

 

Info


Die Ausstellung “Ferdinand Hodler” in der Fondation Beyeler in Riehen ist noch bis am 26. Mai 2013 zu sehen.