Gesellschaft | 16.01.2013

Weihnachten zum halben Preis

Das vermeintliche Fest der Liebe wurde auch dieses Jahr im Detailhandel ausgiebiger gefeiert als in vielen Familien. Gläserne Weihnachtskugeln, leuchtende Fensterdekos und Plastiktannenbäume sorgten auch dieses Jahr in den Kaufhäusern für klingelnde Kassen.
Kinderarbeit ist bei Weihnachtsschmuck nicht ausgeschlossen. Jetzt wird er günstig verscherbelt.
Bild: Manuel Lopez

Weihnachten ist für den Detailhandel die wichtigste Phase des Jahres. Aktuell blicken die meisten Detailhändler zufrieden auf das gut angelaufene Weihnachtsgeschäft  von 2012 zurück. Doch während nun viele Konsumentinnen und Konsumenten froh sind, von Weihnachtsartikeln bis nächsten Herbst verschont zu bleiben, müssen Einzelhändler ihre Restbestände an den Mann bringen.

 

Vom Regal ins Lager

Weihnachten ist vorüber, die Regale sind leer, die Ware ausverkauft. Oder doch nicht? Im Manor Thun ist das zum Beispiel nicht der Fall. “Unverkaufte Weihnachtsware wandert direkt in den Ausverkauf”, erklärt der Direktor Daniel Müller. “Sind die Artikel mit Rabatt immer noch nicht verkauft, bieten wir es im nächsten Oktober nochmals günstiger an”, ergänzt er. Und so wandern die Überbleibsel vom Regal ins Lager.

 

Besonders der Oktober ist ein wichtiger Monat für das Weihnachtsgeschäft: Dann treffen bei den meisten Detailhändlern die Lieferungen ein. Dem Kunden kommt es vor, als stünden die Kugeln, Girlanden und Kerzen jedes Jahr früher in den Regalen. Thomas Bornhauser, Leiter für Kommunikation und Kulturelles der Migros Aare, ist sich dessen bewusst: “Wenn im Oktober warmes Wetter herrscht, ist der Kunde noch nicht in Weihnachtsstimmung und kauft noch keine Dekoartikel. Wir bieten unsere Ware aber jedes Jahr ab der gleichen Woche an.” Dass das Wetter einen grossen Einfluss auf das Konsumverhalten der Kunden habe, sieht auch Nicole Studer, Leiterin der Medienstelle vom traditionsreichen Berner Warenhaus Loeb, ein: “Sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt oder liegt Schnee auf den Strassen, ist der Ansturm spürbar höher.”

 

Schwierigkeit Bestellmenge

Wie wichtig das Wetter und damit die Verkaufszahlen für die Geschäfte sind, stellt Peter Allenbach, Geschäftsführer des Kaufhauses Schaufelberger in Thun, klar: “Mit dem Verkauf der Weihnachtsprodukte erzielen wir zwei Drittel mehr Gewinn als mit anderer Ware. Wenn das nicht läuft, ist es schlecht.” Damit kein Verlustgeschäft entsteht, ist es besonders wichtig, keine Ladenhüter zu bestellen. “Bei den Klassikern, das heisst rote und goldene Kugeln, können wir uns auf Statistiken vergangener Jahre verlassen”, so Daniel Müller von der Manor-Filiale in Thun.

 

Jedes Jahr kommen aber neue Formen und Farben auf den Markt. Doch nicht nur der Kunde steht dadurch vor der schwierigen Wahl, mit welchem Schmuck er in diesem Jahr seinen Baum zieren will. Auch den Anbietern bereitet dieser “Modeschmuck”, wie er gerne genannt wird, Kopfzerbrechen: “Bei den jährlich wechselnden Trends ist es schwierig abzuschätzen, wie viel wir davon bestellen sollen”, betont Peter Allenbach vom Schaufelberger Thun. “Es ist gerade bei ausgefallenen Artikeln schwer abzuschätzen, wie stark die Kundschaft darauf ansprechen wird.”

 

Kinderarbeit ausgeschlossen

Besonders die Detailhandelsriesen müssen sich jedes Jahr gegen Vorwürfe wehren, Weihnachtsartikel würden zu Dumpinglöhnen von Kindern in Schwellenländern gefertigt werden. Doch woher stammen die farbenprächtigen Kostbarkeiten eigentlich? “Unsere Ware wird in China und Vietnam produziert”, so  Adrian Ziörjen vom Gartencenter Säriswil. Beim Begriff “Chinaware” liegt der Gedanke an Kinderarbeit auf der Hand. Ziörjen entgegnet: “Soweit uns bekannt ist, wird unsere Ware nicht von Kinderhänden hergestellt.” Er kann aber nichts belegen.

 

Anders bei Manor: “Kinderarbeit ist bei uns zu hundert Prozent ausgeschlossen”, so Daniel Müller. Manor engagiert sich als Partner von Max Havelaar besonders für fair gehandelte und nachhaltig produzierte Waren. Für die meisten Kunden ist dieser Aspekt jedoch zweitrangig. Hauptsache die Plastiktanne glitzert und glimmert.