Gesellschaft | 15.01.2013

Neujahr am 14. Januar

Text von Ursina Schmidt | Bilder von Katharina Good
Während der Rest der Welt bereits ins neue Jahr gestartet ist, mussten einige Orthodoxe noch auf den Jahresbeginn warten. Ein Teil der Orthodoxen Kirche feiert Weihnachten und Neujahr nämlich zwei Wochen später als alle anderen: gerade eben am 14. Januar.
Die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Münchenstein ist reichlich mit Bildern geschmückt.
Bild: Katharina Good

Auch in Basel und Umgebung sind gläubige Orthodoxe zu finden. Es bietet sich daher an, einmal einen Orthodoxen Gottesdienst zu besuchen. Die brennenden Kerzen im Eingangsbereich verbreiten Wärme, der Duft von Weihrauch liegt schwer im Raum. Einige der 80 Sitzplätze in der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Münchenstein sind bereits belegt. Es ist ein gewöhnlicher Sonntagsmorgen mit göttlicher Liturgie. Im Laufe des Morgens füllt sich die Kirche immer mehr. Die Besucher sind Frauen und Männer, alte Menschen und Kinder, die stehend oder sitzend andächtig der Liturgie folgen.

 

Viel Schmuck und Gesang

Im Innern der hellen Kirche fällt die kostbare Ikonostase ins Auge. Das ist die Bilderwand, die den Altarraum vom Rest des Gebäudes trennt. Sie ist, wie auch die Wände und die Decke, mit bunten Bildern geschmückt. Die Bilder stellen Szenen aus der orthodoxen Tradition dar. Ein grosser Doppeladler, der die orthodoxe Kirche symbolisiert, verziert den glänzenden Marmorfussboden, bevor die drei Stufen zum Altarraum führen.

 

Die göttliche Liturgie in der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Münchenstein ist in Griechisch gehalten. Ein grosser Teil der Liturgie besteht aus Gesängen, die auch als Gebete zu verstehen sind. Dazu stehen vorne vier Sänger. Zusammen mit dem Duft von Weihrauch dominieren die Gesänge die Atmosphäre in der Kirche. Im zweiten Teil der Liturgie findet die Eucharistiefeier statt. Am Schluss spricht der Pfarrer den Segen und bekreuzigt sich.

 

Orthodoxe in Basel

In der Region Basel gibt es zwei orthodoxe Kirchen. Die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Münchenstein und die Serbisch-Orthodoxe Kirche in Basel. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche feiert Neujahr nach dem julianischen Kalender, also am 14. Januar. In der Griechisch-Orthodoxen Kirche hat am 1. Januar eine Messe stattgefunden mit einem Gebet für das neue Jahr. Sie feiern also mit dem grösseren Teil der Menschheit nach gregorianischer Zeitrechnung. Die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Münchenstein existiert in der Region seit etwa 40 Jahren und umfasst 500-600 Mitglieder. Seit 2003 haben sie in Münchenstein eine eigene Kirche. Die Kirche besteht aus Turm und Kuppel und ist in Kreuzform angelegt. Ein typisches Zeichen für die Orthodoxe Tradition, die in Bezug auf Bilder und Symbolik wohl kaum zu überbieten ist.

 

Julianisch oder gregorianisch?

Doch wie kommt es, dass in manchen Orthodoxen Kirchen das neue Jahr erst am 14. Januar beginnt? Die Zeitrechnung funktioniert heute weltweit nach dem gregorianischen Kalender. Der gregorianische Kalender entstand im 16. Jahrhundert als Erneuerung des julianischen Kalenders. Er löste diesen in einem mehrere Jahrhunderte dauernden Prozess schrittweise ab. Auch heute ist der julianische Kalender – vor allem im kirchlichen Bereich – noch teilweise in Gebrauch. Die julianische Zeitrechnung wurde damals von Julius Caesar eingeführt und weicht heute ca. zwei Wochen vom gregorianischen Kalender ab. Deswegen beginnt das neue Jahr nach dem julianischen Kalender erst am 14. Januar. Einige Orthodoxe Kirchen feiern heute noch julianisch.