Gesellschaft | 16.01.2013

Zwölf Trauben für einen Jahreswechsel

Vor einer Woche wurde Himmel in der Nacht erhellt von lauter Feuerwerken, Korken sind geknallt und die Kinder haben sich wegen der roten Nasen und lauten Tröten aus der Tischbombe gefreut. Doch nicht überall auf der Welt wird das neue Jahr mit Feuerwerken und Tischbomben begrüsst. Die Silvestertraditionen sind so vielfältig wie die Länder in denen man von ihnen Gebrauch macht.
Die Farbe der Unterhose zum Jahreswechsel ist wichtig. Nur soll sie überall anders sein.
Bild: Helga Schmadel/Pixelio.de

Kleidung spielt eine grosse Rolle bei der Begrüssung des neuen Jahres. Sind die Italiener überzeugt davon, dass rote Unterwäsche zum Jahreswechsel Glück bringt, bestehen die Argentinier darauf, dass es rosa Unterwäsche sein muss. In Brasilien hält sich das Ganze ein wenig schlichter: Wer das Silvesterfest in Weiss feiert, dem wird ein glücklicher Start ins neue Jahr verheissen. Weiss steht für die Reinheit, Unschuld und für den Frieden. Trotzdem schwören auch die brasilianischen Frauen auf nicht ganz so unschuldige, rote Unterwäsche, die grosses Liebesglück im neuen Jahr verspricht.

 

Klösse aus Klebereis…

Die bei uns glückbringenden Marzipanschweinchen werden bei den Spaniern durch Trauben ersetzt. Das Verspeisen einer Traube pro Glockenschlag um Mitternacht solle einen Wunsch erfüllen. Und zwar ein Wunsch für jede einzelne Traube. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass in spanischen Supermärkten vor der Jahreswende die Trauben im Zwölfer-Pack angeboten werden. Auch die Chinesen versüssen sich die Neujahresnacht mit einer Frucht. Dort wird sie, übrigens eine Mandarine, jedoch nicht gegessen,  sondern ins Meer geworfen. Diese Tradition darf jedoch nur von Unverheirateten ausgeführt werden, der Wurf der Mandarine verspricht grosses Liebesglück im neuen Jahr. All die Leckereien können auch gefährlich werden – etwa die Klösse aus Klebereis, namens Mochis, die in Japan traditionell zur Jahreswende verspeist werden. Ihre Konsistenz ist so klebrig, dass schon mancher Japaner mit wenig Glück und Erstickungsgefahr ins neue Jahr gestartet ist.

 

… und Schweinshaxen mit Linsen

In mehreren Ländern kommen zu Neujahr Linsen auf den Tisch. In den südlichen Teilen der USA glaubt man, sie bringen Glück und Geldsegen, da die kleinen Linsen ein wenig wie Geldstücke aussehen. Ähnlich sehen es die Italiener: Kombiniert mit Schweinshaxen soll die Kost Glück in Geld bringen. Auch in Russland wird gegessen und geschlemmt. Trotzdem schreiben die Russen im Gegensatz zu uns immer noch das Jahr 2012. Sie feiern nämlich nicht nach dem im Westen verbreiteten Gregorianischen Kalender, sondern nach dem Julianischen Kalender – Neujahr ist bei ihnen erst am 13. Januar.

 

Bei all dem Gaumenschmaus geht schnell vergessen, dass der Ursprung des Silvesters aber nicht ein fröhliches Fest ist. Viel mehr feierte man einen Todestag. Dieser geht auf den Tod des römischen Bischofs Silvester I. zurück, der im 4. Jahrhundert seine Amtszeit antrat. Er wirkte bei der Durchsetzung der Religionsfreiheit und der Anerkennung der christlichen Kirche mit. So wurde schon im 5. Jahrhundert in allen christlichen Gebieten Europas sein Todestag, Silvester, begangen. Auch das Lärmen war schon vor dem Mittelalter üblich. Der Sylvester-Krach, mit Rasseln und Töpfen ausgeführt, wurde mit der Vertreibung von bösen Geistern begründet. Der Lärm hat sich zwar bis heute gehalten, doch wird er mehr mit Böllern und Raketen ausgeführt. Und statt böse Geister werden damit friedliche Träume und ein tiefer Schlaf vertrieben.